Do, 11. Dezember 2025
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Armut in Schwerin – Hilfe der Schweriner Tafel vermehrt nachgefragt

Die Schw­er­iner Tafel e. V. ist untrennbar mit ihrem Vor­sitzen­den Peter Grosch ver­bun­den. Schon vor der Grün­dung der Tafel vor fast 26 Jahren unter­stützte der gläu­bige Christ in der Suchtkranken­hil­fe

  • Veröffentlicht Mai 31, 2021
Seit fast 30 Jahren nach­haltiges soziales Engage­ment in Schw­erin: Peter Grosch Vor­sitzen­der der Schw­er­iner Tafel e. V. | Foto: schw­erin-lokal /Peter Scher­rer

Die Schw­er­iner Tafel e. V. ist untrennbar mit ihrem Vor­sitzen­den Peter Grosch ver­bun­den. Schon vor der Grün­dung der Tafel vor fast 26 Jahren unter­stützte der gläu­bige Christ in der Suchtkranken­hil­fe bedürftige Men­schen in der Lan­deshaupt­stadt. Ein Schlüs­sel­er­leb­nis, die Begeg­nung mit einem alko­holkranken Mann, der in Wen­dezeit­en seine Arbeit ver­loren hat­te, motivierte Grosch zu seinem bis heute andauern­den Engage­ment für die Tafel. Für den Vere­insvor­sitzen­den ist die Arbeit für die Frei­willi­gen Organ­i­sa­tion mehr als „nur“ die Organ­i­sa­tion von Lebens­mit­telverteilung. Es ihm geht auch immer darum, Men­schen in sozialen, emo­tionalen Not­la­gen sinns­tif­tend und motivierend zu helfen.

 

Gegen das Leiden von Kindern zu wirken, ist eine moralische Pflicht

Beson­ders bedrück­end empfind­et es Grosch, wenn Kinder von Armut betrof­fen sind. „Ich kann Kinder nicht lei­den sehen. Damit man die Bilder von hungern­den Kinder aushal­ten kann, muss man hier etwas tun“, begrün­det Peter Grosch seine Moti­va­tion. Für ihn ist es schlicht eine moralis­che Pflicht, sich ins­beson­dere für Kinder einzuset­zen. Darum ist es ein wichtiger Beitrag, dass ger­ade bei allein­erziehen­den Müt­tern die Lebens­mit­tel­spenden für Ent­las­tung in der knap­pen Haushalt­skasse sor­gen. In der Kindertafel wer­den ca. 60 Mit­tagessen an die Nachkom­men aus einkom­menss­chwachen Fam­i­lien aus­gegeben. Auch Alter­sar­mut ist ein wei­thin bekan­nter Miss­stand.  Bei zu vie­len alten Men­schen reicht die Rente nicht ein­mal, um sich das beschei­dene Vergnü­gen leis­ten kön­nen, die Enkelkinder in den Zoo und zu einem Eis einzu­laden, so Grosch. „Und wenn wir da helfen kön­nen, dann bin ich ja froh“, so der Leit­er der Tafel-Organ­i­sa­tion.

 

Die Lebensmittelverschwendung muss wirksam gestoppt werden

Für Schw­erin-Lokal führte Peter Scher­rer in der Rei­he der „Schw­er­iner Som­merge­spräche“ in den Räu­men der Tafel e. V. am Dreesch­er Markt ein aus­führlich­es Gespräch mit Peter Grosch. Der Tafelvor­sitzende gibt einen Ein­blick in seine und die Arbeit der vie­len engagierten Frei­willi­gen, die das Wirken der Tafel erfol­gre­ich machen. Klar und deut­lich schildert er, was er im Umgang mit Lebens­mit­teln von der Poli­tik erwartet und was er von einem reichen Land für arme Men­schen erwartet.

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Mehr Infor­ma­tio­nen

Im „Schw­er­iner Som­merge­spräch”: Peter Grosch

Wie in ganz Deutsch­land, so haben auch in Schw­erin und Umge­bung die Tafeln in den let­zten Monat­en spür­bar mehr Zulauf. In zehn Aus­gabestellen in Schw­erin, Gade­busch, Rehna, Lud­wigslust, Lübtheen, Boizen­burg, Crivitz, Banzkow, Hagenow und Wit­ten­burg organ­isieren Mitar­bei­t­ende die Verteilung der gespende­ten Lebens­mit­tel. Damit wer­den in der Region jede Woche 3.500 Men­schen unter­stützt.

Lebens­mit­tel kön­nen bei der Petrusge­meinde im Mueßer Holz und im Sozialka­ufhaus in Lankow abge­holt wer­den. In der Lan­deshaupt­stadt betreibt die Tafel e.V. Sup­penküchen im Sozialka­ufhaus in Lankow und in der Fer­di­nand-Schultz-Straße. Die Kindertafel befind­et sich seit einiger Zeit in der Hegel­straße. Eine weit­ere Sup­penküche der Tafel, die Früh­stück und Mit­tagessen anbi­eten soll, ist für den Herb­st geplant.

 

Corona-Pandemie hat die Zahl der Bedürftigen wachsen lassen

Im Ver­gle­ich zu Zeit­en vor der Pan­demie wer­den verteilt Die Tafel heute gut 30 % mehr Lebens­mit­tel. Ver­mehrt sind auch Men­schen auf die Spenden angewiesen, die in prekären Beschäf­ti­gungsver­hält­nis­sen arbeit­en oder ihre finanzielle Sit­u­a­tion vor der Pan­demie noch als Mini­job­ber auf­bessern kon­nten. Auch die Zahl der Tafel-Gäste, bei denen das Kurzarbeit­ergeld nicht reicht oder die von Alter­sar­mut betrof­fen sind, hat sich deut­lich erhöht. Gab es im Deutsch­land von 1995 lediglich in großen Städten wie Berlin und Ham­burg eine Hand­voll der Frei­willi­gen-Organ­i­sa­tio­nen, so ist ihre Anzahl nun auf nahezu 1.000 angewach­sen.

Wer sich über die Arbeit der Schw­er­iner Tafeln aktuell informieren möchte, kann dies auf der Web­site unter https://www.schweriner-tafel.de tun.

  • Peter Scherrer

    geb. 1959, gel­ern­ter Met­all­fachar­beit­er und grad. His­torik­er, arbeit­ete für Gew­erkschaften und poli­tis­che Stiftun­gen in Europa u.a. 2015–2019 als stel­lvertre­tender Gen­er­alsekretär beim Europäis­chen Gew­erkschafts­bund (EGB), in Brüs­sel. Schw­er­punk­te: Indus­trie- und Sozialpoli­tik sowie Lokalgeschichte und Kul­turelles. Wohnt seit 2017 in Schw­erin.

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