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Schulbeginn, Nahverkehr, Eltern-Taxis:
Wer löst das Verkehrsproblem am Campus?

Morgendliches Verkehrschaos am Weststadt-Campus: Politik, Schulen und Eltern suchen nach Lösungen. Diskutiert werden gestaffelte Schulzeiten, bessere Schulwege und Anpassungen im Nahverkehr.

  • Veröffentlicht März 19, 2026
Viele Schüler kommen mit dem Nahverkehr zur Schule, doch an der Haltestelle Robert Belz Straße sammeln sich die Massen. Foto: Dario Rochow
Viele Schüler kom­men mit dem Nahverkehr zur Schule, doch an der Hal­testelle Robert Belz Straße sam­meln sich die Massen. Foto: Dario Rochow

 

Am West­stadt-Cam­pus kommt es ins­beson­dere in den frühen Mor­gen­stun­den regelmäßig zu Verkehrsprob­le­men. Wenn mehrere Schulen gle­ichzeit­ig begin­nen und zusät­zlich Busse und Bah­nen ein­tr­e­f­fen, entste­hen rund um das Schul­gelände enge Sit­u­a­tio­nen zwis­chen Autos, Fahrrädern und Fußgängern. Vertreter aus Poli­tik, Schule und Ver­wal­tung trafen sich deshalb am Mittwochmor­gen um 7:15 Uhr vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen und mögliche Lösun­gen zu disku­tieren.

Bere­its vor Unter­richts­be­ginn verdichtet sich der Verkehr deut­lich. Viele Eltern brin­gen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, während gle­ichzeit­ig Schul­busse ankom­men und zahlre­iche Schü­lerin­nen und Schüler mit dem Fahrrad oder zu Fuß unter­wegs sind. Hinzu kom­men Anwohn­er sowie Lehrkräfte, die teil­weise eben­falls auf das Auto angewiesen sind. Beobachter schildern, dass Park­plätze schnell belegt sind und spon­tane Hal­te­manöver den Verkehrs­fluss zusät­zlich erschw­eren.

Ein zen­trales Prob­lem ist dabei die Vielzahl an Verkehrsteil­nehmern auf engem Raum. Kurz vor Schul­be­ginn tre­f­fen mehrere Busse ein, wodurch sich viele Men­schen gle­ichzeit­ig auf den Wegen rund um den Cam­pus bewe­gen. In dieser Sit­u­a­tion ver­suchen Aut­o­fahrer häu­fig, jede freie Lücke zum Anhal­ten zu nutzen, während sich gle­ichzeit­ig Fahrrad­fahrer zwis­chen den Fahrzeu­gen bewe­gen.

Disku­tiert wur­den deshalb ver­schiedene Ansätze zur Verbesserung der Sit­u­a­tion. Unter anderem ste­ht die Idee im Raum, klar aus­gewiesene „Kiss-and-Go“-Zonen einzuricht­en, in denen Eltern ihre Kinder kurz aussteigen lassen kön­nen. Zwar gibt es einzelne Kurzzeit­park­plätze, diese wer­den jedoch teil­weise länger genutzt als vorge­se­hen.

Auch eine klarere Markierung von Park­flächen oder zusät­zliche Beschilderung kön­nten nach Ansicht der Beteiligten helfen, den Verkehr bess­er zu ord­nen. Momen­tan werde teil­weise unge­ord­net geparkt, wodurch zusät­zliche Eng­stellen entste­hen. Auch regelmäßige Kon­trollen durch das Ord­nungsamt wur­den als mögliche Maß­nahme ange­sprochen.

 

Foto: Dario Rochow

 

Politik sieht mehrere Lösungsansätze

Auf die Frage nach möglichen Lösungsan­sätzen betonte Mandy Pfeifer Vor­sitzende der SPD-Stadt­frak­tion, dass es sich um ein kom­plex­es Prob­lem han­dle. „Das ist ein vielschichtiges Prob­lem. Zunächst müssen wir den Nahverkehr so auf­stellen, dass diese Massen an Kindern gut hier ankom­men. Dann müssen die Schulen über einen gestaffel­ten Schul­be­ginn nach­denken. Wir brauchen verbindliche Schul­wege­pla­nun­gen.“

Dabei gehe es nicht nur um Maß­nah­men von Poli­tik und Ver­wal­tung. Auch Eltern müssten Teil der Lösung sein. Pfeifer zeigte Ver­ständ­nis für Eltern, die ihre Kinder derzeit direkt bis zur Schule fahren. Solange Eltern das Gefühl hät­ten, dass der Schul­weg nicht sich­er sei, wür­den viele ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Schule brin­gen. Wenn sichere Schul­wege jedoch klar geplant und verkehrlich unter­stützt wür­den, kön­nten Eltern eher darauf ver­trauen, ihre Kinder allein zur Schule gehen zu lassen.

Auch unter­schiedliche Schul­be­ginnzeit­en wur­den als möglich­er Ansatz genan­nt, um die mor­gendlichen Verkehrsspitzen zu entzer­ren. Ob solche Änderun­gen umge­set­zt wer­den kön­nen, müssten jedoch die Schulen selb­st entschei­den, etwa in den jew­eili­gen Schulkon­feren­zen.

Der Stadt­präsi­dent Sebas­t­ian Ehlers ergänzte, dass sich die Sit­u­a­tion möglicher­weise bere­its in Zukun­ft etwas entspan­nen könne. Ein Fak­tor sei die derzeit­ige Unter­bringung der Frieden­schule am Cam­pus, die jedoch nicht dauer­haft beste­hen werde. Dadurch kön­nte sich die Zahl der Schü­lerin­nen und Schüler vor Ort langfristig wieder ver­ringern.

Zugle­ich ver­wies Ehlers auf die derzeit iden­tis­chen Schu­lan­fangszeit­en mehrerer Schulen. „Die Anfangszeit­en sind jet­zt iden­tisch. Die Frage ist, ob man das entzer­ren kann, um etwas Puffer hineinzubekom­men“, sagte er. Dazu müsse es Gespräche zwis­chen den Schulen und dem Nahverkehr geben.

Auch der öffentliche Nahverkehr spiele eine wichtige Rolle. So müsse geprüft wer­den, ob zusät­zliche Kapaz­itäten – etwa eine weit­ere Straßen­bahn – einge­set­zt wer­den kön­nten. Gle­ichzeit­ig zeigte Ehlers Ver­ständ­nis dafür, dass Schulen teil­weise früh begin­nen. „Ich kann nachvol­lziehen, dass man einen frühen Start wie etwa 7.30 Uhr wählt, weil der Schul­t­ag ohne­hin lang ist“, sagte er.

 

Schulelternrat fordert gemeinsames Vorgehen

Weit­ere Ent­las­tung kön­nte sich auch durch infra­struk­turelle Verän­derun­gen ergeben. Wenn die derzeit­i­gen Bau­maß­nah­men an der Franz-Mehring-Straße­und die damit ver­bun­dene ein­gleisige Straßen­bah­n­führung ab dem Platz der Frei­heit been­det seien, kön­nte sich die Verkehrssi­t­u­a­tion eben­falls verbessern.

Zu dem Ort­ster­min ein­ge­laden hat­te Mar­tin Wedel vom Schulel­tern­rat. Ziel sei es gewe­sen, möglichst viele Beteiligte zusam­men­zubrin­gen und die Sit­u­a­tion gemein­sam zu betra­cht­en. Beson­ders wichtig sei es, die Verkehrssi­t­u­a­tion genau zu beobacht­en, etwa zu dem Zeit­punkt, wenn kurz vor Unter­richts­be­ginn Busse und Bah­nen gle­ichzeit­ig am Cam­pus ankom­men.

Wedel betonte, dass es ihm darum gehe, gemein­sam Lösun­gen zu find­en, ohne einzel­nen Grup­pen die Ver­ant­wor­tung zuzuschieben. Wenn Poli­tik, Ver­wal­tung, Polizei, Schulen sowie Eltern und Schüler zusam­me­nar­beit­en, könne es gelin­gen, die Sit­u­a­tion rund um den Schul­cam­pus zu verbessern.