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Corona in Schwerin & MV: Durchatmen im Land auf viel zu hohem Niveau

Gestern vor ein­er Woche meldete das LAGuS MV für das gesamte Bun­des­land den höch­sten Wert an Neuin­fek­tio­nen bin­nen eines Tages seit dem 12. Jan­u­ar 2021. Gle­ichzeit­ig bedeuteten die 395 neuen

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  • Veröffentlicht März 31, 2021
Die Coro­n­azahlen für Schw­erin und ganz MV vom 30. März 2021. | Abbil­dung: LAGuS MV

Gestern vor ein­er Woche meldete das LAGuS MV für das gesamte Bun­des­land den höch­sten Wert an Neuin­fek­tio­nen bin­nen eines Tages seit dem 12. Jan­u­ar 2021. Gle­ichzeit­ig bedeuteten die 395 neuen Fälle ein Plus von 57 Prozent gegenüber der Vor­woche. Ein echter Pauken­schlag. Allerd­ings war zu diesem Zeit­punkt die dritte Welle in MV bere­its seit eini­gen Tagen am vollen Durch­schla­gen. Bere­its seit eini­gen Tagen stiegen die täglichen Neuin­fek­tion­szahlen im Vor­wochen­ver­gle­ich um meist min­destens 25 Prozent. Sei­ther kan­nte die Entwick­lung nur eine Rich­tung: Klar nach oben. Am Don­ner­stag ver­gan­gener Woche dann der näch­ste Schock­er: 104 Prozent mehr Neuin­fek­tio­nen bin­nen eines Tages im Vor­wochen­ver­gle­ich. Gestern nun ermöglicht­en die LAGuS-Zahlen ein Dur­chat­men auf viel zu hohem Niveau. Mit 382 neuen Fällen ging deren Anzahl sog­ar leicht zurück.

 

Neuinfektionen sanken landesweit leicht auf 383

Im Ver­gle­ich zu Mon­tag sank auch die 7‑Tage-Inzi­denz für das Land um 3,3 auf nun 102,6. Blickt man aber nur 14 Tage zurück, ist die kri­tis­che Sit­u­a­tion schnell erkennbar. Da näm­lich betrug die 7‑Tage-Inzi­denz für Meck­len­burg-Vor­pom­mern noch 64,3. Den­noch: Zumin­d­est set­ze sich der zwis­chen­zeitlich expo­nen­tielle Anstieg gestern nicht fort. Bess­er war es auch, denn die drei weit­eren Land­kreise, in denen neben Lud­wigslust-Parchim über mehrere Tage in Folge die kom­plett abgeschwächte „Not­bremse MV” hätte gel­ten müssen – Nord­west­meck­len­burg, Meck­len­bur­gis­che Seen­plat­te und Vor­pom­mern-Greif­swald – verzichteten darauf, diese zu ziehen.

Auf Anfrage unser­er Redak­tion, weshalb dem so sei, reagierte vor­sicht­shal­ber nur Nord­west­meck­len­burg. Von dort kam die Infor­ma­tion, es läge kein dif­fus­es Infek­tion­s­geschehen vor. Man könne noch die Infek­tions­ket­ten nachvol­lziehen, daher gelte die mit der Not­bremse einzig ver­bun­dene Maß­nahme – eine Aus­gangs­beschränkung über Nacht – nicht. Mit der Frage, ob das Infek­tion­s­geschehen lokal ein­grenzbar sei, habe dies nichts zu tun. Die Lan­desverord­nung liest sich da etwas anders. Wir bleiben an dieser Frage dran. 

 

Drei Landkreise zogen nicht die ohnehin zahnlose Notbremse 

Die Meck­len­bur­gis­che Seen­plat­te hat­te dabei ver­mut­lich auch etwas höher gepok­ert. Nun mag man sich als Gewin­ner sehen. Denn gestern sank die Inzi­denz dort wieder unter die 100er-Marke (98,4). Allerd­ings dürfte auch dort eigentlich die Not­bremse mit ihrer einen Maß­nahme, der nächtlichen Aus­gangs­beschränkung, erforder­lich gewe­sen sein. Danach hätte diese so lange gel­ten müssen, bis der 100er-Wert min­destens zehn aufeinan­der fol­gende Tage unter­schrit­ten wor­den wäre. Das Ver­hal­ten des Land­kreis­es bleibt also – vor allem, da man bis gestern Abend auf unsere Anfrage hin nicht reagierte – unklar. 

 

Auch Rostock nun vierten Tag in Folge Risikogebiet

Wenig erfreut dürfte in diesen Tagen zudem der Ober­bürg­er­meis­ter der Hans­es­tadt Ros­tock auf die Entwick­lung in sein­er Stadt blick­en. Nach­dem man ihn zulet­zt in mehr Talk­shows sehen kon­nte, als die an sich sehr TV-affine Min­is­ter­präsi­dentin Schwe­sig, stiegen die Zahlen in der Hans­es­tadt auch gestern – gegen den Lan­destrend. Mit einem Plus von 7,2 gegenüber dem Vortag stieg die 7 Tage-Inzi­denz auf nun 64,1. Damit ist Ros­tock nun nach­haltig Risiko­ge­bi­et und es dürfte, das zeigt ein Blick in die Lan­desverord­nung, das Ende manch­er Frei­heit­en dro­hen. Aber die drei Land­kreise, die zulet­zt über den Inzi­den­zw­ert von 100 gestiegen waren, zeigen ja, dass so manch­es auf dem Papi­er ste­hen kann aber nicht zwangsläu­fig den Weg in die Real­ität find­et. Es dürfte also span­nend wer­den, wie es in Ros­tock weit­erge­ht.

 

Gegen den Trend: Anstieg in Schwerin

Eben­falls gegen den Lan­destrend, der zumin­d­est das Dur­chat­men ermöglicht, entwick­elte sich gestern plöt­zlich die Lan­deshaupt­stadt Schw­erin. Obwohl das nicht ganz kor­rekt ist. Als ob man sich in ein­er Art Par­al­lelu­ni­ver­sum befind­et, stag­nierten und sanken die Zahlen in der Lan­deshaupt­stadt, als die dritte Welle das Land über mehrere Tage in eine mas­siv wach­sende Dynamik brachte. Nun, da die Sit­u­a­tion im Land wenig­stens zwis­chen­zeitlich stag­niert, steigen die Zahlen in Schw­erin. So erhöhte sich der Inzi­den­zw­ert um 11,5 auf nun wieder 81,5 Fälle je 100.000 Ein­wohn­er bin­nen 7 Tagen. Mit 27 Neuin­fek­tio­nen lag dieser Wert mit 5 Fällen über dem der Vor­woche. Ein wenig irri­tierend allerd­ings wirk­te eine unter­schiedliche Angabe des Inzi­den­zw­ertes. Während das LAGuS die dargestell­ten 81,5 auswies, sprach die Stadt Schw­erin von 77,4. Lei­der kon­nten wir gestern Abend die Ursache dieser erneuten Dif­ferenz in den Zahlen nicht mehr her­aus­find­en. 

 

Kritisch: 22 von 27 neuen Fällen über Hausarztpraxen – Abschlussklasse in Quarantäne

Allein der Anstieg wäre sicher­lich noch im Bere­ich der zulet­zt häu­figer aufge­trete­nen Schwankun­gen. Sehr genau hin­schauen allerd­ings muss man in Schw­erin ab heute den­noch. Denn stolze 22 der 27 gestri­gen Fälle wur­den über Hausarzt­prax­en gemeldet. Ein doch sehr hoher Wert. Bleibt zu hof­fen, dass er allein auf das Woch­enende zurück­zuführen ist. Andern­falls bestünde die Gefahr eines sich doch dif­fus entwick­el­nden und dann in der Regel schwierig nachzu­ver­fol­gen­den Infek­tion­s­geschehens.

Die Prob­lematik der Sit­u­a­tion wurde dabei bere­its gestern deut­lich. Während das Gesund­heit­samt Schw­erin – das seit Monat­en eine ohne Frage große Leis­tung erbringt – zulet­zt in der Regel sehr schnell und tag­gle­ich die Kon­tak­tver­fol­gun­gen real­isieren kon­nte, dauerte diese gestern „in vie­len Fällen noch an”, wie die Press­es­telle der Stadt informierte. Klar ist bere­its, dass eine Abschlussklasse der Erich-Wein­ert-Schule in Quar­an­täne muss, nach­dem ein Schüler pos­i­tiv getestet wurde. Bleibt zu hof­fen, dass er nicht auch bei den Abschlussfeiern­den am Ziegelsee oder am Lankow­er See dabei war, die die Polizei am Woch­enende auflösen musste. Andern­falls dürften noch so manche Abschlussklassen böse Über­raschun­gen so kurz vor den Prü­fun­gen erwarten.