Sa, 17. Januar 2026
Close

Kosten und Bürokratie bremsen Unternehmen im Norden:
Wirtschaft sieht dringenden Reformbedarf

Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern blickt auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück. Die IHK zu Schwerin fordert für 2026 entschlossene Reformen.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Januar 6, 2026
Das  Ludwig-Bölkow-Haus, dem Sitz der IHK zu Schwerin. Foto: maxpress
Das  Lud­wig-Bölkow-Haus, dem Sitz der IHK zu Schw­erin. Foto: max­press

 

Das Jahr 2025 ist für die Wirtschaft in Meck­len­burg-Vor­pom­mern schwierig ver­laufen. Zwar gab es einzelne pos­i­tive Entwick­lun­gen, ins­ge­samt aber blieb die wirtschaftliche Lage anges­pan­nt. Hohe Kosten, lang­wierige poli­tis­che Entschei­dung­sprozesse, kom­plexe Reg­ulierun­gen und ein weit­er­hin enger Arbeits­markt belasteten viele Unternehmen. Für die IHK zu Schw­erin ste­ht deshalb fest: 2026 muss zum Jahr der Refor­men wer­den.

Nach Ein­schätzung der Indus­trie- und Han­del­skam­mer blieb eine kon­junk­turelle Trendwende im ver­gan­genen Jahr aus. Der Kon­junk­turk­li­main­dex ver­har­rte deut­lich unter seinem langjähri­gen Durch­schnitt, die Erwartun­gen der Unternehmen waren über­wiegend pes­simistisch. Steigende Arbeit­skosten, hohe Energiepreise und unklare poli­tis­che Rah­menbe­din­gun­gen prägten das wirtschaftliche Stim­mungs­bild.

 

Investitionen stocken wegen fehlender Planungssicherheit

„Viele Unternehmen haben 2025 mit ange­zo­gen­er Hand­bremse gear­beit­et“, erk­lärte IHK-Präsi­dent Matthias Belke. Fehlende Pla­nungssicher­heit, schlep­pende Genehmi­gungsver­fahren und aus­bleibende Ent­las­tun­gen hät­ten Investi­tio­nen gebremst. Ersatzbeschaf­fun­gen und Erweiterun­gen seien vielfach ver­schoben wor­den. Aus Sicht der IHK dro­he Meck­len­burg-Vor­pom­mern ohne entschlossene poli­tis­che Entschei­dun­gen dauer­haft an wirtschaftlich­er Sub­stanz zu ver­lieren.

Am Arbeits- und Aus­bil­dungs­markt zeigte sich ein gemis­cht­es Bild. Mit 1.247 neu abgeschlosse­nen Aus­bil­dungsverträ­gen blieb das Niveau sta­bil. Gle­ichzeit­ig kon­nten zahlre­iche Aus­bil­dungsplätze nicht beset­zt wer­den, ins­beson­dere in kleineren Betrieben. Gründe seien unter anderem eine unzure­ichende Beruf­sori­en­tierung sowie man­gel­nde Ken­nt­nisse über regionale Aus­bil­dungsange­bote. Auch der Fachkräfte­man­gel bleibt trotz leichter Entspan­nung eine spür­bare Belas­tung für viele Unternehmen.

IHK-Haupt­geschäfts­führerin Lisa Haus betonte, dass engagierte Betriebe allein nicht aus­re­icht­en, um die Her­aus­forderun­gen zu bewälti­gen. Notwendig seien ver­lässliche Rah­menbe­din­gun­gen, mod­erne Beruf­ss­chulen, ein sta­biles Beruf­ss­chul­netz sowie eine Zuwan­derungspoli­tik, die im betrieblichen All­t­ag funk­tion­iere. Dies sei entschei­dend für die Zukun­fts­fähigkeit des Wirtschafts­stan­dorts.

 

Energiepreise und Netzausbau als zentrale Standortfaktoren

Beson­ders kri­tisch bew­ertet die IHK die Entwick­lung der Energiepreise. Hohe Stromkosten, steigende Net­zent­gelte sowie lang­wierige Pla­nungs- und Genehmi­gungsver­fahren gel­ten weit­er­hin als Stan­dorthemm­nisse. Präsi­dent Belke ver­wies darauf, dass sich Genehmi­gun­gen für Winden­ergiean­la­gen teils über Jahre hinziehen. In dieser Zeit seien die ursprünglich geplanten Anla­gen tech­nisch oft bere­its über­holt, was Investi­tio­nen gefährde.

Für 2026 fordert die IHK zu Schw­erin unter anderem wirtschaftlich tragfähige und schnellere Net­zaus­bau­vari­anten, eine Senkung der Strom­s­teuer, ver­lässliche Ent­las­tun­gen für Unternehmen sowie deut­lich beschle­u­nigte Infra­struk­turver­fahren.

In der Außen­wirtschaft zeigten sich trotz der schwieri­gen Gesamt­lage auch pos­i­tive Sig­nale. Viele Unternehmen sehen weit­er­hin Wach­s­tumspoten­ziale im Export­geschäft. Gle­ichzeit­ig behin­dern Bürokratie, kom­plexe Reg­u­lar­ien und unsichere Förderbe­din­gun­gen den inter­na­tionalen Mark­tzu­gang. Die IHKs im Land sprechen sich daher für stärkere Unter­stützung, bessere Mark­ter­schließung­shil­fen und ein ein­heitlich­es außen­wirtschaftlich­es Konzept für Meck­len­burg-Vor­pom­mern aus.

Mit Blick auf die poli­tis­che Debat­te fordern die Unternehmen weniger Polar­isierung und mehr Sachori­en­tierung. Wirtschaft und Poli­tik stün­den gemein­sam in der Ver­ant­wor­tung, so Belke. Schuldzuweisun­gen oder Sym­bol­poli­tik seien nicht zielführend. Gefordert sei vielmehr ein enger Schul­ter­schluss, um Ver­trauen, Wach­s­tum und Zukun­ftsper­spek­tiv­en zu sich­ern.

Die Jahres­bi­lanz 2025 zeigt aus Sicht der IHK deut­lich: Ohne struk­turelle Refor­men, ver­lässliche Rah­menbe­din­gun­gen und spür­bare Ent­las­tun­gen dro­ht Meck­len­burg-Vor­pom­mern wirtschaftlich weit­er zurück­z­u­fall­en. Die für 2026 anste­hende Land­tagswahl will die IHK zu Schw­erin gemein­sam mit Part­nern durch eigene Ver­anstal­tun­gen begleit­en.