Sa, 6. Dezember 2025
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Traditionshandwerk im Wandel:
Wer bekommt die Zukunft noch gebacken?

Den Mecklenburger Backstuben droht die Insolvenz – nun sind Restrukturierungsmaßnahmen geplant. Der Markt verändert sich langsam, aber sicher und das bekommen immer mehr Bäckereibetriebe zu spüren.

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  • Veröffentlicht Dezember 3, 2025
Auch in schwierigen Zeiten stellen Bäcker frisches Brot und Brötchen her.
Auch in schwieri­gen Zeit­en sor­gen Bäck­er für frisches Brot und Brötchen, Foto: pixabay/Intuitivmedia

Seit Ende Novem­ber befind­en sich die Meck­len­burg­er Back­stuben GmbH aus Waren in einem Sanierungsver­fahren in Eigen­ver­wal­tung. Das bedeutet, dass das Unternehmen trotz Insol­ven­zan­mel­dung weit­er­hin von der bish­eri­gen Geschäfts­führung geführt wird und die Kon­trolle behält. „Diesen Schritt gehen wir ganz bewusst, um unsere bere­its begonnene Restruk­turierung fortzuführen, unsere Gesamt­strate­gie weit­erzuen­twick­eln und uns so zukun­fts­fähig aufzustellen“, teilt die Geschäfts­führung mit.
Für die Kund­schaft bleibt alles wie gewohnt: Der Geschäfts­be­trieb läuft sta­bil weit­er, alle 57 Fil­ialen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg sind geöffnet. Das gilt auch für die acht Cafés in Schw­erin – am Blu­men­brink, Dreesch­er Markt, im Ede­ka Schar­fen­berg, am Ble­icherufer, im Sieben Seen Cen­ter, im Kau­fland an der Ham­burg­er Allee, in der Schmiedestraße sowie in Lankow. Dort wer­den weit­er­hin frische Brötchen, Brote und Kuchen geback­en und Kaf­fee getrunk­en.

Sind bald die Öfen aus?

Die Löhne der Beschäftigten sind für Novem­ber, Dezem­ber und Jan­u­ar durch das Insol­ven­zgeld der Bun­de­sagen­tur für Arbeit gesichert. Das teilte die Kan­zlei BBL Brock­dorff mit Chris­t­ian Graf Brock­dorff. Er überwacht das Ver­fahren als Sach­wal­ter und begleit­et eng die Geschäfts­führung im Ver­fahren und zeigt sich opti­mistisch: „Ich bin zuver­sichtlich, dass uns gemein­sam eine tragfähige und langfristige Lösung gelingt“.
Die Ver­gan­gen­heit zeigt allerd­ings, wie schwierig solche Ver­fahren sein kön­nen: Bei der „Unser Heimat­bäck­er GmbH“ – bekan­nt als Lila Bäck­er – scheit­erte Anfang 2024 die Suche nach ein­er Lösung. Die Kette musste kurz nach der Insol­venz alle Fil­ialen schließen. CEO Vio­la Kaluza nan­nte damals steigende Energie- und Rohstoff­preise, verän­dertes Kaufver­hal­ten und eine erhöhte Mehrw­ert­s­teuer als Gründe – Fak­toren, die auch andere Betriebe belas­ten.

Bäckerhandwerk stehen unter Druck

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen bestätigt die Sor­gen. 2024 waren in der Handw­erk­srolle der Handw­erk­skam­mer Schw­erin noch 49 Bäck­ereien einge­tra­gen. Zehn Jahre zuvor waren es 75. Die Handw­erk­srolle umfasst vor allem klas­sis­che Handw­erks­be­triebe, die ihre Ware selb­st her­stellen und häu­fig nur wenige Stan­dorte betreiben. In Konkur­renz dazu ste­hen größere Fil­ial­bäck­ereien mit zen­traler Pro­duk­tion sowie indus­triell arbei­t­ende Liefer­bäck­ereien, die Super­märk­te und Gas­tronomie beliefern.
Die Gründe für das Ver­schwinden viel­er klein­er Betriebe sind vielfältig. Häu­fig gibt es keine Nach­folge, viele Inhab­er gehen in den Ruh­e­s­tand. Die wirtschaftliche Lage ist anges­pan­nt: Energie- und Per­son­alkosten steigen, gle­ichzeit­ig fehlt Fach­per­son­al. Für Kundin­nen und Kun­den sind Back­waren deut­lich teur­er gewor­den – die Preise für Brot und Brötchen stiegen laut Sta­tis­tis­chem Bun­de­samt zwis­chen 2019 und 2023 um 34,4 Prozent.
Auch im Land­tag wurde die Insol­venz der Meck­len­burg­er Back­stuben kom­men­tiert. Vertreter der AfD machen vor allem hohe Abgaben und Sozialkosten als Belas­tung für Betriebe aus. Die Linke ver­weist auf steigende Energie- und Rohstoff­preise sowie die Konkur­renz durch Dis­counter und bew­ertet das Ver­fahren in Eigen­ver­wal­tung als Chance, den Betrieb zu sta­bil­isieren. Die FDP wiederum sieht die Insol­venz als Warnsignal für die wirtschaftlichen Rah­menbe­din­gun­gen und fordert ver­lässliche, ent­las­tende Struk­turen für Unternehmen.
Die poli­tis­chen Bew­er­tun­gen unter­schei­den sich – doch in einem Punkt herrscht Einigkeit: Die Lage des Bäck­er­handw­erks in Meck­len­burg-Vor­pom­mern bleibt anges­pan­nt.

Verbrauchertrends lenken den Markt

Hinzu kommt ein grundle­gen­der Wan­del im Kon­sumver­hal­ten. Die Branchen­analyse der Hans-Böck­ler-Stiftung aus dem Jahr 2024 zeigt, wie sich der Markt ver­schiebt. Viele Ver­brauch­er acht­en zunehmend auf ihre Ernährung und bevorzu­gen Pro­duk­te mit natür­lichen Zutat­en, weniger Zuck­er oder Weizen­mehl sowie regionale und biol­o­gis­che Lebens­mit­tel. Auch veg­ane, gluten­freie oder fair gehan­delte Alter­na­tiv­en gewin­nen immer mehr an Bedeu­tung. Während große Anbi­eter auf solche Trends flex­i­bler reagieren kön­nen, ger­at­en kleinere Handw­erks­bäck­ereien stärk­er unter Druck.