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Podcast "Man müsste mal...":
Begeisterung für Kommunalpolitik wecken

  • Veröffentlicht Februar 12, 2024

Wer nach Marika Riethmüller im Internet sucht, findet nicht viel: ein Zeitungsartikel über ihren Einsatz als Betreuerin beim Outdoor-Camp für Kinder in Malchow bei Waren, durchgeführt von der Landespolizei MV und eine von ihr unterzeichnete Presseerklärung der Polizei im Zusammenhang mit der Auflösung einer „Corona-Demo“.

 

Marika Riethmüller zu Gast beim Podcast "Man Müsste Mal". | Grafik: Claus Oellerking
Marika Riethmüller zu Gast beim Podcast „Man Müsste Mal“. Bild: Carl Otte 

 

„Mein digitaler Fußabdruck ist klein und das soll auch so sein“, sagt die 37-Jährige. Sie ist Polizeihauptkommissarin im Polizeihauptrevier Schwerin. Und sie ist Privatperson. Und auf alle Fälle hat sie eine feine Antenne für Dinge, die sie als ungerecht, als abwertend und – schlicht und einfach – menschlich nicht in Ordnung empfindet.

Eigentlich wollte sie Journalistin werden. Für die regionale Presse in ihrer Heimat in Grimma, Sachsen hatte sie schon den einen oder anderen Beitrag geschrieben. Sie war 17 Jahre alt, als sie sich um einen Studienplatz bewarb. „Beim Auswahlverfahren fehlte mir damals noch eine ordentliche Portion Allgemeinwissen“, erinnert sie sich.

Mecklenburgische Schweiz statt ostafrikanische Savanne

Alternativ wollte Marika Riethmüller gerne Polizistin werden. Sie fängt mit den Bewerbungen an und beginnt zugleich in Leipzig das Studium der Afrikanistik. Das war zwar mehr eine Zwischenlösung, aber auch die hatte Folgen für ihren Lebensweg. „Ich fand den Kontinent Afrika schon immer spannend und habe an der Uni viel darüber, auch über die deutsche Kolonialgeschichte, gelernt.“ Und sie lernt auch „Swahili“, auf Deutsch „Suaheli“ eine Bantusprache und die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas. „Das ist eine von vielen hundert Sprachen, die auf dem Kontinent gesprochen werden. Die Dozenten für Sprachen im Studium waren Schwarze mit Wurzeln in Ost- bzw. Westafrika. Alle anderen Hochschullehrkräfte waren weiß, durchaus international, aber eben Weiße, die uns Afrika näherbrachten“, sagt sie.

Die Aufnahme in die Ausbildung bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern war für sie ein Glückstreffer. „Das war die Gelegenheit, nach der ich gesucht hatte und so bin ich dann hier im Norden gelandet“, lacht sie. Das Studium beendet sie nicht.

Nun also mecklenburgische Schweiz statt ostafrikanischer Savanne. „Es ist ja eher so, dass hier nicht sehr viele Menschen leben, die aus anderen Teilen der Welt kommen. Und dennoch sind die Norddeutschen eher zurückhaltend und reserviert. Ich finde es wichtig, dass Menschen miteinander reden und sich kennenlernen. Da gibt es viele Gemeinsamkeiten zu entdecken“, so Riethmüller.

2024 in die Stadtvertretung

Für sie ist das Grund genug, sich an ihrem Arbeitsplatz und in ihrem privaten Umfeld für mehr Zuhören einsetzt. „Wenn ich zum Beispiel meinen Gegenüber sofort als Nazi bezeichne, weil er das N-Wort als Bezeichnung für einen Schwarzen verwendet, dann ist die Tür zu. Für ihn und für mich“, sagt sie und ergänzt: „Wenn ich die Chance habe, zu erklären, warum das N-Wort eine abwertende Bedeutung hat, welche Geschichte dieses Wort hat und meinen Gegenüber dann frage, wie es ihm mit so einer Abwertung seiner Person aufgrund seiner Hautfarbe oder Herkunft oder Sprache gehen würde, dann könnte das eine Prozess anstoßen, der vielleicht im Kleinen etwas verändert.“

Und so engagiert sich Marika Riethmüller in ihrem Job als Dienstgruppenleiterin. Sie freut sich über Fortbildungsmöglichkeiten im Dienst zum Thema Antirassismus durchgeführt von Referenten der RAA. „Da sind wir in Schweriner Revier vermutlich ziemlich weit vorne“, lacht sie zuversichtlich.

Und sie wird sich in ihrer Wahlheimat Schwerin auf kommunalpolitische Ebene zur Wahl stellen. Für die SPD möchte sie 2024 in die Stadtvertretung einziehen.

 

Podcast: Folge 95

 

 

Written By
Carl Otte

Carl Otte ist freier Mitarbeiter der Digitalzeitung Schwerin-Lokal.de

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