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Streit um moderne Infrastruktur:
Mieter erhebt Vorwürfe gegen WGS

Seit Monaten kämpft ein Schweriner Mieter nach eigenen Angaben um Wallbox und Glasfaser. Statt Zustimmung gab es Ablehnungen, Verzögerungen. Plötzlich verschwand sogar ein Stromanschluss.

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  • Veröffentlicht Mai 27, 2026
WGS Schwerin Wallbox Glasfaser
Das Balkonkraftwerk an der Edgar-Ben­nert-Straße ent­stand einst als gemein­sames Pilot­pro­jekt mit der WGS. Heute stre­it­et der­selbe Mieter mit der Woh­nungs­ge­sellschaft über Wall­box und Glas­faser­an­schluss. Foto: pri­vat

 

 

Während Poli­tik und Wirtschaft in Schw­erin regelmäßig die Mobil­itäts- und Dig­i­tal­wende beschwören, erlebt ein Mieter der WGS nach eige­nen Worten das genaue Gegen­teil: Statt mod­ern­er Infra­struk­tur gebe es Absagen, Verzögerun­gen und am Ende sog­ar abge­baute Tech­nik. Seit fast zwei Jahren kämpft Jere­my Gottwald aus der Edgar-Ben­nert-Straße nach eigen­er Darstel­lung verge­blich darum, sein Zuhause fit für E‑Mobilität und Glas­faser­in­ter­net zu machen. Für ihn ist klar: „Anstatt Mod­ernisierung zu ermöglichen, wird hier offen­sichtlich ver­hin­dert.“

Beson­ders bit­ter für den Mann: Noch vor einiger Zeit galt er bei der WGS selb­st als Vorzeige-Mieter für mod­erne Energi­etech­nik. Die Woh­nungs­ge­sellschaft hat­te ihn aktiv als Teil­nehmer eines Pilot­pro­jek­ts für Balkonkraftwerke ange­sprochen. Heute hängt das Solarpan­el sicht­bar an seinem Balkon, doch bei Wall­box und Glas­fas­er sei die Offen­heit der WGS plöt­zlich ver­schwun­den. „Umso unver­ständlich­er ist es für mich, dass dieselbe Hausver­wal­tung nun bei The­men wie Glas­fas­er und E‑Mobilität eine mas­sive Wand auf­baut“, so Gottwald.

Bere­its im Juni 2024 hat­te Gottwald erst­mals bei der WGS ange­fragt, ob an seinem Tief­gara­gen­stellplatz eine Wall­box instal­liert wer­den könne. Laut einem Screen­shot aus dem WGS-Por­tal wurde die Anfrage damals nach „tech­nis­ch­er Prü­fung“ abgelehnt. Später fragte der Mieter sog­ar nach ein­er ein­fachen Haushaltssteck­dose als Alter­na­tive. Auch daraus wurde nichts.

Anfang 2026 startete Gottwald einen neuen Ver­such. Nach­dem er sich auf § 554 BGB berief, der Mietern grund­sät­zlich einen Anspruch auf bauliche Verän­derun­gen zur E‑Mobilität ein­räumt, bot er an, sämtliche Kosten selb­st zu übernehmen. Nach eige­nen Angaben kon­tak­tierte er dafür sog­ar den Schw­er­iner Elek­tro­fach­be­trieb Hen­schel. Dort habe man ihm bestätigt, dass die Instal­la­tion tech­nisch grund­sät­zlich möglich sei.

Demontierter Stromanschluss sorgt für Ärger

Für zusät­zlichen Ärg­er sorgte anschließend ein Vor­fall in der Tief­garage. In unmit­tel­bar­er Nähe des Stellplatzes befand sich jahre­lang ein Stark­strom-Bauan­schluss. Kurz nach der erneuten Anfrage sei dieser jedoch demon­tiert wor­den. Heute hän­gen laut Gottwald dort lediglich noch lose Kabel von der Decke. Den Vor­gang doku­men­tierte er mit Vorher-Nach­her-Fotos.

Die WGS weist zurück, den Anschluss bewusst ent­fer­nt zu haben. Auf SNO-Nach­frage erk­lärte das Unternehmen: „Eine Beauf­tra­gung zur Ent­fer­nung des Anschlusses ist durch uns nicht erfol­gt. Wir wer­den dies vor Ort prüfen.“

Grund­sät­zlich betont die WGS, dass Anfra­gen zu Wall­box­en stets im Einzelfall geprüft wür­den. Entschei­dend seien tech­nis­che Voraus­set­zun­gen, Net­zka­paz­itäten, Sicher­heits­fra­gen und die langfristige Pla­nung für das jew­eilige Wohn­quarti­er. Ger­ade in Tief­gara­gen gebe es beson­dere Sicher­heit­san­forderun­gen. Eine indi­vidu­elle Kostenüber­nahme allein reiche daher nicht aus. Statt Einzel­lö­sun­gen wolle man per­spek­tivisch „gemein­schaftliche Quartier­slö­sun­gen“ schaf­fen.

Nach Angaben der Woh­nungs­ge­sellschaft läuft derzeit ein entsprechen­des Pilot­pro­jekt im Wohn­quarti­er Mon­u­menten­berg. Dort werde Lade­in­fra­struk­tur für mehrere Mieter aufge­baut. Zudem prüfe die WGS bei Bau­vorhaben grund­sät­zlich die Möglichkeit entsprechen­der Ange­bote.

Streit auch beim Glasfaserausbau

Neben der E‑Mobilität sorgt auch das The­ma Glas­fas­er für Stre­it. Laut Gottwald sei die Edgar-Ben­nert-Straße bere­its durch mehrere Anbi­eter erschlossen. Er selb­st habe bere­its einen Glas­faser­tarif bei O2 abgeschlossen. Die Schal­tung sei jedoch gescheit­ert, weil die notwendi­ge Zus­tim­mung der WGS für den haus­in­ter­nen Aus­bau fehlte. Auf ein­er Telekom-Seite erscheint dazu wörtlich der Hin­weis: „Der Glas­fas­er-Aus­bau dieser Immo­bilie wurde uns unter­sagt.“

 


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In ein­er schriftlichen Frist­set­zung an die WGS vom 1. April 2026 spricht Gottwald von einem Wider­spruch zwis­chen öffentlichen Aus­bau­ver­sprechen und der tat­säch­lichen Prax­is. Dort ver­weist er auch auf die geset­zliche Dul­dungspflicht nach § 134 Telekom­mu­nika­tion­s­ge­setz.

Die WGS sieht die Sit­u­a­tion anders. Das Unternehmen ver­weist darauf, dass man mit der Tele Colum­bus Gruppe (PŸUR) einen fes­ten Ver­tragspart­ner für Inter­net- und TV-Ver­sorgung habe. Über dessen beste­hen­des Glas­faser­netz seien bere­its Band­bre­it­en von bis zu 400 Mbit/s ver­füg­bar. Deshalb könne man einem weit­eren Glas­faser­an­schluss durch andere Anbi­eter derzeit nicht zus­tim­men. Andere Anbi­eter kön­nten jedoch über soge­nan­nte Durch­leitungsvere­in­barun­gen mit PŸUR zusam­me­nar­beit­en.

Für Jere­my Gottwald bleibt den­noch ein bit­ter­er Ein­druck zurück: Während über­all über Dig­i­tal­isierung und Verkehr­swende gesprochen werde, stoße er im eige­nen Wohn­haus auf Still­stand. „Diese Block­ade­hal­tung ist unver­ständlich und schadet am Ende der Mod­ernisierung unser­er ganzen Stadt“, so der Schw­er­iner.