Mi, 10. Dezember 2025
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Mit Hammer und Sondierstab:
Wie Schwerins Baumkontrolleurinnen die grünen Riesen im Blick behalten

Ungefähr 1.000 Bäume sollte man mit dem Schonhammer schon einmal abgeklopft haben.

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  • Veröffentlicht Oktober 24, 2025
Stefanie Drefahl (r.) und Karolin Piepers (l.) vom SDS prüfen Schwerins Stadtbäume regelmäßig auf Standfestigkeit und Gesundheit, Foto: maxpress
Ste­fanie Drefahl (r.) und Karolin Piepers (l.) vom SDS prüfen bei der Baumkon­trolle regelmäßig die Stand­fes­tigkeit und Gesund­heit der Gewächse. Foto: max­press

Mit orangen Jack­en, Schon­ham­mer und Sondier­stab sind Ste­fanie Drefahl und Karolin Piepers fast jeden Tag unter­wegs. Sie gehören zum fün­fköp­fi­gen Team der Baumkon­trolle des städtis­chen Eigen­be­triebes SDS und schauen sich ein paar der rund 60.000 Bäume der Lan­deshaupt­stadt an und check­en, wie es um ihren Zus­tand bestellt ist. In Inter­vallen von ein bis drei Jahren wer­den so alle Bäume nach einem bes­timmten Plan in Augen­schein genom­men. Für die bei­den Fachkräfte inzwis­chen Rou­tine. Mit dem Sondier­stab aus Met­all kann Karolin Piepers an Faulstellen eines Baumes fest­stellen, wie weit die Fäule in das Innere des Baum­stammes vorge­drun­gen ist, eine Zen­time­tere­in­teilung auf dem Stab gibt ihr genaue Gewis­sheit. Heute kon­trol­lieren die Baum­spezial­istin­nen eine Buche im Fran­zosen­weg. „Unge­fähr 1.000 Bäume sollte man mit dem Schon­ham­mer schon ein­mal abgek­lopft haben, um die unter­schiedlichen Klang­bilder der Stämme und mögliche Schä­den akustisch iden­ti­fizieren zu kön­nen. Immer­hin klingt jede Bau­mart ein wenig anders“, erzählt Ste­fanie Drefahl über ihre Arbeit.

Wenn Bäume zu Lebensräumen werden

Bei der Buche hier gibt es eine klare Diag­nose. Der Baum­stamm hat erhe­bliche Schä­den und muss beobachtet wer­den. Möglicher­weise wird er aus Sicher­heits­grün­den beschnit­ten und so gekürzt, dass von ihm keine Gefahr für Per­so­n­en, die auf dem Fran­zosen­weg unter­wegs sind, aus­ge­hen. Der Baum wird dann zu einem soge­nan­nten Habi­tat­baum. Das bedeutet, auch wenn er selb­st nicht mehr lebt, bietet er zahlre­ichen Insek­ten und Klein­le­be­we­sen ein Zuhause und wird der Natur über­lassen. „Wenn keine andere Möglichkeit zum Erhalt beste­ht, muss ein Baum aus Sicher­heits­grün­den auch mal gefällt wer­den“, erk­lärt Ste­fanie Drefahl das ver­ant­wor­tungsvolle Vorge­hen des Teams. Die bei­den Frauen lieben ihre Arbeit, draußen an der frischen Luft und nah bei der Natur. „Ich mag es, mit der Natur ver­bun­den zu sein und mit mein­er Arbeit einen kleinen Beitrag dafür zu leis­ten, dass sie erhal­ten bleibt“, sagt Karolin Piepers.

Den Klimawandel im Blick

Ein wenig Sorge machen den Baumkon­trolleurin­nen die Kli­maverän­derun­gen mit zunehmender Trock­en­heit, die auch den Bäu­men der Stadt immer wieder zuset­zt. „Wer etwas für das Wohl der Straßen­bäume tun möchte, sollte darauf acht­en, dass zum Beispiel der Wurzel­bere­ich der Gewächse nicht mit dem Auto befahren wird“, sagt Karolin Piepers. Hin­weise zu Baum­schä­den kön­nen Bürg­erin­nen und Bürg­er bequem über das Por­tal klarschiff-sn.de melden. „Keines­falls soll­ten Anwohn­er bei ver­meintlich ‚stören­den‘ Ästen selb­st Hand anle­gen“, warnt Piepers. Das ist bei öffentlichen Bäu­men nicht nur ver­boten, son­dern kann auch empfind­liche Bußgelder nach sich ziehen.

Hin­ter­grund:
Schw­erin ist bekan­nt für seine Seen und Wälder – und für tausende Bäume, die das Stadt­bild prä­gen. Die Gewächse spenden Schat­ten, schluck­en Staub und pro­duzieren lebenswichti­gen Sauer­stoff. Zur Auf­gabe des SDS gehört es auch, die Bäume zu pfle­gen, ihren Zus­tand zu kon­trol­lieren und mögliche Schädi­gun­gen zu erken­nen. Dabei ste­ht die Sicher­heit immer im Vorder­grund und wird an beson­ders stark fre­quen­tierten Orten, wie zum Beispiel am Pfaf­fen­te­ich, am häu­fig­sten kon­trol­liert. Den­noch kommt es durch Stürme oder andere Natur­ereignisse immer wieder zu unvorherse­hbaren Schä­den. So stürzte in diesem Som­mer eine Linde bei einem Unwet­ter um. Damit solche Vorkomm­nisse Einzelfälle bleiben, beobacht­en die Mitar­bei­t­en­den des Sachge­bi­etes Baum- und Wald­be­wirtschaf­tung rund 60.000 Bäume.