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Schwerin: Kunst aus dem Baumarkt – fast augenblicklich, fast roh

  Schw­er­iner Gale­rien und Kun­stschaf­fende woll­ten den Früh­ling zur Präsen­ta­tion von neuen Ausstel­lun­gen nutzen. Der Früh­ling ste­ht bekan­nter­maßen für Auf­bruch und Neues. Auch der Kun­stvere­in für Meck­len­burg & Vor­pom­mern in

  • Veröffentlicht April 21, 2021
Grup­pen­schau „near­ly instant, near­ly raw” mit Nadine Grünewald (Kun­stvere­in Schw­erin) | Foto: schw­erin-lokal / Peter Scher­rer

 

Schw­er­iner Gale­rien und Kun­stschaf­fende woll­ten den Früh­ling zur Präsen­ta­tion von neuen Ausstel­lun­gen nutzen. Der Früh­ling ste­ht bekan­nter­maßen für Auf­bruch und Neues. Auch der Kun­stvere­in für Meck­len­burg & Vor­pom­mern in Schw­erin hat­te für die aktuelle Ausstel­lung den ver­gan­genen Son­ntag als Eröff­nungstag vorge­se­hen. Kun­stin­ter­essierte müssen sich aber noch bis zur möglichen Wiederöff­nung von Museen und Gale­rien gedulden. Die Eröff­nung musste aus­fall­en, denn alle Museen und Gale­rien sind seit dem 17. April geschlossen. Aber bis zum 13. Juni ist die Grup­pen­schau im E‑Werk vorge­se­hen. Arbeit­en von Sebas­t­ian Dan­nen­berg, Jáno Möck­el und Hen­drik Lör­p­er sind unter dem Titel „near­ly instant, near­ly raw” instal­liert. Alle drei Kün­stler arbeit­en mit han­del­süblichen Bau­mark­tar­tikeln. Die zu Kunst­werken trans­formierten Waren warten nun auf Besucherin­nen und Besuch­er.

Nadine Grünewald (Schw­er­iner Kun­stvere­in), die die Ausstel­lung konzip­iert hat, hofft auf ein rasches Ende der coro­na-bed­ingten Schließungsanord­nun­gen der Behör­den. Sie hofft darauf, dass sich noch eine Chance bietet, die Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Farblich sparsam aber reich an möglichen Sichtweisen

Der gebür­tige Bot­trop­er Sebas­t­ian Dan­nen­berg arbeit­et zur Zeit als Gast­pro­fes­sor an der Hochschule für Kün­ste in Bre­men. Eine umfan­gre­iche Liste von erfol­gre­ichen Ausstel­lun­gen zeigen seine reiche Erfahrung in Gestal­tung, Farb- und For­mge­bung mit den ver­schieden­sten Mate­ri­alien. Bei „near­ly instant, near­ly raw“ ist die Herkun­ft für die Kom­bi­na­tion der Farbflächen und Lin­ien ist die Malerei. Die ver­wen­de­ten Mate­ri­alien (Holz, Neon­röhren, ein Trapezblech) sind nur teil­weise und „far­blich sparsam“ bear­beit­et. Die Objek­te sind for­mal ange­ord­net. Der große und helle Raum ermöglicht wech­sel­nde Sichtweisen. Farb­spiele durch natür­lich ein­fal­l­en­des Licht kön­nen die einzel­nen Objek­te dur­chaus chang­ierend erscheinen lassen! Will man die Arbeit erfassen, lohnt es sich seinen Stand­punkt, seine Sichtweisen und sein Empfind­en zu ändern. Eben wie im richti­gen Leben!

 

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Hier Sebas­t­ian Dan­nen­berg im O‑Ton (Mehr zum Kün­stler und seinen Arbeit­en: sebastiandannenberg.com)

 

Putzmittel und Aluschränke – Alltagsdinge im Wandel auf Zeit

Jáno Möck­el hat in seinen Arbeit­en die Kun­sto­b­jek­te, eben Bau­mark­tar­tikel, gar nicht erst vom orig­inären Ort ihrer Exis­tenz weg­be­wegt. Er set­zt einen Feudel so in Szene, dass er zu einem blauen Flusen­mon­ster wird, das aus ein­er Wanne kriecht. Für einen Moment, für einen Augen­blick. Nach eini­gen Momenten ist ein Feudel eben wieder ein Feudel. Er ver­ste­ht es, Schränke, Regale und Gänge in Präsen­ta­tion­s­gerätschaften für Kun­sto­b­jek­te zu trans­formieren. Hun­dert­fach gemacht, hun­dert­fach fotografiert und gefilmt präsen­tiert er in „near­ly instant, near­ly raw“ die besten sein­er Werke. Zu sehen sind seine „Trans­form­ers” auf großflächi­gen Fotografien und in Videose­quen­zen.

https://youtu.be/QHOc6wNsvbo

Jáno Möck­el im O‑Ton. (Mehr zum Kün­stler und seinen Arbeit­en: janomoeckel.com)

 

Funktionswandel und Technikgestaltung – es kommt drauf an, was man draus macht oder darüber denkt!

Im von Hen­drik Lör­p­er gestal­teten Ausstel­lungsraum geht es tech­nisch zu. Hier ver­wan­deln kleine Elek­tro­mo­toren Mate­ri­alien zu doch eher „unge­fährlichen Wind­ho­sen“. PC-Lüfter sor­gen für das „Rauschen imag­iniert­er Wasser­fälle“ oder was die geneigten Besucherin­nen und Besuch­er sich son­st noch so vorstellen kön­nen. Der gel­ernte Bild­hauer arrang­iert Zeitschal­tuhren so, dass sie tun, was sie auch tun sollen: Abläufe zeitlich steuern. Es liegt im Ermessen des Betra­chters, was von Wichtigkeit ist. Die Zeit, der Ablauf oder die Funk­tion des Objek­tes selb­st.

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Hen­drik Lör­p­er im O‑Ton

Hen­drik Lör­p­er, der Leit­er der Bild­hauerei­w­erk­statt der Muthe­sius Kun­sthochschule ist postal­isch unter Legien­straße 35, 24103 Kiel, per Email: loerper@muthesius.de, und T. 0431 / 20 04 14 2 zu erre­ichen.

 


  • Peter Scherrer

    geb. 1959, gel­ern­ter Met­all­fachar­beit­er und grad. His­torik­er, arbeit­ete für Gew­erkschaften und poli­tis­che Stiftun­gen in Europa u.a. 2015–2019 als stel­lvertre­tender Gen­er­alsekretär beim Europäis­chen Gew­erkschafts­bund (EGB), in Brüs­sel. Schw­er­punk­te: Indus­trie- und Sozialpoli­tik sowie Lokalgeschichte und Kul­turelles. Wohnt seit 2017 in Schw­erin.

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