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Kritik an Prüfung des eigenen Chefs:
Bund der Steuerzahler fordert unabhängige Prüfung in Schweriner ZGM-Affäre

Die Stadt hat eine Compliance-Prüfung zur umstrittenen ZGM-Besetzung eingeleitet. Dem Bund der Steuerzahler reicht das nicht: Er kritisiert das Verfahren und fordert mehr Unabhängigkeit.

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  • Veröffentlicht Juli 17, 2026
ZGM-Besetzung Schwerin
Nach Kri­tik am Auswahlver­fahren für die ZGM-Werkleitung hat die Stadt Schw­erin eine Com­pli­ance-Prü­fung ein­geleit­et.
Foto: Ste­fan Rochow

 


In Kürze:

  • Bund der Steuerzahler kri­tisiert die von der Stadt Schw­erin ein­geleit­ete Com­pli­ance-Prü­fung zur Beset­zung der ZGM-Werkleitung und fordert eine unab­hängige Unter­suchung wegen eines möglichen Inter­essenkon­flik­ts.
  • Nach Bericht­en der Ost­see-Zeitung prüft aus­gerech­net die Com­pli­ance-Beauf­tragte Vorgänge, die ihren unmit­tel­baren Vorge­set­zten betr­e­f­fen. Die Stadt sieht darin keinen Wider­spruch.
  • Der Ver­band hat seine Unter­la­gen zusät­zlich an das Bun­de­samt für Jus­tiz über­mit­telt und fordert mehr Trans­parenz sowie unab­hängige Com­pli­ance-Ver­fahren bei kom­mu­nalen Entschei­dun­gen.

 

Die von der Lan­deshaupt­stadt ein­geleit­ete Com­pli­ance-Prü­fung zur umstrit­te­nen Beset­zung der Werkleitung des Zen­tralen Gebäude­m­an­age­ments (ZGM) reicht dem Bund der Steuerzahler Ham­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern nicht aus. Der Ver­band sieht einen möglichen Inter­essenkon­flikt bei der Aus­gestal­tung des Ver­fahrens und fordert eine unab­hängige Unter­suchung.

„Wir begrüßen aus­drück­lich, dass unserem Com­pli­ance-Hin­weis nun nachge­gan­gen wird“, erk­lärt Lan­desvor­sitzen­der Sascha Mum­men­hoff. Dass der Ver­band die Ein­leitung des Ver­fahrens allerd­ings erst aus der Berichter­stat­tung der „Ost­see-Zeitung” erfahren habe, über­rasche ihn.

Kri­tisch bew­ertet der Ver­band vor allem, dass nach Infor­ma­tio­nen der „Ost­see-Zeitung” aus­gerech­net die Com­pli­ance-Beauf­tragte der Stadt die Vorgänge unter­suchen soll, die ihren unmit­tel­baren Vorge­set­zten betr­e­f­fen. Dem Bericht zufolge wurde Manuela Thor­mann mit der Prü­fung beauf­tragt. Sie ist zugle­ich Assis­tentin der Geschäfts­führung der Gesellschaft für Beteili­gungsver­wal­tung (GBV). Deren Geschäfts­führer Matthias Dankert war an dem Auswahlver­fahren für die ZGM-Werkleitung beteiligt und ist unmit­tel­bar­er Vorge­set­zter der Com­pli­ance-Beauf­tragten.

 


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„Wenn aus­gerech­net eine Mitar­bei­t­erin Vorgänge prüfen soll, die ihren unmit­tel­baren Vorge­set­zten betr­e­f­fen, entste­ht zumin­d­est der Ein­druck eines Inter­essenkon­flik­ts“, so Mum­men­hoff. Es gehe aus­drück­lich nicht um die Integrität der han­del­nden Per­son. Entschei­dend sei vielmehr, dass Com­pli­ance-Prü­fun­gen jeden Zweifel an ihrer Unab­hängigkeit auss­chließen müssten. Ger­ade in einem Fall, der bere­its öffentlich disku­tiert werde und das Ver­trauen in kom­mu­nale Entschei­dun­gen berühre, wären größt­mögliche Trans­parenz und eine unab­hängige Prü­fung der richtige Weg gewe­sen.

Prüfung erst nach offiziellem Hinweis eingeleitet

Wie die „Ost­see-Zeitung” berichtet, leit­ete die Lan­deshaupt­stadt die Com­pli­ance-Prü­fung erst ein, nach­dem der Bund der Steuerzahler Ende Juni einen offiziellen Com­pli­ance-Hin­weis ein­gere­icht hat­te. Nach Angaben der Stadt, über die die Zeitung berichtete, seien zuvor „com­pli­ance-rel­e­vante Sachver­halte wed­er ersichtlich noch bekan­nt“ gewe­sen. Mehrere Medi­en­berichte und poli­tis­che Anfra­gen allein hät­ten zunächst keine interne Unter­suchung aus­gelöst.

Aus­gangspunkt der Debat­te ist die Beset­zung der Werkleitung des Zen­tralen Gebäude­m­an­age­ments. Nach Recherchen der Ost­see-Zeitung war die Stelle auss­chließlich ver­wal­tungsin­tern aus­geschrieben wor­den. Von zwei Bewer­bun­gen erfüllte dem­nach nur eine die for­malen Voraus­set­zun­gen. Anschließend wurde eine Per­son­al­ber­atungs­fir­ma aus Königs Wuster­hausen mit ein­er Kom­pe­ten­z­di­ag­nos­tik der verbliebe­nen Bewer­berin beauf­tragt.

Die Zeitung berichtete zudem über gesellschaft­srechtliche Verbindun­gen zwis­chen der Per­son­al­ber­atung und einem Schw­er­iner Unternehmer, dessen Unternehmen seit Jahren Aufträge kom­mu­naler Betriebe erhal­ten. Kri­tik­er sehen darin einen möglichen Inter­essenkon­flikt und fordern Aufk­lärung. Die Stadt sieht nach Angaben der Ost­see-Zeitung hinge­gen keine com­pli­ance-rel­e­van­ten Prob­leme und ver­weist darauf, dass die Com­pli­ance-Beauf­tragte „stets unab­hängig und weisungs­frei“ arbeite.

Unterlagen auch an Bundesamt für Justiz

Nach Angaben des Bun­des der Steuerzahler wur­den die Unter­la­gen inzwis­chen nicht nur an die Lan­deshaupt­stadt Schw­erin, son­dern zusät­zlich auch an das Bun­de­samt für Jus­tiz über­mit­telt. Dort werde geprüft, ob weit­er­er Hand­lungs­be­darf beste­ht.

„Um eine unab­hängige Bew­er­tung sicherzustellen, haben wir unsere Unter­la­gen nicht nur der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin, son­dern zusät­zlich auch dem Bun­de­samt für Jus­tiz über­mit­telt“, erk­lärt Mum­men­hoff. Bürg­erin­nen und Bürg­er kön­nten bei möglichen Missstän­den die beste­hen­den Hin­weis­ge­ber­sys­teme nutzen. Diese seien ein wichtiges Instru­ment, um Trans­parenz, Integrität und das Ver­trauen in staatlich­es Han­deln zu stärken.

Wie die Ost­see-Zeitung weit­er berichtet, machte die Stadt bis­lang keine Angaben dazu, nach welchen Kri­te­rien die Com­pli­ance-Prü­fung erfol­gt, wie sie doku­men­tiert wird oder ob ihre Ergeb­nisse veröf­fentlicht wer­den. Weit­ere Auskün­fte zum laufend­en Ver­fahren wur­den dem­nach nicht erteilt.