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Selbsthilfegruppe in Schwerin:
Wie ist es auf ein Organ warten zu müssen?

Warten. Ungewissheit. Finden sie für mich ein neues Herz? Eine neue Niere? Eine Leber? Wie ist es auf ein Spendeorgan zu warten?

  • Veröffentlicht Januar 19, 2026

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Weit­ere Infor­ma­tio­nen

 

Hol­ger Niehs (60) hat das Warten hin­ter sich. Er weiß nicht, ob sein Herz aus Spanien oder Kroa­t­ien kommt. Er weiß auch nicht, wer der Spender oder die Spenderin war. „Das ist nicht ohne weit­eres möglich und vielle­icht ist es auch gut so“, meint Hol­ger Niehs. „Wir kon­nten den Ange­höri­gen der Spender anonym einen Brief schreiben und uns bedanken. Das habe ich gemacht. Der Brief kam ungeöffnet zurück:“

Euro­trans­plant, der europäis­che Organspende-Ver­bund, koor­diniert den Aus­tausch von Spenderor­ga­nen zwis­chen acht Län­dern: Bel­gien, Deutsch­land, Kroa­t­ien, Lux­em­burg, den Nieder­lan­den, Öster­re­ich, Slowe­nien und Ungarn. Deutsch­land ist ein Teil dieses Ver­bun­des und erhält sowohl Organe von dort als auch gibt es Organe an die Län­der des Ver­bunds weit­er, abhängig von Bedarf und Ver­füg­barkeit. Spanien zählt zu den Län­dern mit den meis­ten Organspenderin­nen und ‑spender in Europa. Mit Blick auf den Anteil an Organspenderin­nen und ‑spender pro eine Mil­lion Ein­wohn­er gibt es in Deutsch­land europaweit ver­gle­ich­sweise wenige Organspenden.

Hol­ger Niehs gehört zu den Organ­isatoren der Selb­sthil­fe­gruppe „Zweite Chance durch Trans­plan­ta­tion“ in Schw­erin. Die Gruppe ist offen für Men­schen, die auf ein Organ warten bzw. schon trans­plantiert sind. Auch die Ange­höri­gen sind her­zlich ein­ge­laden.

„Als ich damals ein paar Monate in Berlin im Kranken­haus auf ein Herz gewartet habe, ging für meine Frau der All­t­ag hier in Schw­erin ja weit­er. – Keine leichte Zeit“, erin­nert er sich. „In der Klinik waren wir ja schon so etwas wie eine Schick­sals­ge­mein­schaft. Wir haben uns gegen­seit­ig unter­stützt und auch eine Menge Spaß miteinan­der gehabt. Aber die Ange­höri­gen sind oft genug mit ihren Sor­gen und Gedanken allein. Darum sind auch sie her­zlich bei uns willkom­men.“

Mit der Trans­plan­ta­tion ist in der Regel nicht alles gut und vor­bei. Nimmt mein Kör­p­er das fremde Organ dauer­haft an? Komme ich mit den Medika­menten klar, die ich vielle­icht über eine sehr lange Zeit nehmen muss? Kann ich eigentlich wieder arbeit­en gehen? – Viele Fra­gen und oft keine ein­deutige und klare Antwort.

„Der Erfahrungsaus­tausch in der Gruppe ist sehr inter­es­sant und span­nend“, sagt Niehs, „Das gilt auch für Betrof­fene, deren Trans­plan­ta­tion schon länger her ist.“

Mehr als 8.500 Men­schen ste­hen aktuell auf der Warteliste für eine Trans­plan­ta­tion. Die meis­ten Pati­entin­nen und Patien­ten warten auf eine Nier­en­trans­plan­ta­tion. „2024 warteten 6.397 Men­schen auf eine Spenderniere. 2024 wur­den etwa 4.700 Per­so­n­en neu auf die Warteliste aufgenom­men. 679 Per­so­n­en auf der Warteliste sind 2024 ver­stor­ben“, heißt es auf der Web­seite www.organspende-info.de.

Häu­fig wer­den bei ein­er Zus­tim­mung zur Organspende mehrere Organe ent­nom­men. 2024 wur­den pro Spenderin oder Spender durch­schnit­tlich 3 Organe ent­nom­men und trans­plantiert. Seit 1963 wur­den in Deutsch­land dank Organspende über 156.923 Organe verpflanzt. Bis zum 31. Dezem­ber 2024 wur­den ins­ge­samt 15.140 Herzen, 8.074 Lun­gen, 98.798 Nieren, 30.435 Lebern, 4.355 Pankrea­ta und 121 Därme über­tra­gen. Für sie alle war die Trans­plan­ta­tion ver­mut­lich „die zweite Chance“ für ein neues Leben.

In Deutsch­land gilt die „Entschei­dungslö­sung“. Das bedeutet, dass eine Organspende nur mit aus­drück­lich­er Zus­tim­mung des Ver­stor­be­nen oder sein­er Ange­höri­gen möglich ist. In vie­len anderen Län­dern wird die „Wider­spruch­slö­sung“ prak­tiziert. Jed­er ist dann ein poten­zieller Organspender, sofern nicht wider­sprochen wurde. – Der Bun­desrat hat einen erneuten Vorstoß für die Ein­führung der Wider­spruch­slö­sung ges­tartet.

Wer erfahren möchte, wie es Hol­ger Niehs heute geht, wie sein Weg zum neuen Herzen, zur zweit­en Chance ver­laufen ist und welche Rolle die Selb­sthil­fe­gruppe “Zweite Chance durch Trans­plan­ta­tion“ in seinem Leben spielt, erfährt dies in der neuen Folge vom Pod­cast „Man müsste mal …“ mit Andreas Lußky und Claus Oellerk­ing.