Selbsthilfegruppe in Schwerin:
Wie ist es auf ein Organ warten zu müssen?
Warten. Ungewissheit. Finden sie für mich ein neues Herz? Eine neue Niere? Eine Leber? Wie ist es auf ein Spendeorgan zu warten?
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Holger Niehs (60) hat das Warten hinter sich. Er weiß nicht, ob sein Herz aus Spanien oder Kroatien kommt. Er weiß auch nicht, wer der Spender oder die Spenderin war. „Das ist nicht ohne weiteres möglich und vielleicht ist es auch gut so“, meint Holger Niehs. „Wir konnten den Angehörigen der Spender anonym einen Brief schreiben und uns bedanken. Das habe ich gemacht. Der Brief kam ungeöffnet zurück:“
Eurotransplant, der europäische Organspende-Verbund, koordiniert den Austausch von Spenderorganen zwischen acht Ländern: Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn. Deutschland ist ein Teil dieses Verbundes und erhält sowohl Organe von dort als auch gibt es Organe an die Länder des Verbunds weiter, abhängig von Bedarf und Verfügbarkeit. Spanien zählt zu den Ländern mit den meisten Organspenderinnen und ‑spender in Europa. Mit Blick auf den Anteil an Organspenderinnen und ‑spender pro eine Million Einwohner gibt es in Deutschland europaweit vergleichsweise wenige Organspenden.
Holger Niehs gehört zu den Organisatoren der Selbsthilfegruppe „Zweite Chance durch Transplantation“ in Schwerin. Die Gruppe ist offen für Menschen, die auf ein Organ warten bzw. schon transplantiert sind. Auch die Angehörigen sind herzlich eingeladen.
„Als ich damals ein paar Monate in Berlin im Krankenhaus auf ein Herz gewartet habe, ging für meine Frau der Alltag hier in Schwerin ja weiter. – Keine leichte Zeit“, erinnert er sich. „In der Klinik waren wir ja schon so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und auch eine Menge Spaß miteinander gehabt. Aber die Angehörigen sind oft genug mit ihren Sorgen und Gedanken allein. Darum sind auch sie herzlich bei uns willkommen.“
Mit der Transplantation ist in der Regel nicht alles gut und vorbei. Nimmt mein Körper das fremde Organ dauerhaft an? Komme ich mit den Medikamenten klar, die ich vielleicht über eine sehr lange Zeit nehmen muss? Kann ich eigentlich wieder arbeiten gehen? – Viele Fragen und oft keine eindeutige und klare Antwort.
„Der Erfahrungsaustausch in der Gruppe ist sehr interessant und spannend“, sagt Niehs, „Das gilt auch für Betroffene, deren Transplantation schon länger her ist.“
Mehr als 8.500 Menschen stehen aktuell auf der Warteliste für eine Transplantation. Die meisten Patientinnen und Patienten warten auf eine Nierentransplantation. „2024 warteten 6.397 Menschen auf eine Spenderniere. 2024 wurden etwa 4.700 Personen neu auf die Warteliste aufgenommen. 679 Personen auf der Warteliste sind 2024 verstorben“, heißt es auf der Webseite www.organspende-info.de.
Häufig werden bei einer Zustimmung zur Organspende mehrere Organe entnommen. 2024 wurden pro Spenderin oder Spender durchschnittlich 3 Organe entnommen und transplantiert. Seit 1963 wurden in Deutschland dank Organspende über 156.923 Organe verpflanzt. Bis zum 31. Dezember 2024 wurden insgesamt 15.140 Herzen, 8.074 Lungen, 98.798 Nieren, 30.435 Lebern, 4.355 Pankreata und 121 Därme übertragen. Für sie alle war die Transplantation vermutlich „die zweite Chance“ für ein neues Leben.
In Deutschland gilt die „Entscheidungslösung“. Das bedeutet, dass eine Organspende nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Verstorbenen oder seiner Angehörigen möglich ist. In vielen anderen Ländern wird die „Widerspruchslösung“ praktiziert. Jeder ist dann ein potenzieller Organspender, sofern nicht widersprochen wurde. – Der Bundesrat hat einen erneuten Vorstoß für die Einführung der Widerspruchslösung gestartet.
Wer erfahren möchte, wie es Holger Niehs heute geht, wie sein Weg zum neuen Herzen, zur zweiten Chance verlaufen ist und welche Rolle die Selbsthilfegruppe “Zweite Chance durch Transplantation“ in seinem Leben spielt, erfährt dies in der neuen Folge vom Podcast „Man müsste mal …“ mit Andreas Lußky und Claus Oellerking.



