80 Stunden Reanimation:
Schwerin plant Weltrekord im Wiederbeleben
Vom 2. bis 5. September soll in der Marienplatz-Galerie 80 Stunden lang ohne Unterbrechung reanimiert werden. Für den Weltrekord im Wiederbeleben werden noch rund 200 Teilnehmer gesucht.

In Kürze:
- Vom 2. bis 5. September wollen NOFiAS und der DRK-Kreisverband Schwerin mindestens 80 Stunden ohne Unterbrechung eine Reanimation simulieren.
- Der bestätigte Rekord für die längste Reanimationsstaffel liegt derzeit bei 60 Stunden und wurde 2025 in Österreich aufgestellt.
- Für die Schweriner Aktion werden nach Angaben der Organisatoren noch rund 200 Teilnehmer für die zweistündigen Schichten gesucht.
In der Schweriner Marienplatz-Galerie soll Anfang September ein Weltrekord im Wiederbeleben aufgestellt werden. Der Verein NOFiAS und der DRK-Kreisverband Schwerin wollen vom 2. September, 8 Uhr, bis mindestens 5. September, 16 Uhr, durchgehend eine Herzdruckmassage an einer Trainingspuppe durchführen. Für die insgesamt mindestens 80 Stunden dauernde Aktion werden nach Angaben der Organisatoren derzeit noch rund 200 Teilnehmer gesucht.
Mitmachen können Einzelpersonen ebenso wie Vereine, Unternehmen, Sportgruppen, Feuerwehren oder andere Einrichtungen. Geplant sind insgesamt 40 Zeitabschnitte von jeweils zwei Stunden. Innerhalb dieser Schichten sollen sich Teams mit idealerweise sechs bis 20 Teilnehmern bei der Herzdruckmassage abwechseln.
Der derzeit vom Rekord-Institut für Deutschland geführte Rekord für die längste Reanimationsstaffel liegt bei 60 Stunden. Aufgestellt wurde er im Oktober 2025 von einer Rotkreuz-Abteilung im österreichischen Vorarlberg. Die Schweriner Organisatoren wollen diese Bestmarke damit um mindestens 20 Stunden übertreffen.
Hinter der öffentlichkeitswirksamen Aktion steht jedoch mehr als der Versuch, einen Rekord nach Schwerin zu holen. NOFiAS und das DRK wollen auf die Bedeutung schneller Erster Hilfe bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand aufmerksam machen. Denn bis Rettungskräfte eintreffen, können die ersten Minuten entscheidend sein.
Weltrekord im Wiederbeleben läuft in Schichten
Die Teilnehmer müssen die 80 Stunden nicht selbst durchhalten. Jeder angemeldete Verein oder jede Gruppe übernimmt einen der zweistündigen Zeitabschnitte. Die einzelnen Mitglieder wechseln sich währenddessen an einer Trainingspuppe ab.
Vorkenntnisse sollen nicht erforderlich sein. Nach Angaben der Veranstalter werden die Teilnehmer während der Aktion von Fachleuten angeleitet. Auch Besucher der Marienplatz-Galerie können die Gelegenheit nutzen, Herzdruckmassage und den Umgang mit einem automatisierten externen Defibrillator – kurz AED – an Trainingsgeräten zu üben.
Ein AED ist ein Gerät, das bei bestimmten lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen einen elektrischen Schock abgeben kann. Die Geräte sind so konstruiert, dass auch medizinische Laien sie nach den gesprochenen und bildlichen Anweisungen einsetzen können.
Schwerin will öffentliches Defibrillator-Netz ausbauen
Der Rekordversuch gehört zur Initiative „MV zeigt Herz“ des Vereins NOFiAS. Sie setzt sich unter anderem dafür ein, öffentlich zugängliche Defibrillatoren in Mecklenburg-Vorpommern auszubauen und mehr Menschen im Umgang mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu schulen.
In Schwerin läuft dazu das Projekt „Schwerin zeigt Herz“. Auch die Landeshauptstadt beschäftigt sich inzwischen mit dem Aufbau eines öffentlich zugänglichen AED-Netzes. Der zuständige Fachdienst für Feuerwehr und Rettungsdienst hat nach Angaben von NOFiAS mit einer Bestandsaufnahme und den Planungen begonnen.
NOFiAS nennt als Ziel, bis Ende 2026 insgesamt 50 öffentlich zugängliche Defibrillatoren in Schwerin zu installieren. Die Initiative spricht in diesem Zusammenhang davon, Schwerin zur ersten „herzsicheren Landeshauptstadt Deutschlands“ machen zu wollen. Ob und nach welchen unabhängigen Kriterien eine Stadt diese Bezeichnung führen kann, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen allerdings nicht hervor.
Warum schnelle Hilfe entscheidend ist
Nach Angaben der Veranstalter müssen in Deutschland jährlich rund 71.000 Menschen nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand wiederbelebt werden. Die Überlebensquote liege bei etwa elf Prozent. Mit dem Rekordversuch wollen NOFiAS und das DRK deshalb auch Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass eine Herzdruckmassage grundsätzlich auch von Laien begonnen werden kann.
Für Schwerin ist es nicht die erste öffentliche Aktion dieser Art. Bereits im Oktober 2025 hatte NOFiAS in der Marienplatz-Galerie über Wiederbelebung informiert. Im Februar dieses Jahres folgte dort ein Blaulichttag mit Einsatzorganisationen.
Wer Anfang September nicht selbst an einer der Schichten teilnehmen möchte, kann den Weltrekordversuch auch als Zuschauer verfolgen. Parallel sollen Trainingsmöglichkeiten angeboten werden, bei denen Besucher Wiederbelebungsmaßnahmen ausprobieren können.




