Zukunft der Pflege im Blickpunkt des Ersatzkassenforums 2022

Das Thema Pflege steht in Deutschland ganz oben auf der Agenda. Die zuletzt massiv gestiegenen Eigenanteile, das Ringen um Fachkräfte und eine finanziell nicht ausreichend ausgestattete Pflegeversicherung bestimmen die Debatte.

Foto: (c) VDEK

Für die vielfach strukturellen Probleme gilt es, neue Antworten zu finden. Mit dem diesjährigen Ersatzkassenforum schlug die Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek) am letzten Mittwoch in Schwerin genau diesen Weg ein. Die Versorgungsforschung, die auch Potenziale der technischen Entwicklung berücksichtigt, stand im Fokus der Veranstaltung .

In Zukunft werde es, so Kirsten Jüttner, Chefin der Landesvertretung des vdek, vor allem darum gehen „neue und nachhaltig wirksame Konzepte zu entwickeln“, wolle man die pflegerische Versorgung sicherstellen. „Strukturen werden sich verändern müssen, um zukünftig an den Bedarfen orientiert Unterstützung und Betreuung gewährleisten zu können. Das gilt insbesondere für den sinnvollen Einsatz knapper Personalressourcen“.

Pflegesystem muss zukunftsfest gestaltet werden

Der demografische Wandel stelle speziell das Pflegesystem vor große Herausforderungen, so Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese in einem Video-Grußwort. „Es ist aus meiner Sicht unerlässlich darüber zu reden, wie wir das Pflegesystem zukunftsfest gestalten können.“

In diesem Sinne forderte Oliver Blatt, Abteilungsleiter Gesundheit aus der vdek-Verbandszentrale in Berlin, zwingend ein nachhaltiges Finanzkonzept, das auch Antworten auf die zunehmende finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen gibt. Hier sei die Politik gefragt, zeitnah Lösungen zu finden. Die Absicherung der Pflegebedürftigkeit bleibe, so Blatt, „eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“.

Versorgungsforschung bietet Ansätze für neue Wege

Dass die Wissenschaft dabei durchaus über tradierte Konzepte und Strukturdebatten hinausblickt, verdeutlichte Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen. „Technik, Digitalisierung und Pflege gehören im Versorgungsalltag bereits vielfach untrennbar zusammen und werden künftig noch an Bedeutung gewinnen. Aber auch beim Einsatz von Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) muss der Mensch weiter im Mittelpunkt stehen“. Soziale Kompetenz kann durch KI nicht ersetzt werden.

Eine Sichtweise, die auch Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine an der Universitätsmedizin Greifswald vertritt. Beispielsweise müsse es zu einer verstärkten „kooperativen Arbeitsteilung zwischen den beteiligten medizinischen Berufsgruppen“ kommen. Hierzu gehörte auch die notwendige Weiterentwicklung der Ausbildung und passgenaue Curricula für zusätzliche Qualifikationen. Zudem unterstrich Prof. Hoffmann die Notwendigkeit, innovativen Ansätzen und Projekten mehr Raum zu geben.

Pflegebedürftige und Pflegende in den Mittelpunkt stellen

Das Resümee der Veranstaltung: Wissenschaft kann und wird einen wesentlichen Beitrag leisten, die Pflege der Zukunft nachhaltig neu aufzustellen. Das aber befreit niemanden von der Pflicht, sich aktiv im Interesse der Pflegebedürftigen und der Pflegenden an diesem Prozess zu beteiligen.

 

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