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UN-Bereitschaft zur Untersuchung von Chemiewaffen im Sudan:
Wird al-Burhan einlenken?

Die Vereinten Nationen haben sich bereit erklärt, den Einsatz von Chemiewaffen durch die sudanesischen Streitkräfte zu untersuchen, machen dies jedoch von einem offiziellen Mandat abhängig.

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  • Veröffentlicht September 29, 2026
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Damit liegt die Entschei­dung nun beim sudane­sis­chen Armeechef Abdel Fat­tah al-Burhan. Dieser Schritt der UN fol­gt auf die Weigerung der USA, al-Burhan ein Visum für eine Reise nach New York zur UN-Vol­lver­samm­lung auszustellen. Wash­ing­ton betra­chtet die De-fac­to-Regierung in Port Sudan als ille­git­im, da sie ihre Macht auss­chließlich auf Waf­fenge­walt stütze.

UN-Sprech­er Stéphane Dujar­ric erk­lärte, die Vere­in­ten Natio­nen seien hand­lungs­bere­it, sobald das erforder­liche Man­dat erteilt werde, und bekräftigte die Ablehnung der Organ­i­sa­tion gegenüber dem Ein­satz von Chemiewaf­fen. Die UN unter­stützten zudem die Bemühun­gen, den Waf­fen­fluss in den Sudan zu stop­pen. „Die Sudane­sen brauchen nicht noch mehr Bomben oder Drohnen, sie brauchen Frieden“, betonte Dujar­ric.

Seit Monat­en fordern die USA und andere Län­der eine unab­hängige tech­nis­che Unter­suchung, die den Zugang zu den Stan­dorten, die Ent­nahme von Proben, die Unter­suchung von Muni­tion sowie die Anhörung von Zeu­gen umfassen soll. Zuvor hat­te der UN-Sicher­heit­srat den Mit­gliedsstaat­en einen Monat Zeit eingeräumt, um einen US-Vorschlag zu prüfen. Dieser sieht vor, das derzeit­ige Waf­fen­em­bar­go für Dar­fur auf den gesamten Sudan auszuweit­en, nach­dem weit­ere Beweise für den Ein­satz von Chemiewaf­fen durch die sudane­sis­che Armee aufge­taucht waren.

 

Sanktionen gegen Port Sudan

Im ver­gan­genen Juli trat das zweite US-Sank­tion­spaket gegen die Regierung in Port Sudan in Kraft. Wash­ing­ton erk­lärte, die Mil­itär­regierung habe die Bedin­gun­gen des Geset­zes zur Kon­trolle chemis­ch­er und biol­o­gis­ch­er Waf­fen und zur Beendi­gung der Kriegs­führung von 1991 nicht erfüllt.

Zuvor hat­ten die USA im Mai 2025 bestätigt, dass die Regierung in Port Sudan im Jahr 2024 Chemiewaf­fen gegen die Rapid Sup­port Forces (RSF) einge­set­zt hat­te. Im Juni des­sel­ben Jahres wurde ein erstes Sank­tion­spaket ver­hängt, das Beschränkun­gen für US-Exporte und staatliche Kred­itlin­ien umfasste.

Die ersten Entschei­dun­gen Wash­ing­tons fie­len am 24. April 2025 auf Grund­lage dieses Geset­zes. Es schreibt eine weit­ere Sank­tion­sstufe vor, falls die US-Regierung dem Kongress nicht inner­halb ein­er fest­gelegten Frist bestätigt, dass der Sudan den Ein­satz von Chemiewaf­fen eingestellt, glaub­würdi­ge Garantien für eine Nichtwieder­hol­ung abgegeben und inter­na­tionale Inspek­tio­nen zuge­lassen hat.

Das US-Außen­min­is­teri­um bestätigte, dass die al-Burhan-Regierung keine Garantien für den Verzicht auf Chemiewaf­fen abgegeben hat und seit Sep­tem­ber 2024 die Zusam­me­nar­beit mit der unab­hängi­gen inter­na­tionalen Unter­suchungskom­mis­sion des UN-Men­schen­recht­srats ver­weigert. Port Sudan beg­nügte sich stattdessen mit der Ein­set­zung eines eige­nen, von al-Burhan ernan­nten Auss­chuss­es, der die Armee vom Ein­satz dieser Waf­fen freis­prach – ein Schritt, der von der Regierung von US-Präsi­dent Don­ald Trump zurück­gewiesen wurde.

Vor weni­gen Wochen veröf­fentlicht­en die New York Times und die Wash­ing­ton Post inves­tiga­tive Berichte, die sich auf ein gemein­sames Dossier mit rund 150 Doku­menten, Fotos, Videos und Audioauf­nah­men stützten. Diese bele­gen die Her­stel­lung und den Ein­satz von Chemiewaf­fen durch die sudane­sis­che Armee unter Auf­sicht von al-Burhan im laufend­en Krieg.

Exk­lu­sive Doku­mente und Videos, deren Echtheit von der Redak­tion der France 24 Observers ver­i­fiziert wurde, enthüll­ten zudem, dass am 5. und 13. Sep­tem­ber 2024 in der Nähe ein­er Ölraf­finer­ie nördlich der sudane­sis­chen Haupt­stadt Khar­tum Chlor­gas – das üblicher­weise zur Trinkwasser­auf­bere­itung ver­wen­det wird – als chemis­che Waffe einge­set­zt wurde. Alle von der Redak­tion geprüften Dat­en deuten auf eine Ver­wick­lung der sudane­sis­chen Armee hin.

 

Ein ernsthafter Partner für den Frieden

Zur Weigerung der US-Regierung, Armeechef al-Burhan ein Visum für die UN-Vol­lver­samm­lung in New York auszustellen, erk­lärte der sudane­sis­che Ana­lyst Dr. Zuhair Al-Sar­raj, dass Wash­ing­ton einen ern­sthaften Friedenspart­ner fordere, während al-Burhan am Krieg fes­thalte. Die USA drin­gen auf einen Waf­fen­still­stand und einen poli­tis­chen Prozess, der die Macht wieder in zivile Hände legt.

In einem Artikel für die Zeitung Sudanile fügte er hinzu, hier zeige sich die große Kluft zwis­chen Wash­ing­ton und al-Burhan. Let­zter­er sehe sich nun mit ein­er unmissver­ständlichen amerikanis­chen und inter­na­tionalen Hal­tung kon­fron­tiert: Keine Anerken­nung der Mil­itärherrschaft, bre­ite Ablehnung ein­er Fort­set­zung des Krieges, Ausweitung des Waf­fen­em­bar­gos sowie mas­siv­er Druck für eine Waf­fen­ruhe und die Ein­leitung eines zivilen poli­tis­chen Prozess­es. Al-Burhan müsse dies ver­ste­hen und auf die Stimme der Ver­nun­ft hören.

 

Al-Sar­raj analysiert weit­er, al-Burhan gebe sich ein­er Illu­sion hin, wenn er auf regionale Unter­stützung zäh­le, um amerikanis­chem und inter­na­tionalem Druck standzuhal­ten. Regionale Posi­tio­nen wür­den ihm nicht die Legit­im­ität ver­schaf­fen, die Wash­ing­ton ihm ver­weigert, noch kön­nten sie die zunehmenden Sank­tio­nen und inter­na­tionalen Maß­nah­men gegen die Fort­set­zung des Krieges stop­pen. Sollte er, aufges­tachelt durch seine „Kizan“-Herren (ein sudane­sis­ch­er Begriff für die Mus­lim­brud­er­schaft), hart­näck­ig an sein­er Hal­tung fes­thal­ten, werde er let­ztlich wie der gestürzte Omar al-Bashir gejagt wer­den, wom­öglich mit weitaus schlim­meren Kon­se­quen­zen. Dies sei angesichts der langsamen Entschei­dung­sprozesse in demokratis­chen Gesellschaften keineswegs in weit­er Ferne.

Die Zeitung The Nation­al wies darauf hin, dass al-Burhan geschworen hat, den Kampf bis zur Nieder­lage der RSF fortzuset­zen, und dabei wieder­holte Ver­suche der USA und regionaler Mächte, einen Waf­fen­still­stand zu erre­ichen, strikt zurück­weist.

 

Regionale Positionen: Unterstützung von Verbrechen?

Während die USA ihr Vorge­hen gegen die Ver­brechen der von al-Burhan geführten Armee ver­schär­fen und auf Frieden drän­gen, sor­gen regionale Posi­tio­nen für erhe­bliche Kon­tro­ver­sen, wenn es um die Parteinahme für Kriegsver­brech­er geht.

Dies bet­rifft ins­beson­dere Sau­di-Ara­bi­en, das zunächst in Dschid­da als Ver­mit­tler zwis­chen den Kon­flik­t­parteien auf­trat. Es soll jedoch das Ver­trauen der Parteien aus­genutzt haben, um ver­stärkt Ein­fluss auf das Lager in Port Sudan zu nehmen und dieses während des Kon­flik­ts poli­tisch und mil­itärisch zu unter­stützen.

Offiziell erk­lärt Riad, man kom­mu­niziere mit allen Parteien, um die Sta­bil­ität in der südlichen Nach­barschaft zu sich­ern und vitale Inter­essen im Roten Meer zu schützen. In der Prax­is kon­nte das Land seine Neu­tral­ität in der Krise jedoch nicht wahren.

 

Reuters berichtete in diesem Jahr, Sau­di-Ara­bi­en habe einen pak­istanis­chen Waf­fend­eal für die sudane­sis­che Armee im Wert von rund 1,5 Mil­liar­den US-Dol­lar ver­mit­telt, bevor Riad die Stornierung forderte und Islam­abad mit­teilte, man werde den Deal nicht finanzieren. Pak­istanis­che Medi­en­quellen berichteten der­weil, Riad habe bei Liefer­un­gen pak­istanis­ch­er gepanz­ert­er Fahrzeuge an die sudane­sis­che Armee ver­mit­telt.

Jede Unter­stützung für al-Burhan schürt den Krieg im Sudan. Dies stellte auch Reuters im Feb­ru­ar dieses Jahres in einem Bericht mit dem Titel „Ein­satz von Drohnen an der ägyp­tis­chen Gren­ze ver­schärft den Bürg­erkrieg im Sudan“ fest.

Laut Reuters wurde ein leis­tungsstarkes Mod­ell türkisch­er Kampf­drohnen auf ein­er Lan­de­bahn an der süd­west­lichen Gren­ze Ägyptens sta­tion­iert. Satel­liten­bilder eines US-Raum­fahrt­tech­nolo­gie­un­ternehmens zeigten am 29. Sep­tem­ber, 28. Dezem­ber und 9. Jan­u­ar eine große Drohne auf dem Rollfeld eines Flughafens in Sharq El Owainat.

 

Auch die New York Times veröf­fentlichte Bilder von Akin­ci-Drohnen auf dem Flughafen Sharq El Owainat, die für Angriffe im Sudan einge­set­zt wer­den sollen.

Die Türkei, die sich ein­er­seits an offiziellen diplo­ma­tis­chen Friedens­be­mühun­gen beteiligt und ander­er­seits die sudane­sis­che Armee unter al-Burhan mil­itärisch und insti­tu­tionell unter­stützt, ist tief in den Kon­flikt ver­wick­elt.

 

Die sudane­sis­che Armee hat durch wahllose Luftan­griffe Ver­brechen gegen Zivilis­ten began­gen. Human Rights Watch erk­lärte, diese Angriffe hät­ten in Dar­fur zahlre­iche Zivilis­ten getötet, und betonte, dies komme Kriegsver­brechen gle­ich. Laut Feld­dat­en führte die Armee die meis­ten dieser Angriffe mit fortschrit­tlichen türkischen Drohnen durch.

Im März 2025 enthüllte die Wash­ing­ton Post Doku­mente, Kom­mu­nika­tion­spro­tokolle, Geschäft­sun­ter­la­gen und Flug­dat­en, die bele­gen sollen, dass türkische Waf­fen und Drohnen an die sudane­sis­che Armee geliefert wur­den.

Die sudane­sis­che Defense Indus­tries Cor­po­ra­tion unterze­ich­nete einen Ver­trag über rund 120 Mil­lio­nen US-Dol­lar mit dem türkischen Unternehmen Baykar zur Liefer­ung von Drohnen und Muni­tion. Die Liefer­un­gen trafen 2024 im Sudan ein, begleit­et von türkischen Tech­nikern, die bei der Bedi­enung der Aus­rüs­tung helfen soll­ten. Ankara bestritt hinge­gen, eine der Kriegsparteien mil­itärisch zu unter­stützen.