Impfhotline wieder geschaltet – Nur Durchkommen ist das Problem

Gerade erst - im durchaus erkennbaren Start der vierten Corona-Welle - hatte das Land MV die Impfzentren deutlich heruntergefahren und einige Wochen später auch noch die zentrale Impfhotline abgeschaltet. Jetzt, da die Zahl der Neuinfektionen nie gekannte Höhen erreicht und die Krankenhäuser deutschlandweit Alarm schlagen, kommt endlich die Kehrtwende. Seit Montag gibt es auch die Hotline wieder. Aber mit einem bekannten Problem: Die meisten kommen nicht durch.

 

Impfen – impfen – impfen. Die Devise auch für Schwerin. Denn die Infektionszahlen zeigen wieder steil nach oben. | Foto: Wilfried Pohnke

Viele, die am Freitag der vergangenen Woche in Schwerin an der Sport- und Kongresshalle vorbeifuhren oder -gingen, trauten vermutlich ihren Augen nicht. Ein echtes Verkehrschaos durch parkplatzsuchende Autos und eine schier endlose Schlange wartender Menschen. Nein, es war kein zusätzliches Roland-Kaiser-Konzert angesetzt, auf dessen Einlass die Menschen gewartet hätten. Es war vielmehr das Gegenteil. Also nicht ein ansteckungsgefährdendes Event, sondern eine große Zahl impfwilliger Menschen, die überwiegend auf eine Booster-Impfung hofften. Während viele nach langem Warten noch „zum Zuge“ kamen, traf die von Bund, Land und Kommunen schon gebetsmühlenartig geforderte Impfbereitschaft schnell auf durchaus bekannte und dem Zweck nicht dienliche, organisatorische Grenzen. Der Impfstoff war alle. Mit Ausnahme derer, die einen fest vereinbarten Termin für eine Zweitimpfung hatten, mussten alle anderen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die Tore blieben für sie schon deutlich vor der offiziellen Tagesschließung des Impfstützpunktes in Schwerin geschlossen. 

 

Aufruf zur Impfung – und dann fehlte es an Impfstoff

So manch einer der lange in der Warteschlange Ausharrenden aber wohl auch diejenigen, die extra gekommen waren, um ohne Pieks wieder gehen zu müssen, hätte sich garantiert einen im Vorfeld fest verbindlich vereinbarten Impftermin für diesen Tag gewünscht. Das aber war bis dato nicht möglich. Waren Ende September – als bereits absehbar war, dass dringend Kapazitäten für Booster-Impfungen, Zweitimpfungen und vor allem auch weitere Erstimpfungen benötigt werden – die Impfzentren im Land vorsorglich deutlich heruntergefahren worden, schloss das Land zusätzlich noch Ende Oktober auch die zentrale Impfhotline. Organisierte Terminvergaben waren damit mitten im deutlich erkennbaren Start der vierten Welle nicht mehr möglich.

Zur Ehrenrettung des Landes allerdings kann man noch heranziehen, dass in Mecklenburg-Vorpommern, anders als in den meisten anderen Bundesländern, die Impfzentren vorsorglich nicht gänzlich geschlossen, sondern deren Kapazität nur massiv heruntergefahren worden war. Letztlich bleibt aber die Folge: Schon wenige Wochen später fehl(t)en genau diese Kapazitäten, und auch eine organisierte Terminvergabe gab es nicht.

 

Vierte Welle startete erkennbar: Impfzentren heruntergefahren und Hotline abgeschaltet

Zumindest Letztere ist seit dem vergangenen Montag nun allerdings wieder geschaltet. Unter der Rufnummer 0385-20271115 ist wieder MV-weit die telefonische Terminvereinbarung für Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen möglich. Wenn, ja wenn – mancher dürfte ein Déjà-vu haben – man dann auch durchkommen würde. Denn schon Minuten nach dem Restart der Hotline war genau das faktisch nicht mehr möglich. Wurde man noch von einer netten Männerstimme begrüßt, konnte man durch Druck auf Taste „2“ eine konkrete Terminvereinbarung wählen. Dann bat eine weibliche Computerstimme darum, in der Leitung zu bleiben und etwas zu warten. Klar, das tut man gern, um den begehrten Termin zu bekommen. Anders als bei anderen Hotlines aber, die im nächsten Schritt über die ungefähre Wartezeit informieren, hörten unzählige Menschen schon Sekunden später die Information, derzeit seien alle Mitarbeitenden im Gespräch, man solle später wieder anrufen.

Damit endete der Versuch. Während ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Schwerin laut DIE ZEIT davon sprach, manch Anrufer sei erst nach etwa zehn Minuten durchgekommen, sah die Realität doch so aus, dass dies den meisten Anruferinnen und Anrufern gar nicht gelang. Selbst wiederholte Versuche scheiterten bei den meisten. Erneut passte die Kapazität der Impfhotline nicht zum Bedarf. Nach den Erfahrungen vorangegangener Monate hätte man diese Situation eventuell vermeiden können. 

 

Hotline seit Montag wieder geschaltet – Wieder kaum ein Durchkommen

Das Gesundheitsministerium MV appellierte nun laut DIE ZEIT speziell an die Jüngeren noch etwas mit dem Anruf zur Terminvereinbarung zu warten. Die etwa 150.000 über 70-jährigen im Land hätten gerade eine Empfehlung zur Auffrischungsimpfung erhalten. „Sie sollten dann möglichst auch rasch bei der Hotline durchkommen“, heißt es in DIE ZEIT. Es bleibt also abzuwarten, ob die Möglichkeit der telefonischen Terminvereinbarung erneut längerfristig mit dem Kapazitätsproblem zu kämpfen hat, oder ob das Land eventuell doch der erfreulich großen Impfbereitschaft aller Altersklassen Rechnung trägt, und Wege sucht (und findet), diesem Engpass entgegen zu wirken. Allerdings, auch dies sei nochmals erwähnt, besteht natürlich neben den Möglichkeiten der Impfung in den zentralen, derzeit wieder im Hochfahren begriffenen, Impfzentren auch die Impfangebote der Hausärzte zu nutzen. Hier erfolgt die Terminvergabe direkt über die Ärztin oder den Arzt.

 

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