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Sicherheit umstritten:
Gefährliche Schulwege? Neuer Streit um den Weststadtcampus in Schwerin

Die AfD fordert Sofortmaßnahmen für Schulwege, Rettungswege und Feuerwehrzufahrten am Weststadtcampus. Am Montag entscheidet sich zunächst, ob der Antrag auf die Tagesordnung kommt.

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  • Veröffentlicht September 11, 2026
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Der West­stadt­cam­pus in Schw­erin: Rund um den Schul­stan­dort wird seit Jahren über die Verkehrssi­t­u­a­tion und sichere Schul­wege disku­tiert. Foto: RegS West­stadt-Cam­pus

 

 


In Kürze:

  • Die AfD hat einen Dringlichkeit­santrag zur Sicher­heit am West­stadt­cam­pus ein­gere­icht. Am Mon­tag entschei­det die Stadtvertre­tung zunächst, ob das The­ma auf die Tage­sor­d­nung kommt.
  • Frak­tion­schefin Petra Fed­er­au spricht von „Chaos“ und ein­er starken Gefährdung der Schüler. Die Ver­wal­tung emp­fiehlt, die Dringlichkeit abzulehnen und ver­weist auf bere­its laufende Kon­trollen und Maß­nah­men.
  • Verkehrsprob­leme am Cam­pus sind seit Jahren bekan­nt. Ob die aktuell erhobe­nen Vor­würfe zu block­ierten Feuer­wehrz­u­fahrten und unzure­ichen­den Ret­tungswe­gen zutr­e­f­fen, ist anhand der vor­liegen­den Unter­la­gen nicht gek­lärt.

 

Am West­stadt­cam­pus Schw­erin ist erneut eine Debat­te über die Sicher­heit von Schü­lerin­nen und Schülern ent­bran­nt. Die AfD-Frak­tion fordert mit einem Dringlichkeit­santrag sofor­tige Kon­trollen von Feuer­wehrz­u­fahrten, Ret­tungswe­gen und Schul­we­gen sowie Maß­nah­men gegen mögliche Gefahren durch den Baustel­len­verkehr. Am Mon­tag soll die Stadtvertre­tung zunächst darüber abstim­men, ob das The­ma als dringlich auf die Tage­sor­d­nung genom­men wird. Die Ver­wal­tung emp­fiehlt, die Dringlichkeit abzulehnen.

Die Frak­tion hat­te den Antrag am 3. Sep­tem­ber ein­gere­icht und ihre Forderun­gen am Don­ner­stag noch ein­mal öffentlich bekräftigt. Ver­langt wird unter anderem eine gemein­same Vor-Ort-Kon­trolle durch Straßen­verkehrs­be­hörde, Bauauf­sicht, Feuer­wehr und Schul­ver­wal­tung. Über­prüft wer­den sollen die Erre­ich­barkeit und Frei­hal­tung der Feuer­wehrz­u­fahrten, Ret­tungs- und Fluchtwege sowie die Tren­nung zwis­chen Schüler- und Baustel­len­verkehr.

AfD-Frak­tion­schefin Petra Fed­er­au spricht von einem „Chaos“ am Schul­stan­dort. Beson­ders zum Unter­richts­be­ginn träfen Fußgänger, Rad­fahrer, Schul­busse und Autos aufeinan­der. Durch zusät­zliche Baustel­len­fahrzeuge werde die Sit­u­a­tion nach Ein­schätzung der Frak­tion weit­er ver­schärft. „Die Sicher­heit der Schüler, ins­beson­dere der jün­geren, ist durch die Unüber­sichtlichkeit der Verkehrssi­t­u­a­tion sehr stark gefährdet“, erk­lärt Fed­er­au in ein­er Pressemit­teilung vom Don­ner­stag.

Die Frak­tionsvor­sitzende behauptet zudem, Zufahrten für Feuer­wehr und Ret­tungs­fahrzeuge seien block­iert. Im zugrunde liegen­den Antrag heißt es etwas dif­feren­ziert­er, die vorhan­dene Feuer­wehrz­u­fahrt sei nach Beobach­tung der Frak­tion wieder­holt zugestellt oder in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt gewe­sen. Auch aus­re­ichend gesicherte und ein­deutig erkennbare Ret­tungswege seien nach Ein­schätzung der Antrag­steller nicht gewährleis­tet. Ob und in welchem Umfang diese Zustände aktuell tat­säch­lich beste­hen, lässt sich aus den vor­liegen­den Unter­la­gen nicht unab­hängig fest­stellen.

Verkehrsprobleme am Weststadtcampus sind länger bekannt

Neu ist die Diskus­sion um die Verkehrssicher­heit am Cam­pus nicht. Bere­its im März berichtete Schw­erin Lokal über die mor­gendlichen Verkehrsprob­leme am West­stadt­cam­pus. Die dama­li­gen OB-Kan­di­dat­en Mandy Pfeifer (SPD) und Sebas­t­ian Ehlers (CDU) trafen sich damals am Mor­gen vor Ort mit Schülern, Lehrern und Eltern  um sich selb­st ein Bild von der Sit­u­a­tion zu machen.

 


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Schon damals zeigte sich ein grund­sät­zlich­es Prob­lem: Viele unter­schiedliche Verkehrsteil­nehmer tre­f­fen inner­halb eines kurzen Zeit­fen­sters auf engem Raum zusam­men. Eltern brin­gen ihre Kinder mit dem Auto, Schul­busse tre­f­fen ein, Schü­lerin­nen und Schüler kom­men mit Straßen­bahn, Fahrrad oder zu Fuß. Gle­ichzeit­ig sind Anwohn­er und Lehrkräfte mit ihren Fahrzeu­gen unter­wegs. Bei dem Ort­ster­min wur­den Eng­stellen zwis­chen Autos, Fahrrädern und Fußgängern beobachtet. Hinzu kamen belegte Park­plätze und Fahrzeuge, die kurz vor Schul­be­ginn spon­tan anhiel­ten. Disku­tiert wur­den deshalb unter anderem soge­nan­nte Kiss-and-Go-Zonen, klarere Parkregelun­gen und zusät­zliche Kon­trollen durch das Ord­nungsamt.

Auch die Anfangszeit­en der Schulen geri­eten damals in den Blick. Weil mehrere Ein­rich­tun­gen nahezu gle­ichzeit­ig mit dem Unter­richt begin­nen, konzen­tri­ert sich ein großer Teil des Verkehrs auf einen ver­gle­ich­sweise kurzen Zeitraum. Als mögliche Lösung wur­den gestaffelte Anfangszeit­en disku­tiert. Auch verbindliche Schul­wege­pla­nun­gen und Gespräche mit dem Nahverkehr waren The­ma. Eine mögliche Ent­las­tung, auf die im Früh­jahr noch geset­zt wurde, lässt jedoch auf sich warten. Die Friedenss­chule ist wegen ihrer Sanierung weit­er­hin am Auswe­ich­stan­dort in der West­stadt unterge­bracht. Inzwis­chen ste­ht fest, dass sie erst in den Win­ter­fe­rien im Feb­ru­ar 2027 in ihr saniertes Gebäude zurück­kehren soll.

 

Mandy Pfeifer und Sebas­t­ian Ehlers im März beim Vor-Ort-Ter­min. Foto: Dario Rochow

Ursprünglich sollte die Grund­schule bere­its zum Beginn des Schul­jahres 2026/27 wieder ihr Gebäude in der Paulsstadt beziehen. Nach Angaben der Stadt wur­den jedoch zusät­zliche Sanierungsar­beit­en notwendig, unter anderem an der his­torischen Deck­en- und Dachkon­struk­tion der Aula. Auch die drei neuen ersten Klassen starteten deshalb in der West­stadt. Der Schul­bus fährt eben­falls weit­er.

Die zusät­zliche Belas­tung des Stan­dortes bleibt damit noch mehrere Monate beste­hen. Ger­ade vor diesem Hin­ter­grund stellt sich die Frage, was aus den im Früh­jahr disku­tierten Maß­nah­men zur Entzer­rung des Verkehrs gewor­den ist.

Auch der Ort­ster­min im März war nicht der Beginn der Debat­te. Bere­its Ende 2025 beschäftigte die Sit­u­a­tion die Ort­steil­vertre­tung West­stadt. Zwei Eltern des Goethe-Gym­na­si­ums forderten dort Verbesserun­gen bei der Verkehrssicherung rund um das Schul­gelände. Als Prob­leme wur­den starkes Verkehrsaufkom­men am Mor­gen und Nach­mit­tag, Park­platz­man­gel und Fahrbah­n­v­eren­gun­gen genan­nt. Dadurch komme es nach ihrer Ein­schätzung immer wieder zu Gefahren­si­t­u­a­tio­nen. Das geht aus dem Sitzung­spro­tokoll der Ort­steil­vertre­tung vom Dezem­ber 2025 her­vor.

Im April 2026 stand die „Schul­wegsicher­heit West­stadt / Goeth­e­gym­na­si­um“ erneut auf der Tage­sor­d­nung. Dabei wur­den unter anderem Schul- und Rad­weg­pla­nun­gen sowie die unter­schiedlichen Verkehrsströme rund um die Schulen disku­tiert. Einzel­heit­en find­en sich im Pro­tokoll der Sitzung vom April 2026.

Die Vorgeschichte reicht noch weit­er zurück. Bere­its 2019 ließ die Stadt ein Verkehrskonzept für den Schul­cam­pus West­stadt erar­beit­en. Hin­ter­grund waren schon damals Sor­gen von Anwohn­ern, Eltern und Lehrern über die Verkehrssi­t­u­a­tion am wach­senden Schul­stan­dort. Das Ziel bestand unter anderem darin, Fußgängern und dem öffentlichen Nahverkehr Vor­rang einzuräu­men. Für die Straßen­bahn­hal­testelle Robert-Beltz-Straße wur­den zusät­zliche Querungsmöglichkeit­en geprüft. Die Johannes‑R.-Becher-Straße sollte im Bere­ich des Schul­gelän­des verkehrs­beruhigt gestal­tet wer­den, damit Schü­lerin­nen und Schüler möglichst sich­er zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu den Schulen gelan­gen kön­nen.

Auch der Hol- und Bringverkehr der Eltern war bere­its damals The­ma. Geplant wur­den Kurz­park­möglichkeit­en in der Johannes‑R.-Becher-Straße, Friesen­straße und Willi-Bre­del-Straße. Ein­bahn­straßen­regelun­gen wur­den eben­falls unter­sucht, nach Angaben der Stadt jedoch ver­wor­fen, weil dadurch zusät­zliche Umwege und damit mehr Verkehr für Anwohn­er ent­standen wären.

AfD will mit Antrag Druck erhöhen

Der aktuelle AfD-Antrag richtet den Blick zusät­zlich auf den Baustel­len­verkehr. Sollte eine sichere Tren­nung zwis­chen Baustellen- und Schülerverkehr nicht gewährleis­tet wer­den kön­nen, ver­langt die AfD zeitliche Ein­schränkun­gen. Beson­ders während der verkehrsin­ten­siv­en Zeit­en zu Unter­richts­be­ginn und Unter­richt­sende soll der Baustel­len­verkehr not­falls vorüberge­hend eingestellt oder zeitlich beschränkt wer­den.

Als weit­ere Möglichkeit­en nen­nt die Frak­tion feste Zeit­fen­ster für Anliefer­un­gen außer­halb der Hauptzeit­en des Schülerverkehrs, eine durch bauliche Maß­nah­men oder Absper­run­gen gesicherte Tren­nung von Fuß‑, Rad- und Baustel­len­verkehr sowie Ein­weis­er für schwere Baustel­len­fahrzeuge. Zusät­zliche Verkehrsze­ichen, gesicherte Querungsstellen und ver­stärk­te Kon­trollen des ruhen­den Verkehrs sollen eben­falls geprüft wer­den.

Soll­ten Bauauf­sicht, Feuer­wehr oder Straßen­verkehrs­be­hörde bei ein­er Vor-Ort-Kon­trolle eine konkrete Gefahr fest­stellen, fordert die AfD zudem, betrof­fene Bauar­beit­en im erforder­lichen Umfang bis zur Besei­t­i­gung der Gefahren­lage auszuset­zen. Fed­er­au begrün­det den Vorstoß mit der aus ihrer Sicht beste­hen­den Gefahr für die Schüler. Es sei „drin­gend notwendig, schnelle und tragfähige Lösun­gen für mehr Sicher­heit vor Ort zu find­en“. Mit dem Dringlichkeit­santrag wolle ihre Frak­tion „den Druck auf die Ver­wal­tung ver­stärken, hier endlich tätig zu wer­den“.

Über diese Forderun­gen wird am Mon­tag allerd­ings nicht automa­tisch inhaltlich abges­timmt. Zunächst entschei­det die Stadtvertre­tung darüber, ob sie die von der AfD gel­tend gemachte Dringlichkeit anerken­nt und das The­ma auf die Tage­sor­d­nung nimmt.

Genau an diesem Punkt wider­spricht die Ver­wal­tung der Frak­tion. Sie kommt in ihrer Stel­lung­nahme vom 9. Sep­tem­ber zu dem Ergeb­nis, dass die Voraus­set­zun­gen nach Para­graf 29 Absatz 4 der Kom­mu­nalver­fas­sung Meck­len­burg-Vor­pom­mern nicht erfüllt seien. Der Dringlichkeit­santrag sei deshalb nach Auf­fas­sung der Ver­wal­tung unzuläs­sig. Als Empfehlung für das weit­ere Ver­fahren heißt es: „Ablehnung in Bezug auf Dringlichkeit“.

Die Ver­wal­tung wider­spricht damit zugle­ich Fed­er­auers Ein­druck, die Stadt müsse „endlich tätig“ wer­den. Nach Darstel­lung der Ver­wal­tung beschäftigt sie sich bere­its wiederkehrend mit der Schul­wegsicher­heit und Gefahren­ab­wehr am Stan­dort. Zum Ende des ver­gan­genen Schul­jahres habe es Ort­ster­mine mit poli­tis­chen Vertretern gegeben. Auch zum Beginn des aktuellen Schul­jahres werde das The­ma bear­beit­et. Dazu gehörten regelmäßige Über­prü­fun­gen der Verkehrssi­t­u­a­tion und der bere­its ver­an­lassten Maß­nah­men. Der Kom­mu­nale Ord­nungs­di­enst kon­trol­liere den Bere­ich regelmäßig, außer­dem wür­den brand­schutzrechtliche Belange über­prüft. Eine konkrete Verän­derung nen­nt die Ver­wal­tung eben­falls: Durch eine Anpas­sung der Ampelan­lage seien die Gehwegzeit­en inzwis­chen opti­miert wor­den.

Konkrete Sicherheitsfragen bleiben offen

Damit tre­f­fen am Mon­tag zwei unter­schiedliche Bew­er­tun­gen aufeinan­der. Die AfD argu­men­tiert, dass die von ihr beschriebene Gefahren­lage gegen­wär­tig beste­he und sich an jedem Schul­t­ag wieder­hole. Ein Auf­schub bis zum reg­ulären Gremien­lauf sei angesichts möglich­er Fol­gen eines Verkehrsun­falls oder eines behin­derten Feuer­wehr- und Ret­tung­sein­satzes nicht vertret­bar. Die Ver­wal­tung hält dage­gen eine dringliche poli­tis­che Befas­sung nicht für notwendig und ver­weist darauf, dass Schul­wegsicher­heit und Gefahren­ab­wehr ohne­hin fort­laufend bear­beit­et wür­den. Die Abstim­mung am Mon­tag entschei­det damit zunächst darüber, ob die Stadtvertre­tung den Antrag unmit­tel­bar behan­delt.

Unab­hängig davon bleiben Sach­fra­gen offen. Über die Prob­leme am West­stadt­cam­pus wird nicht erst seit dem AfD-Antrag gesprochen. Ein Verkehrskonzept existiert seit 2019. Ende 2025 wandten sich Eltern wegen der Verkehrssi­t­u­a­tion an die Ort­steil­vertre­tung. Im Früh­jahr 2026 fol­gten weit­ere Beratun­gen und ein mor­gendlich­er Ort­ster­min.

Seit­dem wur­den ver­schiedene Ansätze disku­tiert: gestaffelte Schu­lan­fangszeit­en, bessere Schul­wege­pla­nun­gen, zusät­zliche Kon­trollen, Verän­derun­gen beim Nahverkehr und Anpas­sun­gen an Ampelan­la­gen. Aus der aktuellen Stel­lung­nahme der Ver­wal­tung lässt sich jedoch nur bei der Ampelschal­tung ein­deutig erken­nen, dass eine konkrete Verän­derung umge­set­zt wurde. Welche weit­eren Vorschläge inzwis­chen real­isiert, ver­wor­fen oder noch geprüft wer­den, geht daraus nicht her­vor.

Hinzu kommt die länger als zunächst vorge­se­hene Nutzung des Auswe­ich­stan­dortes durch die Friedenss­chule. Erst im Feb­ru­ar 2027 soll sie in ihr saniertes Gebäude zurück­kehren. Damit hält ein Fak­tor, von dessen Weg­fall man sich eine Ent­las­tung des Cam­pus ver­sprochen hat­te, noch mehrere Monate an. Vor allem aber bleiben die konkreten Sicher­heitsvor­würfe der AfD ungek­lärt. In ihrer Pressemit­teilung spricht die Frak­tion nun davon, dass Zufahrten für Feuer­wehr und Ret­tungs­fahrzeuge block­iert seien. Im Antrag selb­st ist von ein­er wieder­holt zugestell­ten oder in ihrer Nutzbarkeit eingeschränk­ten Feuer­wehrz­u­fahrt die Rede.

Die Ver­wal­tung bestätigt diese Darstel­lung in ihrer Stel­lung­nahme nicht, wider­spricht ihr aber auch nicht aus­drück­lich. Sie ver­weist darauf, dass brand­schutzrechtliche Belange über­prüft wür­den. Ob Feuer­wehr oder Bauauf­sicht aktuell eine eingeschränk­te Feuer­wehrz­u­fahrt oder Män­gel an Ret­tungswe­gen fest­gestellt haben, geht aus dem Papi­er nicht her­vor.