Schulbeginn, Nahverkehr, Eltern-Taxis:
Wer löst das Verkehrsproblem am Campus?
Morgendliches Verkehrschaos am Weststadt-Campus: Politik, Schulen und Eltern suchen nach Lösungen. Diskutiert werden gestaffelte Schulzeiten, bessere Schulwege und Anpassungen im Nahverkehr.

Am Weststadt-Campus kommt es insbesondere in den frühen Morgenstunden regelmäßig zu Verkehrsproblemen. Wenn mehrere Schulen gleichzeitig beginnen und zusätzlich Busse und Bahnen eintreffen, entstehen rund um das Schulgelände enge Situationen zwischen Autos, Fahrrädern und Fußgängern. Vertreter aus Politik, Schule und Verwaltung trafen sich deshalb am Mittwochmorgen um 7:15 Uhr vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen und mögliche Lösungen zu diskutieren.
Bereits vor Unterrichtsbeginn verdichtet sich der Verkehr deutlich. Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, während gleichzeitig Schulbusse ankommen und zahlreiche Schülerinnen und Schüler mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Hinzu kommen Anwohner sowie Lehrkräfte, die teilweise ebenfalls auf das Auto angewiesen sind. Beobachter schildern, dass Parkplätze schnell belegt sind und spontane Haltemanöver den Verkehrsfluss zusätzlich erschweren.
Ein zentrales Problem ist dabei die Vielzahl an Verkehrsteilnehmern auf engem Raum. Kurz vor Schulbeginn treffen mehrere Busse ein, wodurch sich viele Menschen gleichzeitig auf den Wegen rund um den Campus bewegen. In dieser Situation versuchen Autofahrer häufig, jede freie Lücke zum Anhalten zu nutzen, während sich gleichzeitig Fahrradfahrer zwischen den Fahrzeugen bewegen.
Diskutiert wurden deshalb verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Situation. Unter anderem steht die Idee im Raum, klar ausgewiesene „Kiss-and-Go“-Zonen einzurichten, in denen Eltern ihre Kinder kurz aussteigen lassen können. Zwar gibt es einzelne Kurzzeitparkplätze, diese werden jedoch teilweise länger genutzt als vorgesehen.
Auch eine klarere Markierung von Parkflächen oder zusätzliche Beschilderung könnten nach Ansicht der Beteiligten helfen, den Verkehr besser zu ordnen. Momentan werde teilweise ungeordnet geparkt, wodurch zusätzliche Engstellen entstehen. Auch regelmäßige Kontrollen durch das Ordnungsamt wurden als mögliche Maßnahme angesprochen.

Politik sieht mehrere Lösungsansätze
Auf die Frage nach möglichen Lösungsansätzen betonte Mandy Pfeifer Vorsitzende der SPD-Stadtfraktion, dass es sich um ein komplexes Problem handle. „Das ist ein vielschichtiges Problem. Zunächst müssen wir den Nahverkehr so aufstellen, dass diese Massen an Kindern gut hier ankommen. Dann müssen die Schulen über einen gestaffelten Schulbeginn nachdenken. Wir brauchen verbindliche Schulwegeplanungen.“
Dabei gehe es nicht nur um Maßnahmen von Politik und Verwaltung. Auch Eltern müssten Teil der Lösung sein. Pfeifer zeigte Verständnis für Eltern, die ihre Kinder derzeit direkt bis zur Schule fahren. Solange Eltern das Gefühl hätten, dass der Schulweg nicht sicher sei, würden viele ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Schule bringen. Wenn sichere Schulwege jedoch klar geplant und verkehrlich unterstützt würden, könnten Eltern eher darauf vertrauen, ihre Kinder allein zur Schule gehen zu lassen.
Auch unterschiedliche Schulbeginnzeiten wurden als möglicher Ansatz genannt, um die morgendlichen Verkehrsspitzen zu entzerren. Ob solche Änderungen umgesetzt werden können, müssten jedoch die Schulen selbst entscheiden, etwa in den jeweiligen Schulkonferenzen.
Der Stadtpräsident Sebastian Ehlers ergänzte, dass sich die Situation möglicherweise bereits in Zukunft etwas entspannen könne. Ein Faktor sei die derzeitige Unterbringung der Friedenschule am Campus, die jedoch nicht dauerhaft bestehen werde. Dadurch könnte sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler vor Ort langfristig wieder verringern.
Zugleich verwies Ehlers auf die derzeit identischen Schulanfangszeiten mehrerer Schulen. „Die Anfangszeiten sind jetzt identisch. Die Frage ist, ob man das entzerren kann, um etwas Puffer hineinzubekommen“, sagte er. Dazu müsse es Gespräche zwischen den Schulen und dem Nahverkehr geben.
Auch der öffentliche Nahverkehr spiele eine wichtige Rolle. So müsse geprüft werden, ob zusätzliche Kapazitäten – etwa eine weitere Straßenbahn – eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig zeigte Ehlers Verständnis dafür, dass Schulen teilweise früh beginnen. „Ich kann nachvollziehen, dass man einen frühen Start wie etwa 7.30 Uhr wählt, weil der Schultag ohnehin lang ist“, sagte er.
Schulelternrat fordert gemeinsames Vorgehen
Weitere Entlastung könnte sich auch durch infrastrukturelle Veränderungen ergeben. Wenn die derzeitigen Baumaßnahmen an der Franz-Mehring-Straßeund die damit verbundene eingleisige Straßenbahnführung ab dem Platz der Freiheit beendet seien, könnte sich die Verkehrssituation ebenfalls verbessern.
Zu dem Ortstermin eingeladen hatte Martin Wedel vom Schulelternrat. Ziel sei es gewesen, möglichst viele Beteiligte zusammenzubringen und die Situation gemeinsam zu betrachten. Besonders wichtig sei es, die Verkehrssituation genau zu beobachten, etwa zu dem Zeitpunkt, wenn kurz vor Unterrichtsbeginn Busse und Bahnen gleichzeitig am Campus ankommen.
Wedel betonte, dass es ihm darum gehe, gemeinsam Lösungen zu finden, ohne einzelnen Gruppen die Verantwortung zuzuschieben. Wenn Politik, Verwaltung, Polizei, Schulen sowie Eltern und Schüler zusammenarbeiten, könne es gelingen, die Situation rund um den Schulcampus zu verbessern.




