Sa, 17. Januar 2026
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Unfallzahlen und Realität:
Wie sicher ältere Menschen wirklich fahren

Autofahren bedeutet für viele Senioren Freiheit. Doch mit zunehmendem Alter rücken Fragen der Fahrsicherheit in den Fokus – auch in Mecklenburg-Vorpommern.

  • Veröffentlicht Januar 5, 2026
Foto: Sym­bol­bild

 

Für viele Men­schen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist das Auto ein unverzicht­bares Verkehrsmit­tel – ger­ade in ländlich geprägten Regio­nen. Arzt­ter­mine, Einkäufe oder Fam­i­lienbe­suche lassen sich oft nur mit dem eige­nen Wagen erledi­gen. Auch für ältere Men­schen bedeutet Aut­o­fahren ein hohes Maß an Selb­st­ständigkeit und per­sön­liche Frei­heit. Entsprechend sen­si­bel wird die Frage disku­tiert, wie sich­er Senioren noch am Steuer unter­wegs sind.

„Das The­ma ist emo­tion­al stark belastet“, sagt Kirstin Zei­dler, Lei­t­erin der Unfall­forschung der Ver­sicher­er beim Gesamtver­band der Deutschen Ver­sicherungswirtschaft (GDV). Ger­ade inner­halb von Fam­i­lien sei es schwierig, Zweifel an der Fahrtüchtigkeit offen anzus­prechen. Nie­mand sage gern den eige­nen Eltern, dass sie das Auto vielle­icht bess­er ste­hen lassen soll­ten.

Kom­munen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern war­nen allerd­ings vor pauschalen Urteilen. Ältere Men­schen dürften nicht grund­sät­zlich als Prob­lem­gruppe dargestellt wer­den, betont etwa der Land­kreis Lud­wigslust-Parchim. Auch aus Schw­erin heißt es, das Alter allein lasse keine Rückschlüsse auf die Fahrtüchtigkeit zu. Viele Senior­in­nen und Senioren seien beson­ders umsichtig und ver­ant­wor­tungsvoll unter­wegs.

Was Unfallstatistiken über ältere Fahrer wirklich aussagen

Sta­tis­tis­che Dat­en stützen diese dif­feren­zierte Sicht. Zwar zeigen Zahlen des Sta­tis­tis­chen Bun­de­samtes, dass ältere Men­schen bei Unfällen häu­figer als Hauptverur­sach­er gel­ten. Gemessen an ihrem Bevölkerungsan­teil sind sie jedoch ins­ge­samt sel­tener in Verkehrsun­fälle ver­wick­elt.

Ein genauer Blick auf die Unfal­lzahlen zeigt den­noch Unter­schiede inner­halb der Alters­grup­pen. In Meck­len­burg-Vor­pom­mern waren Men­schen zwis­chen 65 und 75 Jahren im Jahr 2024 sel­tener Unfal­lverur­sach­er als noch im Vor­jahr. Die Zahl sank laut Verkehrsun­fall­sta­tis­tik von 583 Fällen im Jahr 2023 auf 557. Anders stellt sich die Entwick­lung bei Men­schen über 75 Jahren dar: Hier stieg die Zahl der Unfälle, bei denen Senioren als Verur­sach­er gal­ten, von 453 auf 482.

Nach Ein­schätzung von Zei­dler erk­lären absolute Zahlen jedoch nur einen Teil des Bildes. Ältere Men­schen fahren im Durch­schnitt deut­lich weniger Kilo­me­ter als jün­gere. Rech­net man das Unfallgeschehen auf die tat­säch­lich gefahrene Strecke um, steigt das Risiko für Unfälle mit Per­so­n­en­schä­den ab etwa 75 Jahren deut­lich an. In der Fach­sprache ist von ein­er soge­nan­nten „Bade­wan­nen-Kurve“ die Rede: Ein hohes Risiko bei jun­gen Fahran­fängern, ein Rück­gang im mit­tleren Alter und ein erneuter Anstieg im höheren Leben­salter.

Ursäch­lich sind dabei weniger konkrete Krankheit­en als vielmehr alters­be­d­ingte Verän­derun­gen wie nach­lassende Konzen­tra­tion, gerin­gere Reak­tion­s­geschwindigkeit oder eingeschränk­te Aufmerk­samkeit. Diese machen sich vor allem in kom­plex­en Verkehrssi­t­u­a­tio­nen bemerk­bar, etwa an Kreuzun­gen oder beim Abbiegen.

Rückmeldefahrten und Schulungen als Alternative zu Verboten

Die frei­willige Abgabe des Führerscheins ist in Meck­len­burg-Vor­pom­mern eher sel­ten. Häu­figer erfol­gt der Verzicht erst, nach­dem Behör­den eine Fahreig­nungsüber­prü­fung ein­geleit­et haben, etwa nach Hin­weisen der Polizei. In anderen Fällen entschei­den sich Betrof­fene auf Anre­gung von Ange­höri­gen, das Auto schlicht nicht mehr zu nutzen, ohne formell auf die Fahrerlaub­nis zu verzicht­en.

Um die Fahrsicher­heit zu erhöhen, set­zen Ver­sicher­er ver­stärkt auf soge­nan­nte Rück­melde­fahrten für Men­schen ab 75 Jahren. Dabei fahren die Teil­nehmenden im eige­nen Fahrzeug unter Beobach­tung eines Experten durch den Straßen­verkehr. Im Anschluss erhal­ten sie eine ver­trauliche Ein­schätzung – von der Bestä­ti­gung der Fahrkom­pe­tenz über Ver­hal­tensempfehlun­gen bis hin zum Rat, das Aut­o­fahren einzustellen. Das Urteil bleibt bewusst ohne behördliche Fol­gen, um die Akzep­tanz zu erhöhen.

Auch frei­willige Schu­lungs- und Tes­tange­bote existieren. Das Innen­min­is­teri­um ver­weist etwa auf Pro­gramme der Lan­desverkehr­swacht, die über alters­be­d­ingte Ein­schränkun­gen informieren und Kom­pen­sa­tion­s­möglichkeit­en aufzeigen. Prak­tis­che Fahrtests wer­den zudem von Organ­i­sa­tio­nen wie TÜV, ADAC oder Dekra ange­boten – nicht nur für Senioren, son­dern auch für Men­schen mit gesund­heitlichen Ein­schränkun­gen oder Fahrun­sicher­heit­en.