ANZEIGE | Bundeskanzler Merz in Schwerin:
Worum es bei dem Besuch gegangen ist
Die Wirtschaft in MV kommt einfach nicht in Schwung. Das war dann auch Thema des Besuchs von Bundeskanzler Merz in Schwerin.

Kurz vor dem Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Mecklenburg-Vorpommern hat die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) klar formuliert, worum es ihr am meisten geht: Die einfach nicht in Schwung kommende Wirtschaft braucht dringend neue Impulse. Die Lage ist so angespannt wie schon lange nicht mehr und viele Firmen planen, Stellen abzubauen. Daher sind die Erwartungen an den Bund entsprechend hoch. Handlungsbedarf sieht man vor allem bei den Energiepreisen und im Bereich der Infrastruktur.
Wirtschaft in der Krise
Bevor der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zu seinem ersten offiziellen Besuch als Regierungschef nach Mecklenburg-Vorpommern gereist ist, hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig deutlich gemacht, welche Prioritäten sie setzt. „Die wichtigste Aufgabe von Bund und Land ist es, Deutschland wirtschaftlich weiter voranzubringen und Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen.“. Für die Schweriner Landesregierung geht es dabei nicht um symbolische Gesten, sondern es geht um konkrete Antworten auf eine Wirtschaft, die seit zwei Jahren – mehr oder weniger – stagniert.
Für das Jahr 2025 rechnen sowohl die Bundesregierung als auch führende Wirtschaftsinstitute höchstens mit einem zarten Plus. Von einer echten Erholungsphase ist man weit weg. Parallel dazu zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), wie angespannt die Lage in vielen Betrieben bereits ist: 36 Prozent der Unternehmen haben bereits Stellenstreichungen geplant, während nur 18 Prozent neue Arbeitsplätze schaffen wollen. Diese Daten zeichnen ein düsteres Bild, das auch nicht an Aufbruch erinnert, sondern an Abkühlung.
Kritik an Bürokratie wird immer lauter
Passend zur Kanzlerreise veröffentlichten die drei Industrie- und Handelskammern des Landes ihre neue Herbst-Konjunkturumfrage. In den früheren Befragungen dominierte vor allem die Klage über die viel zu hohen Energiepreise. Auch wurde die ausufernde Bürokratie kritisiert. Faktoren, die nach Ansicht vieler Unternehmen dringend reformiert werden müssen, damit überhaupt Wachstum möglich sein kann.
Ein gutes Beispiel mag hier etwa der deutsche Glücksspielstaatsvertrag sein. Während immer mehr Glücksspielfans in Online Casinos Live Spiele starten, wurde im Zuge der bundesweiten Regulierung entschieden, Online Casinos mit deutscher Lizenz dürfen keinen Live Casino Bereich anbieten. Neueste Online Casinos werben mit Bitcoin und Co., Anbietern mit deutscher Lizenz ist das untersagt. Zudem punkten viele ausländischen Anbieter mit attraktiven Spielangeboten und Boni für neue Kunden. Somit fließen Millionen an potenziellem Steuergeld ins Ausland und nicht in die deutsche Kassa. Aufgrund der Regeln entscheiden sich auch viele Anbieter dazu, Abstand von der deutschen Lizenz zu nehmen.
Wie sieht eine faire Lastenverteilung aus?
Man setzt vor allem bei den Energiekosten auf Signale, die aus Berlin kommen sollen. Immer wieder wurde die Bundesregierung an ihr Versprechen erinnert, die Energiepreise spürbar zu senken. Besonders kritisch sind die hohen Kostenanteile beim Netzausbau, die den Norden überproportional belasten. Von Seiten der Ministerpräsidentin wurde daher eine gerechte Verteilung gefordert. Für die Bürger sei es wichtig, dass grüner Strom zu niedrigeren Preisen weitergegeben wird. Das sei auch für die Unternehmen essenziell. „Wir werben dafür, dass der bei uns günstig produzierte grüne Strom auch zu niedrigen Preisen an Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft abgegeben werden kann.“
Das milliardenschwere Sondervermögen des Bundes, aus dem Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden zwölf Jahren rund 1,9 Milliarden Euro eigenständig einsetzen kann, mag ein Teil der Hoffnung sein, den die Landesregierung noch erkennt. Ein Großteil der Mittel soll in den Straßenbau und in die Schulen fließen. Es sollen hier Projekte entstehen und gefördert werden, die sowohl wirtschaftliche Stabilität als auch Standortattraktivität sichern sollen.
Zugleich geht es auch um zusätzliche Hilfen für die Häfen der Region. Sie seien schließlich infrastrukturelle Knotenpunkte für die gesamte Bundesrepublik und müssten daher unbedingt mehr Berücksichtigung finden. Die bisher vorgesehenen 38 Millionen Euro pro Jahr im Bundeshaushalt seien dafür auf keinen Fall ausreichend. Der maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), hat darauf verwiesen, dass die Länder selbst stärker aus dem 100 Milliarden-Fonds investieren sollen, der von Seiten des Bundes zur Verfügung gestellt wird.
