Schwerin: Kunst aus dem Baumarkt – fast augenblicklich, fast roh

Arbeiten von drei norddeutschen Künstlern präsentiert der Kunstverein Schwerin der Öffentlichkeit bis Mitte Juni. Erneut musste eine Vernissage den Corona-Maßnahmen zum Opfer fallen.

Gruppenschau „nearly instant, nearly raw“ mit Nadine Grünewald (Kunstverein Schwerin) | Foto: schwerin-lokal / Peter Scherrer

 

Schweriner Galerien und Kunstschaffende wollten den Frühling zur Präsentation von neuen Ausstellungen nutzen. Der Frühling steht bekanntermaßen für Aufbruch und Neues. Auch der Kunstverein für Mecklenburg & Vorpommern in Schwerin hatte für die aktuelle Ausstellung den vergangenen Sonntag als Eröffnungstag vorgesehen. Kunstinteressierte müssen sich aber noch bis zur möglichen Wiederöffnung von Museen und Galerien gedulden. Die Eröffnung musste ausfallen, denn alle Museen und Galerien sind seit dem 17. April geschlossen. Aber bis zum 13. Juni ist die Gruppenschau im E-Werk vorgesehen. Arbeiten von Sebastian Dannenberg, Jáno Möckel und Hendrik Lörper sind unter dem Titel „nearly instant, nearly raw“ installiert. Alle drei Künstler arbeiten mit handelsüblichen Baumarktartikeln. Die zu Kunstwerken transformierten Waren warten nun auf Besucherinnen und Besucher.

Nadine Grünewald (Schweriner Kunstverein), die die Ausstellung konzipiert hat, hofft auf ein rasches Ende der corona-bedingten Schließungsanordnungen der Behörden. Sie hofft darauf, dass sich noch eine Chance bietet, die Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Farblich sparsam aber reich an möglichen Sichtweisen

Der gebürtige Bottroper Sebastian Dannenberg arbeitet zur Zeit als Gastprofessor an der Hochschule für Künste in Bremen. Eine umfangreiche Liste von erfolgreichen Ausstellungen zeigen seine reiche Erfahrung in Gestaltung, Farb- und Formgebung mit den verschiedensten Materialien. Bei „nearly instant, nearly raw“ ist die Herkunft für die Kombination der Farbflächen und Linien ist die Malerei. Die verwendeten Materialien (Holz, Neonröhren, ein Trapezblech) sind nur teilweise und „farblich sparsam“ bearbeitet. Die Objekte sind formal angeordnet. Der große und helle Raum ermöglicht wechselnde Sichtweisen. Farbspiele durch natürlich einfallendes Licht können die einzelnen Objekte durchaus changierend erscheinen lassen! Will man die Arbeit erfassen, lohnt es sich seinen Standpunkt, seine Sichtweisen und sein Empfinden zu ändern. Eben wie im richtigen Leben!

 

Hier Sebastian Dannenberg im O-Ton (Mehr zum Künstler und seinen Arbeiten: sebastiandannenberg.com)

 

Putzmittel und Aluschränke – Alltagsdinge im Wandel auf Zeit

Jáno Möckel hat in seinen Arbeiten die Kunstobjekte, eben Baumarktartikel, gar nicht erst vom originären Ort ihrer Existenz wegbewegt. Er setzt einen Feudel so in Szene, dass er zu einem blauen Flusenmonster wird, das aus einer Wanne kriecht. Für einen Moment, für einen Augenblick. Nach einigen Momenten ist ein Feudel eben wieder ein Feudel. Er versteht es, Schränke, Regale und Gänge in Präsentationsgerätschaften für Kunstobjekte zu transformieren. Hundertfach gemacht, hundertfach fotografiert und gefilmt präsentiert er in „nearly instant, nearly raw“ die besten seiner Werke. Zu sehen sind seine „Transformers“ auf großflächigen Fotografien und in Videosequenzen.

Jáno Möckel im O-Ton. (Mehr zum Künstler und seinen Arbeiten: janomoeckel.com)

 

Funktionswandel und Technikgestaltung – es kommt drauf an, was man draus macht oder darüber denkt!

Im von Hendrik Lörper gestalteten Ausstellungsraum geht es technisch zu. Hier verwandeln kleine Elektromotoren Materialien zu doch eher „ungefährlichen Windhosen“. PC-Lüfter sorgen für das „Rauschen imaginierter Wasserfälle“ oder was die geneigten Besucherinnen und Besucher sich sonst noch so vorstellen können. Der gelernte Bildhauer arrangiert Zeitschaltuhren so, dass sie tun, was sie auch tun sollen: Abläufe zeitlich steuern. Es liegt im Ermessen des Betrachters, was von Wichtigkeit ist. Die Zeit, der Ablauf oder die Funktion des Objektes selbst.

Hendrik Lörper im O-Ton

Hendrik Lörper, der Leiter der Bildhauereiwerkstatt der Muthesius Kunsthochschule ist postalisch unter Legienstraße 35, 24103 Kiel, per Email: loerper@muthesius.de, und T. 0431 / 20 04 14 2 zu erreichen.

 


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Peter Scherrer

geb. 1959, gelernter Metallfacharbeiter und grad. Historiker, arbeitete für Gewerkschaften und politische Stiftungen in Europa u.a. 2015-2019 als stellvertretender Generalsekretär beim Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB), in Brüssel. Schwerpunkte: Industrie- und Sozialpolitik sowie Lokalgeschichte und Kulturelles. Wohnt seit 2017 in Schwerin.

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