Wahlplakate:
Chaotisch und manchmal schwer verständlich?
Was soll das bedeuten? Warum wirbt diese Partei damit? Ein Erklärungsversuch anhand der, aus Redaktionsperspektive, am schwersten zu verstehenden Wahlplakate.

Überall in Schwerin grinsen einen wieder die Gesichter der Politikerinnen und Politiker von den Laternenmasten an. Fast wie die Weihnachtsdeko in der Mecklenburgstraße einem sagt: “Die Weihnachtszeit geht bald los!”, signalisieren die Wahlplakate: “Bald dürft ihr wieder eure Kreuze setzen!” Manche Wahlplakate sind offensichtlich und einfach zu verstehen, andere wiederum nicht.
Wir haben uns pro Partei ein Wahlplakat in Schwerin rausgesucht, das aus unserer Sicht etwas schwer verständlich ist. Und mal bei den Parteien dazu nachgefragt. Antworten, wollten einige nicht. Erklärungen wollen wir trotzdem versuchen zu liefern. Die Reihenfolge der Nennungen hier folgt keiner Parteivorliebe.
Die Fischbrötchen-Kampagne

Bei diesem Plakat stellt sich, wenn man die restlichen Wahlplakate der CDU nicht kennt, eigentlich nur eine Frage: Ist Daniel Peters lecker? Ziel der Kampagne ist das natürlich nicht. Die CDU sagt dazu, dass das Fischbrötchen das zentrale Motiv der Kampagne “Die Mitte ist das Beste” ist. Die Motivwahl wird so erklärt: “Typisch für Mecklenburg-Vorpommern, bodenständig und beliebt”. Das Plakat soll darauf anspielen und augenzwinkernd Appetit auf die Politik der CDU machen, so die Erklärung weiter.
Gelber Fleiß

“Für uns bedeutet Fleiß, Einsatzbereitschaft, Eigenverantwortung und den Willen, etwas zu bewegen, ganz unabhängig davon, ob jemand angestellt ist, ein Unternehmen führt, eine Ausbildung macht, sich um die Familie kümmert oder sich auch ehrenamtlich vor Ort engagiert.” – So definiert die FDP Fleiß für sich. Ansprechen möchte die FDP damit vor allem Menschen, die stolz auf ihre eigene Leistung sind und sich von Bürokratie und Vorgaben ausgebremst fühlen. Die Zielgruppe ist also groß: Das kann der Unternehmer sein, der schon wieder Zeit für Buchführung und Papierkram aufwenden muss. Oder der Bürgergeldempfänger, der das (überspitzt gesagt) 39te Formular ausfüllen muss. Eine ähnliche Zielgruppe hat auch eine andere Partei. In der finden sich auch einige ehemalige FDPler wieder.
Team Steuer-Raub

Mit dem prägnanten Slogan “Steuern sind Raub!” wirbt das Team Freiheit. In dieser neuen Partei finden sich viele ehemalige Liberale der FDP wieder. Der Slogan wird in den USA auch viel verwendet: Unter “taxation is theft” finden sich sowohl linke Strömungen bis in den Anarchismus, als auch rechte Strömungen der Libertären wieder. Das Team Freiheit in MV ist der Überzeugung, dass der Verwaltungsapparat ein Ausgabenproblem und nicht zu wenig Einnahmen hat. Werden nun noch höhere Abgaben und Steuern gefordert, würden sich die Menschen ausgeraubt fühlen.
Lila Haltungs Wunder

Wenn Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und Politik mitgestalten, dann ist das für VOLT ein “lila Wunder”. Die Europa-Partei will mit diesem Plakat einen Gegenpol zu Wahlkämpfen sein, die sich nur auf Probleme konzentrieren. Die Idee hinter der Kampagne erklärt VOLT so: „Haltung zeigen – Das bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen, konstruktiv an Lösungen zu arbeiten und sich klar für Zusammenhalt und Zuversicht stark zu machen.” Ziel von VOLT ist es Mecklenburg-Vorpommern aktiv mitzugestalten. Ob das nach der Wahl passiert, das wird die Fünf-Prozent-Hürde zeigen. Schafft Volt es darüber, dann wäre das ein richtig großes “lila Wunder”. Sicherlich nicht nur für MV, sondern auch für Europa.
Das Wahlplakat, das es nicht geben sollte

Ein Deutschland-Dackel und eine USA-Leine. Mit diesem Plakat, das sich auf Außenpolitik bezieht, wirbt das BSW. Das will die Landesgruppe der Partei aber eigentlich gar nicht. Woher das Plakat kommt und wer es aufgehängt hat ist unklar. Zu den Motiven, die das BSW in Mecklenburg-Vorpommern verwendet, soll es laut einem Sprecher nicht gehören. Deshalb wollte er auch die Frage, warum ein Dackel statt einem Schäferhund gewählt wurde, nicht beantworten. Wer nachschauen will ob das Plakat noch hängt, muss zum Bürgermeister-Bade-Platz in Schwerin.
Blaue Wende: Bundes- oder Landeswahl?

Mit “Respekt vor Lebensleistung” und lebensälteren Händen wirbt die AfD. Worauf die Partei damit anspielt, bleibt unbeantwortet. Soll es um Rentenpolitik gehen? Dann wäre das ein Bundespolitisches Thema und der Landtag und die Landesregierung in MV hätten dazu nicht unmittelbar etwas zu sagen. Oder will sich die AfD für günstigere Seniorentickets oder einen landesweiten Senioren-Tag einsetzen? Im überalternden Schwerin gibt es dafür sicherlich eine Zielgruppe.
Frage? Antwort! Wahlplakat!

Mit einem Wort als Frage und einem Wort als Lösung, werben die Grünen. Und mit Veranstaltungen. Die Slogans passen zum Image der Partei und die Botschaft ist ganz gut verständlich. Leider geht es immer um sehr komplizierte Probleme. Würden die Grünen die Lösungen komplett abdrucken wollen, würde der Platz pro Wahlplakat wohl nicht reichen. Auch wenn eine sehr, sehr kleine Schriftart verwendet wird. Aber weil die Grünen sicherlich sehr mit dem Finden der Lösungen beschäftigt sind, haben sie vergessen auf die Mail mit der Anfrage zu antworten.
1000 neue Lehrer?

Die Streberin Simone Oldenburg soll 1000 neue Lehrer eingestellt haben. Dieses Ziel hatte sie zu Beginn ihrer Amtszeit als Bildungsministerin ausgelobt. Hat das funktioniert und liegen der Linken Zahlen dazu vor? Und wie viele Lehrer sind im selben Zeitraum in Rente gegangen oder haben den Job gewechselt? Kann die Linke das sagen? Waren es 1000 neue oder 1000 zusätzliche Lehrer? Die Fragen hätten wir euch gerne beantwortet, eine Antwort blieben die Linken aber schuldig. Auf dem Plakat wirkt es so, als wäre Simone Oldenburg überzeugt davon ihr Ziel erreicht zu haben.
Möwe, Storch und MV

Ein Plakat der SPD, unten die Logos der JuSos und von “Storch Heinar”. Der Storch ist eine Initiative der JuSos, der die rechtskonotierte Marke “Thor Steinar” parodieren soll. Für “Storch Heinar” sind die JuSos in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich. Der Slogan “Unser Zuhause kriegt ihr nicht” und die Möwe hinterlassen aber einige Fragezeichen: Warum eine Möwe und kein Storch? Und wird mit der Möwe auf die Raub-Vögel angespielt, die an der Ostsee gerne Fischbrötchen und Eis aus den Händen der Urlauber klauen? Laut den JuSos ist die Möwe ein Zeichen für MV. Mit dem Slogan soll explizit gegen die AfD „gegengehalten” werden, die von einer „blauen Wende” auf ihren Plakaten spricht. Das die Möwen in MV auch gerne Fischbrötchen klauen (Grüße an die CDU), davon sprechen die JuSos nicht.
Zum Schluss
Auch wenn die Antwort-Disziplin bei einigen politischen Gruppen wirklich zu wünschen übrig lässt, konnten wir euch die schwierigen Plakate hoffentlich etwas erklären. Und vielleicht fandet ihr ja sogar irgendwas in diesem Artikel lustig. Und egal, was ihr von den Parteien haltet, geht bitte wählen. Lieber einen Wahlschein ungültig machen, als auf sein Recht auf Demokratie zu verzichten. Infos zur Wahl gibt es hier auf der Webseite der Stadt Schwerin. Und wenn sich eine Partei hier irgendwie falsch dargestellt fühlt, dann schreibt uns eine Mail. Wir werden versuchen euch zu trösten.
Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikel hieß es, dass Team Freiheit und SPD nicht geantwortet haben. Beide Parteien haben ihre Antwort, nach der Veröffentlichung des Artikels, nachgereicht und der Text wurde angepasst.
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