Mit Hammer und Sondierstab:
Wie Schwerins Baumkontrolleurinnen die grünen Riesen im Blick behalten
Ungefähr 1.000 Bäume sollte man mit dem Schonhammer schon einmal abgeklopft haben.

Mit orangen Jacken, Schonhammer und Sondierstab sind Stefanie Drefahl und Karolin Piepers fast jeden Tag unterwegs. Sie gehören zum fünfköpfigen Team der Baumkontrolle des städtischen Eigenbetriebes SDS und schauen sich ein paar der rund 60.000 Bäume der Landeshauptstadt an und checken, wie es um ihren Zustand bestellt ist. In Intervallen von ein bis drei Jahren werden so alle Bäume nach einem bestimmten Plan in Augenschein genommen. Für die beiden Fachkräfte inzwischen Routine. Mit dem Sondierstab aus Metall kann Karolin Piepers an Faulstellen eines Baumes feststellen, wie weit die Fäule in das Innere des Baumstammes vorgedrungen ist, eine Zentimetereinteilung auf dem Stab gibt ihr genaue Gewissheit. Heute kontrollieren die Baumspezialistinnen eine Buche im Franzosenweg. „Ungefähr 1.000 Bäume sollte man mit dem Schonhammer schon einmal abgeklopft haben, um die unterschiedlichen Klangbilder der Stämme und mögliche Schäden akustisch identifizieren zu können. Immerhin klingt jede Baumart ein wenig anders“, erzählt Stefanie Drefahl über ihre Arbeit.
Wenn Bäume zu Lebensräumen werden
Bei der Buche hier gibt es eine klare Diagnose. Der Baumstamm hat erhebliche Schäden und muss beobachtet werden. Möglicherweise wird er aus Sicherheitsgründen beschnitten und so gekürzt, dass von ihm keine Gefahr für Personen, die auf dem Franzosenweg unterwegs sind, ausgehen. Der Baum wird dann zu einem sogenannten Habitatbaum. Das bedeutet, auch wenn er selbst nicht mehr lebt, bietet er zahlreichen Insekten und Kleinlebewesen ein Zuhause und wird der Natur überlassen. „Wenn keine andere Möglichkeit zum Erhalt besteht, muss ein Baum aus Sicherheitsgründen auch mal gefällt werden“, erklärt Stefanie Drefahl das verantwortungsvolle Vorgehen des Teams. Die beiden Frauen lieben ihre Arbeit, draußen an der frischen Luft und nah bei der Natur. „Ich mag es, mit der Natur verbunden zu sein und mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag dafür zu leisten, dass sie erhalten bleibt“, sagt Karolin Piepers.
Den Klimawandel im Blick
Ein wenig Sorge machen den Baumkontrolleurinnen die Klimaveränderungen mit zunehmender Trockenheit, die auch den Bäumen der Stadt immer wieder zusetzt. „Wer etwas für das Wohl der Straßenbäume tun möchte, sollte darauf achten, dass zum Beispiel der Wurzelbereich der Gewächse nicht mit dem Auto befahren wird“, sagt Karolin Piepers. Hinweise zu Baumschäden können Bürgerinnen und Bürger bequem über das Portal klarschiff-sn.de melden. „Keinesfalls sollten Anwohner bei vermeintlich ‚störenden‘ Ästen selbst Hand anlegen“, warnt Piepers. Das ist bei öffentlichen Bäumen nicht nur verboten, sondern kann auch empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.
Hintergrund:
Schwerin ist bekannt für seine Seen und Wälder – und für tausende Bäume, die das Stadtbild prägen. Die Gewächse spenden Schatten, schlucken Staub und produzieren lebenswichtigen Sauerstoff. Zur Aufgabe des SDS gehört es auch, die Bäume zu pflegen, ihren Zustand zu kontrollieren und mögliche Schädigungen zu erkennen. Dabei steht die Sicherheit immer im Vordergrund und wird an besonders stark frequentierten Orten, wie zum Beispiel am Pfaffenteich, am häufigsten kontrolliert. Dennoch kommt es durch Stürme oder andere Naturereignisse immer wieder zu unvorhersehbaren Schäden. So stürzte in diesem Sommer eine Linde bei einem Unwetter um. Damit solche Vorkommnisse Einzelfälle bleiben, beobachten die Mitarbeitenden des Sachgebietes Baum- und Waldbewirtschaftung rund 60.000 Bäume.



