Zwischen zwei Kulturen leben ist nicht einfach

Wenn Zehra Dönmez im Caféhaus DAR aus der „Märchenküche“ von Nesrin Kızmar in türkischer Sprache vorliest, dann werden die Gäste mehr als nur ein, zwei Märchen hören.

Zehra Dönmez (re.) liest am kommenden Samstag im Cafe DAR Foto: privat

Zehra Dönmez ist in Hattingen, Nordrhein-Westfalen geboren. Dort hat sie auch ihr Abitur gemacht und ist dann zum Studium an die Technische Universität Dortmund gegangen. Nach dem Studium hat die Maschinenbauingenieurin für zwei Jahre in die Türkei gelebt und für Flammaerotec in Tekirdağ gearbeitet. Natürlich spricht sie Deutsch und Türkisch.

„Ich liebe die Türkei genauso sehr wie Deutschland“

Hier ist sie für manche „Türkin“, in Tekirdağ für manche „Deutsche“. Und irgendwie ist sie beides. Sie kennt das Thema #me two nur zu gut. „Ich liebe die Türkei genauso sehr wie Deutschland. Das ist und bleibt mein Vaterland und mein Geburtsland. Es gibt jede Art von Menschen, gute wie schlechte – in jedem Land. Es sind doch viel tolle Menschen nach Deutschland gekommen. Leute, die sich anpassen, sich weiterbilden und integrieren. Diese Menschen werden einfach nicht genug wahrgenommen und von der Gesellschaft geschätzt. Diese Menschen müssten mehr in den Vordergrund, um gegen die Vorurteile anderer anzutreten. Es beruht alles auf Gegenseitigkeit. Fakt ist, mein Leben und meine Erfahrungen führen dazu das ich in zwei geteilt bin,“ so die 30jährige, die seit 2015 in Schwerin zuhause ist und hier für den Schweriner Ableger des großen Zulieferers von Airbus arbeitet.

10 Sprachen – 10 Bücher – 10 Orte lautet auch in diesem Jahr das Motto eines „Märchentages“ in Schwerin. Tatsächlich sind es 15 Schweriner und Schwerinerinnen aus 14 Nationen, die aus 13 Büchern an 13 Orten spannende Märchen und tolle Geschichten in 14 Sprachen vorlesen werden. Dazu kommen Schweriner und Schwerinerinnen , die die Texte auch auf Deutsch vortragen werden.

 

Mit Lesen und Literatur Internationalität vermitteln

 

Schwerin ist international. Menschen aus rund 100 Nationen leben in unserer Stadt. Nicht ganz so viele Sprachen werden gesprochen. Mit Menschen verschiedener Sprachen und Kulturen leben, ist ein wechselseitiger Prozess. Aufeinander zugehen, sich gegenseitig kennenlernen, Vertrauen schaffen. Mit Lesen und Literatur kann das gelingen. Sie vermitteln Informationen, Werte, Denkweisen und Sprache und Spaß.

Zehra Dönmez wird vorlesen und über die Türkei erzählen. Und damit die Eindrücke gut in Erinnerung bleiben, gibt es auch etwas zum Naschen. Den Kaffee dazu kocht Faisal Abdelaziz Aljarf. Der Apotheker aus Syrien betreibt in der Pfaffenstraße 8 das Caféhaus DAR. Er kam auch 2015 nach Schwerin. Auf der Flucht aus Syrien. Seine Tochter Kristin wird die Geschichten aus der „Märchenküche“ auf Deutsch vortragen.

An jedem der Vorlese-Orte wird eine andere Sprache gelesen. Ungarisch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Litauisch, Lettisch, Slowenisch, Tigrinya, Dari, Schwedisch, Russisch, Polnisch, Französisch, Ukrainisch und Plattdeutsch stehen am 22. September auf dem Programm.

„Beim Tanz der Kulturen am 30. April 2018 war ich mit Arbeitskollegen aus der Türkei. Wir waren alle begeistert von der Vielfalt in Schwerin. Darum beteilige ich mich auch gerne an diesem Lesenprojekt. Ich bin der Meinung, je mehr unterschiedliche Kulturen in einer Gesellschaft leben, desto abwechslungsreicher wird das Land. Sprich, man muss den Leuten auch eine faire Chance geben, nicht nur die Chance, sondern auch Zeit und Raum um anzukommen. Dann klappt das auch. Zwischen zwei Kulturen zu leben ist zwar nicht einfach, aber das, was ich mir von anderen Menschen erhoffe und wünsche, hab ich ja schon im Blut“, sagt Dönmez und lacht.

Das aktuelle Programm von LESEN INTERNATIONAL gibt es hier: www.10-10-10.de

Carl Otte

Carl Otte ist freier Mitarbeiter der Digitalzeitung Schwerin-Lokal.de

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