Sicherheit umstritten:
Gefährliche Schulwege? Neuer Streit um den Weststadtcampus in Schwerin
Die AfD fordert Sofortmaßnahmen für Schulwege, Rettungswege und Feuerwehrzufahrten am Weststadtcampus. Am Montag entscheidet sich zunächst, ob der Antrag auf die Tagesordnung kommt.

In Kürze:
- Die AfD hat einen Dringlichkeitsantrag zur Sicherheit am Weststadtcampus eingereicht. Am Montag entscheidet die Stadtvertretung zunächst, ob das Thema auf die Tagesordnung kommt.
- Fraktionschefin Petra Federau spricht von „Chaos“ und einer starken Gefährdung der Schüler. Die Verwaltung empfiehlt, die Dringlichkeit abzulehnen und verweist auf bereits laufende Kontrollen und Maßnahmen.
- Verkehrsprobleme am Campus sind seit Jahren bekannt. Ob die aktuell erhobenen Vorwürfe zu blockierten Feuerwehrzufahrten und unzureichenden Rettungswegen zutreffen, ist anhand der vorliegenden Unterlagen nicht geklärt.
Am Weststadtcampus Schwerin ist erneut eine Debatte über die Sicherheit von Schülerinnen und Schülern entbrannt. Die AfD-Fraktion fordert mit einem Dringlichkeitsantrag sofortige Kontrollen von Feuerwehrzufahrten, Rettungswegen und Schulwegen sowie Maßnahmen gegen mögliche Gefahren durch den Baustellenverkehr. Am Montag soll die Stadtvertretung zunächst darüber abstimmen, ob das Thema als dringlich auf die Tagesordnung genommen wird. Die Verwaltung empfiehlt, die Dringlichkeit abzulehnen.
Die Fraktion hatte den Antrag am 3. September eingereicht und ihre Forderungen am Donnerstag noch einmal öffentlich bekräftigt. Verlangt wird unter anderem eine gemeinsame Vor-Ort-Kontrolle durch Straßenverkehrsbehörde, Bauaufsicht, Feuerwehr und Schulverwaltung. Überprüft werden sollen die Erreichbarkeit und Freihaltung der Feuerwehrzufahrten, Rettungs- und Fluchtwege sowie die Trennung zwischen Schüler- und Baustellenverkehr.
AfD-Fraktionschefin Petra Federau spricht von einem „Chaos“ am Schulstandort. Besonders zum Unterrichtsbeginn träfen Fußgänger, Radfahrer, Schulbusse und Autos aufeinander. Durch zusätzliche Baustellenfahrzeuge werde die Situation nach Einschätzung der Fraktion weiter verschärft. „Die Sicherheit der Schüler, insbesondere der jüngeren, ist durch die Unübersichtlichkeit der Verkehrssituation sehr stark gefährdet“, erklärt Federau in einer Pressemitteilung vom Donnerstag.
Die Fraktionsvorsitzende behauptet zudem, Zufahrten für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge seien blockiert. Im zugrunde liegenden Antrag heißt es etwas differenzierter, die vorhandene Feuerwehrzufahrt sei nach Beobachtung der Fraktion wiederholt zugestellt oder in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt gewesen. Auch ausreichend gesicherte und eindeutig erkennbare Rettungswege seien nach Einschätzung der Antragsteller nicht gewährleistet. Ob und in welchem Umfang diese Zustände aktuell tatsächlich bestehen, lässt sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht unabhängig feststellen.
Verkehrsprobleme am Weststadtcampus sind länger bekannt
Neu ist die Diskussion um die Verkehrssicherheit am Campus nicht. Bereits im März berichtete Schwerin Lokal über die morgendlichen Verkehrsprobleme am Weststadtcampus. Die damaligen OB-Kandidaten Mandy Pfeifer (SPD) und Sebastian Ehlers (CDU) trafen sich damals am Morgen vor Ort mit Schülern, Lehrern und Eltern um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen.
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Schon damals zeigte sich ein grundsätzliches Problem: Viele unterschiedliche Verkehrsteilnehmer treffen innerhalb eines kurzen Zeitfensters auf engem Raum zusammen. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto, Schulbusse treffen ein, Schülerinnen und Schüler kommen mit Straßenbahn, Fahrrad oder zu Fuß. Gleichzeitig sind Anwohner und Lehrkräfte mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Bei dem Ortstermin wurden Engstellen zwischen Autos, Fahrrädern und Fußgängern beobachtet. Hinzu kamen belegte Parkplätze und Fahrzeuge, die kurz vor Schulbeginn spontan anhielten. Diskutiert wurden deshalb unter anderem sogenannte Kiss-and-Go-Zonen, klarere Parkregelungen und zusätzliche Kontrollen durch das Ordnungsamt.
Auch die Anfangszeiten der Schulen gerieten damals in den Blick. Weil mehrere Einrichtungen nahezu gleichzeitig mit dem Unterricht beginnen, konzentriert sich ein großer Teil des Verkehrs auf einen vergleichsweise kurzen Zeitraum. Als mögliche Lösung wurden gestaffelte Anfangszeiten diskutiert. Auch verbindliche Schulwegeplanungen und Gespräche mit dem Nahverkehr waren Thema. Eine mögliche Entlastung, auf die im Frühjahr noch gesetzt wurde, lässt jedoch auf sich warten. Die Friedensschule ist wegen ihrer Sanierung weiterhin am Ausweichstandort in der Weststadt untergebracht. Inzwischen steht fest, dass sie erst in den Winterferien im Februar 2027 in ihr saniertes Gebäude zurückkehren soll.

Ursprünglich sollte die Grundschule bereits zum Beginn des Schuljahres 2026/27 wieder ihr Gebäude in der Paulsstadt beziehen. Nach Angaben der Stadt wurden jedoch zusätzliche Sanierungsarbeiten notwendig, unter anderem an der historischen Decken- und Dachkonstruktion der Aula. Auch die drei neuen ersten Klassen starteten deshalb in der Weststadt. Der Schulbus fährt ebenfalls weiter.
Die zusätzliche Belastung des Standortes bleibt damit noch mehrere Monate bestehen. Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was aus den im Frühjahr diskutierten Maßnahmen zur Entzerrung des Verkehrs geworden ist.
Auch der Ortstermin im März war nicht der Beginn der Debatte. Bereits Ende 2025 beschäftigte die Situation die Ortsteilvertretung Weststadt. Zwei Eltern des Goethe-Gymnasiums forderten dort Verbesserungen bei der Verkehrssicherung rund um das Schulgelände. Als Probleme wurden starkes Verkehrsaufkommen am Morgen und Nachmittag, Parkplatzmangel und Fahrbahnverengungen genannt. Dadurch komme es nach ihrer Einschätzung immer wieder zu Gefahrensituationen. Das geht aus dem Sitzungsprotokoll der Ortsteilvertretung vom Dezember 2025 hervor.
Im April 2026 stand die „Schulwegsicherheit Weststadt / Goethegymnasium“ erneut auf der Tagesordnung. Dabei wurden unter anderem Schul- und Radwegplanungen sowie die unterschiedlichen Verkehrsströme rund um die Schulen diskutiert. Einzelheiten finden sich im Protokoll der Sitzung vom April 2026.
Die Vorgeschichte reicht noch weiter zurück. Bereits 2019 ließ die Stadt ein Verkehrskonzept für den Schulcampus Weststadt erarbeiten. Hintergrund waren schon damals Sorgen von Anwohnern, Eltern und Lehrern über die Verkehrssituation am wachsenden Schulstandort. Das Ziel bestand unter anderem darin, Fußgängern und dem öffentlichen Nahverkehr Vorrang einzuräumen. Für die Straßenbahnhaltestelle Robert-Beltz-Straße wurden zusätzliche Querungsmöglichkeiten geprüft. Die Johannes‑R.-Becher-Straße sollte im Bereich des Schulgeländes verkehrsberuhigt gestaltet werden, damit Schülerinnen und Schüler möglichst sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu den Schulen gelangen können.
Auch der Hol- und Bringverkehr der Eltern war bereits damals Thema. Geplant wurden Kurzparkmöglichkeiten in der Johannes‑R.-Becher-Straße, Friesenstraße und Willi-Bredel-Straße. Einbahnstraßenregelungen wurden ebenfalls untersucht, nach Angaben der Stadt jedoch verworfen, weil dadurch zusätzliche Umwege und damit mehr Verkehr für Anwohner entstanden wären.
AfD will mit Antrag Druck erhöhen
Der aktuelle AfD-Antrag richtet den Blick zusätzlich auf den Baustellenverkehr. Sollte eine sichere Trennung zwischen Baustellen- und Schülerverkehr nicht gewährleistet werden können, verlangt die AfD zeitliche Einschränkungen. Besonders während der verkehrsintensiven Zeiten zu Unterrichtsbeginn und Unterrichtsende soll der Baustellenverkehr notfalls vorübergehend eingestellt oder zeitlich beschränkt werden.
Als weitere Möglichkeiten nennt die Fraktion feste Zeitfenster für Anlieferungen außerhalb der Hauptzeiten des Schülerverkehrs, eine durch bauliche Maßnahmen oder Absperrungen gesicherte Trennung von Fuß‑, Rad- und Baustellenverkehr sowie Einweiser für schwere Baustellenfahrzeuge. Zusätzliche Verkehrszeichen, gesicherte Querungsstellen und verstärkte Kontrollen des ruhenden Verkehrs sollen ebenfalls geprüft werden.
Sollten Bauaufsicht, Feuerwehr oder Straßenverkehrsbehörde bei einer Vor-Ort-Kontrolle eine konkrete Gefahr feststellen, fordert die AfD zudem, betroffene Bauarbeiten im erforderlichen Umfang bis zur Beseitigung der Gefahrenlage auszusetzen. Federau begründet den Vorstoß mit der aus ihrer Sicht bestehenden Gefahr für die Schüler. Es sei „dringend notwendig, schnelle und tragfähige Lösungen für mehr Sicherheit vor Ort zu finden“. Mit dem Dringlichkeitsantrag wolle ihre Fraktion „den Druck auf die Verwaltung verstärken, hier endlich tätig zu werden“.
Über diese Forderungen wird am Montag allerdings nicht automatisch inhaltlich abgestimmt. Zunächst entscheidet die Stadtvertretung darüber, ob sie die von der AfD geltend gemachte Dringlichkeit anerkennt und das Thema auf die Tagesordnung nimmt.
Genau an diesem Punkt widerspricht die Verwaltung der Fraktion. Sie kommt in ihrer Stellungnahme vom 9. September zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen nach Paragraf 29 Absatz 4 der Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern nicht erfüllt seien. Der Dringlichkeitsantrag sei deshalb nach Auffassung der Verwaltung unzulässig. Als Empfehlung für das weitere Verfahren heißt es: „Ablehnung in Bezug auf Dringlichkeit“.
Die Verwaltung widerspricht damit zugleich Federauers Eindruck, die Stadt müsse „endlich tätig“ werden. Nach Darstellung der Verwaltung beschäftigt sie sich bereits wiederkehrend mit der Schulwegsicherheit und Gefahrenabwehr am Standort. Zum Ende des vergangenen Schuljahres habe es Ortstermine mit politischen Vertretern gegeben. Auch zum Beginn des aktuellen Schuljahres werde das Thema bearbeitet. Dazu gehörten regelmäßige Überprüfungen der Verkehrssituation und der bereits veranlassten Maßnahmen. Der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliere den Bereich regelmäßig, außerdem würden brandschutzrechtliche Belange überprüft. Eine konkrete Veränderung nennt die Verwaltung ebenfalls: Durch eine Anpassung der Ampelanlage seien die Gehwegzeiten inzwischen optimiert worden.
Konkrete Sicherheitsfragen bleiben offen
Damit treffen am Montag zwei unterschiedliche Bewertungen aufeinander. Die AfD argumentiert, dass die von ihr beschriebene Gefahrenlage gegenwärtig bestehe und sich an jedem Schultag wiederhole. Ein Aufschub bis zum regulären Gremienlauf sei angesichts möglicher Folgen eines Verkehrsunfalls oder eines behinderten Feuerwehr- und Rettungseinsatzes nicht vertretbar. Die Verwaltung hält dagegen eine dringliche politische Befassung nicht für notwendig und verweist darauf, dass Schulwegsicherheit und Gefahrenabwehr ohnehin fortlaufend bearbeitet würden. Die Abstimmung am Montag entscheidet damit zunächst darüber, ob die Stadtvertretung den Antrag unmittelbar behandelt.
Unabhängig davon bleiben Sachfragen offen. Über die Probleme am Weststadtcampus wird nicht erst seit dem AfD-Antrag gesprochen. Ein Verkehrskonzept existiert seit 2019. Ende 2025 wandten sich Eltern wegen der Verkehrssituation an die Ortsteilvertretung. Im Frühjahr 2026 folgten weitere Beratungen und ein morgendlicher Ortstermin.
Seitdem wurden verschiedene Ansätze diskutiert: gestaffelte Schulanfangszeiten, bessere Schulwegeplanungen, zusätzliche Kontrollen, Veränderungen beim Nahverkehr und Anpassungen an Ampelanlagen. Aus der aktuellen Stellungnahme der Verwaltung lässt sich jedoch nur bei der Ampelschaltung eindeutig erkennen, dass eine konkrete Veränderung umgesetzt wurde. Welche weiteren Vorschläge inzwischen realisiert, verworfen oder noch geprüft werden, geht daraus nicht hervor.
Hinzu kommt die länger als zunächst vorgesehene Nutzung des Ausweichstandortes durch die Friedensschule. Erst im Februar 2027 soll sie in ihr saniertes Gebäude zurückkehren. Damit hält ein Faktor, von dessen Wegfall man sich eine Entlastung des Campus versprochen hatte, noch mehrere Monate an. Vor allem aber bleiben die konkreten Sicherheitsvorwürfe der AfD ungeklärt. In ihrer Pressemitteilung spricht die Fraktion nun davon, dass Zufahrten für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge blockiert seien. Im Antrag selbst ist von einer wiederholt zugestellten oder in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkten Feuerwehrzufahrt die Rede.
Die Verwaltung bestätigt diese Darstellung in ihrer Stellungnahme nicht, widerspricht ihr aber auch nicht ausdrücklich. Sie verweist darauf, dass brandschutzrechtliche Belange überprüft würden. Ob Feuerwehr oder Bauaufsicht aktuell eine eingeschränkte Feuerwehrzufahrt oder Mängel an Rettungswegen festgestellt haben, geht aus dem Papier nicht hervor.





