Fehleinschätzung: Sanierungskosten zweitältester Stadtbrücke übersteigen wohl eine Millionen Euro

Schwerin 03.02.2016 (stm). Die Brücke an der Schleifmühle entwickelt sich zu einem weiteren unerwarteten  Kostenfaktor für die Landeshauptstadt Schwerin. Schuld daran sind falsche Einschätzungen zur Bauweise der zweitältesten Brücke Schwerins. 

Schleifmühlenbrücke

 

Von Stephan Martini

 

Auf der gestrigen Sitzung des Hauptausschuss war es Thema: Eine überplanmäßige Auszahlung in Höhe von mindestens 181.000 € für eine Brückensanierung in Schlossnähe, also  im im Weltkulturerbe-Areal, direkt an der Schleifmühle. Dadurch werden die Kosten von geplanten 720.000 wohl auf über eine Millionen Euro ansteigen.

 

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Notwendige Sanierung

 

Im vergangenem Jahr wurde begonnen die Straße zur Brücke am Faulen See umfassend zu sanieren. Die Baumaßnahme war aufgrund des desolaten Zustandes als wichtig erachtet worden und wurde entsprechend geplant und genehmigt. Nun kommen  nicht eingeplante Kosten auf die Stadt zu.

 

Ziel: Zweispuriger Verkehr auf Paulshöhe

 

Ziel der Sanierung war es, durch eine auf betonierte Stahlbetonplatte die Standsicherheit und Verkehrssicherheit wieder herzustellen und den Verkehr zweispurig über die Brücke zu führen. In den vergangenen Jahren verlief hier der Verkehr von und in Richtung Sportplatz Paulshöhe, der einem Baugebiet weichen soll, ausschließlich einspurig. Die Stahlbetonplatte sollte sich auf die vorhandenen Feldsteinwiderlager abstützen, die im sichtbaren und somit beurteilbaren Bereich aus behauenen und gut verlegten Granitsteinen bestehen.

 

Unerwartete Bauweise, unerwartete Kosten

 

In dem Antrag, der die ungeplanten  Mehrausgaben begründet, heißt es:

„Im Zuge der Bauarbeiten an der neuen Fußgängerbrücke traten jedoch massive, über die gesamte Länge verlaufende Risse in der alten Brücke auf, die zur sofortigen Vollsperrung für den Fahrzeugverkehr führten. Überprüfungen ergaben, dass ein Teil der vorhandenen Gründung versagt hat, da sowohl Setzungen als auch horizontale Verschiebungen festgestellt wurden. Um dieses Versagen zu ergründen, wurden die Widerlager bis zur Gründungsunterkante (ca. 3m unter Fahrbahn) freigelegt. Diese Freilegung war erst jetzt möglich, da sie die Umverlegung aller Kabel und Leitungen und die Einstellung des Fahrzeugverkehrs über das Bauwerk voraussetzt. Hierbei wurde festgestellt, dass die vorhandenen Widerlager erheblich schmaler als angenommen sind und auch nicht aus behauenen Steinen, wie an der Sichtseite, sondern aus lose verlegten, unbearbeiteten Feldsteinen bestehen und nur in geringem Umfang eine Verfugung aus Zementmörtel enthalten. Da keine Bestandsunterlagen vorhanden sind, wurde die damals (1867) übliche Bauweise der Planung zu Grunde gelegt.“

Diese Einschätzung hat sich nun zu einer 180.000 Euro Fehleinschätzung entwickelt.

Der Hauptausschuss musste sich nun zwischen drei Bauvarianten entscheiden

Variante 1: entfallende Leistungen aus bestehendem Bauvertrag: 0 € zusätzliche Leistungen: ca. 220.000 € Mehrkosten gegenüber dem Bauvertrag: ca. 220.000 €

Variante 2: entfallende Leistungen aus bestehendem Bauvertrag: ca. 10.000 € zusätzliche Leistungen: ca. 230.000 € Mehrkosten gegenüber dem Bauvertrag: ca. 220.000 €

Variante 3: entfallende Leistungen aus bestehendem Bauvertrag: ca. 70.000 € zusätzliche Leistungen: ca. 290.000 € Mehrkosten gegenüber dem Bauvertrag: ca. 220.000 €

Insgesamt kommt demnach auch unter Betrachtung der wirtschaftlichen Belange aus Sicht der Fachverwaltung nur die Variante 3 in Betracht.

Mit dem Bau an der Brücke kann nun nach dem Beschluss des Hauptausschuss begonnen werden.

 

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