Schwerin: Friseursalons in Zeiten des Corona-Virus

Noch sind die Friseure im Land für ihre Kunden da. Wir schauten einmal, wie das in dieser Zeit möglich ist und sprachen u.a. mit Doris Günther aus Schwerin.

Friseursalons in Schwerin haben noch geöffnet. | Foto: Symbolbild

Seitdem die Landesregierung in Schwerin die Schließung zahlreicher Geschäfte und Einrichtungen bekannt gab, hat sich das öffentliche Leben spürbar verändert. Deutlich weniger Menschen in den Einkaufsstraßen und fast menschenleere Shoppingcenter. Nur hier und da öffnen und schließen sich Türen und ist noch Leben hinter den Schaufenstern. Denn einige Branchen sind bislang von den verordneten Schließungen ausgespart. Während es definitiv bei allen Bereichen des Lebensmittelverkaufs auch so bleiben wird, könnten andere noch vor der Schließung stehen. Darunter auch die Friseure in unserem Land. Denn noch sind sie, wie viele andere, für uns alle da und erfüllen ein ganz wichtiges Grundbedürfnis – Pflege und eigenes Wohlbefinden.


Viele Fragen im Netz, weshalb Friseure offen blieben

Während für die meisten wohl nachvollziehbar ist, dass Supermärkte, Discounter, Getränkemärkte & Co geöffnet bleiben,war die Reaktion bei Friseuren durchaus geteilt. Speziell auf Facebook stellten viele Nutzer die Frage, weshalb man diese Branche geöffnet lässt. Nicht aber aus Neid oder Missgunst, weil dort noch gearbeitet und Geld verdient werden darf. Vielmehr stand die Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salons im Mittelpunkt. Immer wieder spielten die Menschen in ihren Posts auf die doch unmittelbare Nähe zwischen Friseur und Kunde an. 

 

Hauptgeschäftsführer Dr. Gunnar Pohl (r.) bei der Amtseinführung | Foto: Handwerkskammer Schwerin

Ministerium und Politik sehen Friseure als Grundbedürfnis

Wir fragten daraufhin etwas genauer nach, was sich hinter der Entscheidung verbirgt, und wie die Situation in der Praxis aussieht. So vermutet Dr. Gunnar Pohl, Hauptgeschäftsführer der für die Branche zuständigen Handwerkskammer Schwerin hinter der Entscheidung der Politik die Einschätzung, dass Friseure „offenbar als wichtig für die Versorgung angesehen werden.“ Dass er damit alles andere als falsch liegt, bestätigte gestern Gunnar Bauer, Pressesprecher im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit MV. „Die Dienstleistung der Friseure deckt ein menschliches Grundbedürfnis ab“, so Bauer. So gab es „bei der Benennung der Branchen, die geöffnet haben können, eine Abwägung von Relevanz für die Infektionskette und Einschränkung des öffentlichen Lebens sowie Auswirkungen auf die Wirtschaft.“ 

Sowohl Dr. Gunnar Pohl als auch Gunnar Bauer verweisen zudem auf die entsprechend anspruchsvollen Hygienevorschriften, die mit der weiteren Öffnung direkt verbunden sind.  So habe das Robert Koch-Institut konkrete Hygienemaßnahmen zum Schutz vor Ansteckung empfohlen und veröffentlicht. Darüber hinaus  sind die Betriebe ohnehin „im Bereich der Hygiene geschult und halten verantwortungsbewusst und zum eigenen Schutz erhöhte Anforderungen an die Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen ein“, so Dr. Pohl.


Auch Salonbetreiberin Doris Günther sieht Pflege und Wohlbefinden als Grundbedürfnis der Menschen

Dass das dabei mitschwingend große Vertrauen von Land und Kammer in die Branche nicht ungerechtfertigt sind, erfuhren wir dann im Gespräch mit Doris Günther. Sie leitet gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd den in Schweriner Salon „Günther Haut und Haar“.  Auch sie sieht zweifelsfrei die Dienstleistungen ihrer Branche als ein für die überwiegende Zahl der Menschen wichtiges Grundbedürfnis. „Die meisten Menschen fühlen sich erst wirklich wohl, wenn sie sich auch gepflegt fühlen“, erläutert Doris Günther einen ganz wichtigen Zusammenhang. Denn letztlich ist eben dieses Wohlbefinden kein Luxus sondern ein menschliches Grundbedürfnis. 

 

Bislang ließ die Rechtslage noch eine Öffnung des Salons in Schwerin zu. | Foto: facebook.com/GuentherSchwerin/

„Wohlbefinden gibt Stärke“

Besonders gern ist sie ganz speziell auch in diesen Tagen gemeinsam mit ihrem Team für ihre Kundinnen und Kunden da. „Gerade in dieser Zeit brauchen die Menschen zusätzliche innere Stärke. Und stark sein hängt dabei wiederum direkt mit dem eigenen Wohlbefinden zusammen.“ Ein Kreis, der sich also gerade in unsicheren Zeiten so wirklich schließt. Denn, dass kann sicherlich jeder für sich selbst auch nachvollziehen, richtig stark können wir nur dann sein, wenn wir nicht schon durch eine Unzufriedenheit mit uns selbst geschwächt sind.


Neue Organisation und neue Abläufe in diesen Tagen

Damit aber der Salon von Doris und Bernd Günther gerade in diesen Tagen dieser Funktion der bestmöglichen Erfüllung des Grundbedürfnisses nach Pflege gerecht werden kann, bedarf es einer ganz neuen Organisation und neuer Abläufe. Diese aber erlegten sie dem Team nicht einfach auf. „Denn wir können nur die bestmöglichen Leistungen für unsere Kunden bringen, wenn wir als Team funktionieren. Dementsprechend gab es eine Krisensitzung, an der das gesamte Team beteiligt war. Im Ergebnis stand ein in dieser Krisenzeit gemeinsam gefundener Weg. So können alle Mitarbeiter, die ohnehin Halbtagskräfte sind, nun 2 Tage in der Woche arbeiten und drei Trage für ihre Familien da sein. Natürlich führt dies auch zu einem kleineren Team im Einsatz. Aber das ist gar nicht schlimm, denn „aus Gründen des Gesundheitsschutzes unserer Kunden gilt es ohnehin, deutlich weniger Menschen auf der Fläche zu bedienen“, so Doris Günther. 

 

Größtmögliche Hygiene auch im Salon in Schwerin. | Foto: privat

Größtes Augenmerk auf die Hygiene

Dass Dr. Pohl und Gunnar Bauer im Hinblick auf das Verständnis größtmöglicher Hygienestandards Recht behalten sollen, zeigt sich bei „Günther Haut & Haar“ in der Wittenburger Straße in Schwerin absolut. „Zusätzlich zu höchsten Hygieneanforderungen die wir als Team an uns selbst stellen, haben wir eine eigene Hygienestrecke für unsere Kunden eingerichtet. Die Abläufe sind klar vorgegeben, und alle müssen sich daran halten. Mantel ablegen, Hände waschen, Hände desinfizieren. Zudem haben wir Gummihandschuhe in drei Größen für alle Kunden. Diese tragen sie die gesamte Zeit im Salon und dürfen sie erst vor der Salontür wieder abstreifen.“ Hier macht das Team um Doris und Bernd Günther auch keinerlei Ausnahmen. „Es gab auch einzelne Kunden, die unser Vorgehen als zu heftig ansahen. Denen haben wir freundlich aber doch bestimmt erklärt, dass wir nur so mit unseren Dienstleistungen zur Verfügung stehen.“


Jeder kann für sich entscheiden, ob er zum Friseur geht.

Hier klingt Doris Günther sehr klar und strikt. Niemand wird gezwungen, jetzt zum Friseur zu gehen. Letztlich, so Doris Günther, seien es alles mündige Bürger. „Es steht doch wirklich jedem frei, ob er in einen Friseursalon geht, oder nicht.“ Für ihr Team zumindest, da ist sie sich sicher und klingt auch stolz, kann sie die Hand ins Feuer legen, dass jeder uneingeschränkt hinter den derzeitigen Abläufen steht. 

Gefühl, dass ab Montag auch Friseure schließen müssen

Natürlich ahnt auch Doris Günther, dass es heute vermutlich für eine längere Zeit der letzte Tag sein könnte, an dem ihr Salon und die Salons ihrer Kolleginnen und Kollegen noch geöffnet sind. Unabhängig von der Frage, ob Ausgangsbeschränkungen, wie sie seit heute in Bayern gelten, ab Montag auch in Schwerin und ganz MV angesagt sind, ahnen alle, dass zumindest Friseure und manch andere Branche schließen müssen. Daher wünschen Doris und Bernd Günther ihren Kunden schon jetzt, „gesundheitlich und wirtschaftlich gut durch die vor uns liegende Zeit zu kommen.“ Sollte es doch anders kommen, sind sie gemeinsam mit ihrem Team natürlich solange da, wie sie es dürfen.

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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