Armut in Schwerin – Hilfe der Schweriner Tafel vermehrt nachgefragt

Man sieht sie häufig nicht, es gibt sie aber zunehmend: Armut in einem reichen Land, in einer reichen Stadt. Die Schweriner Tafel e. V. tut was sie kann. Mit deren Leiter, Peter Grosch, kam schwerin-lokal-Redakteur Peter Scherrer im Rahmen der "Schweriner Sommergespräche 2021" zusammen.

Seit fast 30 Jahren nachhaltiges soziales Engagement in Schwerin: Peter Grosch Vorsitzender der Schweriner Tafel e. V. | Foto: schwerin-lokal /Peter Scherrer

Die Schweriner Tafel e. V. ist untrennbar mit ihrem Vorsitzenden Peter Grosch verbunden. Schon vor der Gründung der Tafel vor fast 26 Jahren unterstützte der gläubige Christ in der Suchtkrankenhilfe bedürftige Menschen in der Landeshauptstadt. Ein Schlüsselerlebnis, die Begegnung mit einem alkoholkranken Mann, der in Wendezeiten seine Arbeit verloren hatte, motivierte Grosch zu seinem bis heute andauernden Engagement für die Tafel. Für den Vereinsvorsitzenden ist die Arbeit für die Freiwilligen Organisation mehr als „nur“ die Organisation von Lebensmittelverteilung. Es ihm geht auch immer darum, Menschen in sozialen, emotionalen Notlagen sinnstiftend und motivierend zu helfen.

 

Gegen das Leiden von Kindern zu wirken, ist eine moralische Pflicht

Besonders bedrückend empfindet es Grosch, wenn Kinder von Armut betroffen sind. „Ich kann Kinder nicht leiden sehen. Damit man die Bilder von hungernden Kinder aushalten kann, muss man hier etwas tun“, begründet Peter Grosch seine Motivation. Für ihn ist es schlicht eine moralische Pflicht, sich insbesondere für Kinder einzusetzen. Darum ist es ein wichtiger Beitrag, dass gerade bei alleinerziehenden Müttern die Lebensmittelspenden für Entlastung in der knappen Haushaltskasse sorgen. In der Kindertafel werden ca. 60 Mittagessen an die Nachkommen aus einkommensschwachen Familien ausgegeben. Auch Altersarmut ist ein weithin bekannter Missstand.  Bei zu vielen alten Menschen reicht die Rente nicht einmal, um sich das bescheidene Vergnügen leisten können, die Enkelkinder in den Zoo und zu einem Eis einzuladen, so Grosch. „Und wenn wir da helfen können, dann bin ich ja froh“, so der Leiter der Tafel-Organisation.

 

Die Lebensmittelverschwendung muss wirksam gestoppt werden

Für Schwerin-Lokal führte Peter Scherrer in der Reihe der „Schweriner Sommergespräche“ in den Räumen der Tafel e. V. am Dreescher Markt ein ausführliches Gespräch mit Peter Grosch. Der Tafelvorsitzende gibt einen Einblick in seine und die Arbeit der vielen engagierten Freiwilligen, die das Wirken der Tafel erfolgreich machen. Klar und deutlich schildert er, was er im Umgang mit Lebensmitteln von der Politik erwartet und was er von einem reichen Land für arme Menschen erwartet.

Im „Schweriner Sommergespräch“: Peter Grosch

Wie in ganz Deutschland, so haben auch in Schwerin und Umgebung die Tafeln in den letzten Monaten spürbar mehr Zulauf. In zehn Ausgabestellen in Schwerin, Gadebusch, Rehna, Ludwigslust, Lübtheen, Boizenburg, Crivitz, Banzkow, Hagenow und Wittenburg organisieren Mitarbeitende die Verteilung der gespendeten Lebensmittel. Damit werden in der Region jede Woche 3.500 Menschen unterstützt.

Lebensmittel können bei der Petrusgemeinde im Mueßer Holz und im Sozialkaufhaus in Lankow abgeholt werden. In der Landeshauptstadt betreibt die Tafel e.V. Suppenküchen im Sozialkaufhaus in Lankow und in der Ferdinand-Schultz-Straße. Die Kindertafel befindet sich seit einiger Zeit in der Hegelstraße. Eine weitere Suppenküche der Tafel, die Frühstück und Mittagessen anbieten soll, ist für den Herbst geplant.

 

Corona-Pandemie hat die Zahl der Bedürftigen wachsen lassen

Im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie werden verteilt Die Tafel heute gut 30 % mehr Lebensmittel. Vermehrt sind auch Menschen auf die Spenden angewiesen, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten oder ihre finanzielle Situation vor der Pandemie noch als Minijobber aufbessern konnten. Auch die Zahl der Tafel-Gäste, bei denen das Kurzarbeitergeld nicht reicht oder die von Altersarmut betroffen sind, hat sich deutlich erhöht. Gab es im Deutschland von 1995 lediglich in großen Städten wie Berlin und Hamburg eine Handvoll der Freiwilligen-Organisationen, so ist ihre Anzahl nun auf nahezu 1.000 angewachsen.

Wer sich über die Arbeit der Schweriner Tafeln aktuell informieren möchte, kann dies auf der Website unter https://www.schweriner-tafel.de tun.

geb. 1959, gelernter Metallfacharbeiter und grad. Historiker, arbeitete für Gewerkschaften und politische Stiftungen in Europa u.a. 2015-2019 als stellvertretender Generalsekretär beim Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB), in Brüssel. Schwerpunkte: Industrie- und Sozialpolitik sowie Lokalgeschichte und Kulturelles. Wohnt seit 2017 in Schwerin.

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