Aus Schwerin ins Amt der Staatsministerin in Berlin

Ihr ganzes Leben ist von Politik geprägt, meint Reem Alabali-Radovan. Ihre Eltern waren im Irak politisch verfolgt, gingen in die Sowjetunion und landeten Mitte der 90er Jahre in Mecklenburg-Vorpommern. Den Krieg im Irak 2002 verfolgt sie als Jugendliche aus dem fernen Schwerin und ist doch nah dran.

Reem Alabali-Radovan | Foto: Integrationsbeauftragte / Grosse

Alabali-Radovan verfolgt die Idee beruflich zu den Vereinten Nationen (UN) zu gehen und hofft, dort einen Beitrag für eine besser Welt leisten zu können. Als Studentin nimmt sie die Gelegenheit wahr und geht nach New York in das Hauptquartier der UN. Sie stellt fest, dass hier wichtige Arbeit geleistet wird. Und sie stellt auch fest, dass die politischen Entscheidungen woanders getroffen werden.

Als Integrationsbeauftrage des Landes Mecklenburg-Vorpommerns kaum Entfaltungsmöglichkeiten

Sie entscheidet sich für einen anderen Weg. Dieser führt sie 2015 nach Nostorf-Horst in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge Hierher kommt sie bereits zum zweiten Mal. Das erste Mal kam sie mit ihren Eltern als „Flüchtlingskind“.  Dieses Mal ist sie nach dem Studium Mitarbeiterin der Landesverwaltung. Am ersten Arbeitstag begegnet sie vielen Erinnerungen an ihren ersten Aufenthalt dort. – Doch dann geht es vor Ort an die Arbeit. Und davon gab es damals reichlich.

Später, als Integrationsbeauftrage des Landes Mecklenburg-Vorpommerns, wirkt Alabali-Radovan bereits stärker im politischen Raum. Doch so richtig entfalten kann sie sich in der Funktion nicht.

Eine Reihe von Ereignissen bringen Alabali-Radavan im Laufe der Zeit zu der Überzeugung, dass sie sich auch parteipolitisch engagieren und dass sie Flagge zeigen möchte. Es sind die Anschläge wie die in Halle und in Hanau, der Mord an Walter Lübcke, die Enthüllungen zum NSU und zum Nordkreuz-Komplex, die Radikalisierung im rechten Spektrum und anderes, die sie sehr bewegen. Sie fragt sich, wie so etwas in Deutschland überhaupt möglich ist.

Sie ist überzeugt, dass es strukturellen Dinge sind, die in den Blick genommen werden müssen. Hier sieht sie Versäumnisse und hier will sie mitwirken.

Als Newcomerin im Bundestag gleich Staatsministerin

Sie wird Mitglied der SPD. Sie kandidiert 2021 für den Bundestag und nimmt dem Herausforderer von der CDU erfolgreich den Wahlkreis ab. Seit einem guten halben Jahr ist sie nun Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie seit Februar 2022 auch die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus. – Ein Aufgabengebiet mit vielen Herausforderungen.

Über ihren Weg in die Politik, warum sie sich für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands entschieden hat und was sie sich für die nächste Zeit vorgenommen hat, berichtet Reem Alabali-Radovan im Podcast „Man müsste mal …“

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