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Schwerin: Mit Spitze an die Spitze – Xenia Wiest hat viel vor mit dem Ballett

Sie ist 37 Jahre. Jung, sym­pa­thisch, engagiert und ambi­tion­iert. Eine Kämpferin in viel­er­lei Hin­sicht. Ihr Mann zog für sie von Madrid nach Berlin, um mit ihr ein gemein­sames Leben aufzubauen.

  • Veröffentlicht März 29, 2021
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Xenia Wiest ist die neue Bal­lett-Direk­torin am Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­ater in Schw­erin. | Foto: Kathrin Dinkel

Sie ist 37 Jahre. Jung, sym­pa­thisch, engagiert und ambi­tion­iert. Eine Kämpferin in viel­er­lei Hin­sicht. Ihr Mann zog für sie von Madrid nach Berlin, um mit ihr ein gemein­sames Leben aufzubauen. Wis­send darum, dass sie als Tänz­erin einen Job hat, der nie die abschließende Stan­dort­sicher­heit bietet. Er stand an ihrer Seite, als sie es noch ein­mal wis­sen wollte. Als sie am Ende ihrer Kar­riere noch ein­mal die tänz­erische Her­aus­forderung suchte, und nach Han­nover ging. Und nun wer­den bei­de schon bald in das beschauliche, kün­st­lerisch allerd­ings derzeit dur­chaus aufgewühlte und etwas unruhige Schw­erin kom­men. Denn sie hat ein span­nen­des Ange­bot bekom­men und damit eine große Auf­gabe über­nom­men, die schon vor dem wirk­lichen Beginn auch ihr viel abver­langt. Die Rede ist von Xenia Wiest, der neuen Chore­ografin und Bal­lett-Direk­torin am Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­ater.

 

Kunst und Musik spielten von Geburt an eine Rolle

Die neue Bal­lett-Direk­torin in Schw­erin stammt aus ein­er Moskauer Musik­er­fam­i­lie. Ihre Mut­ter ist Geigen­lehrerin, der Vater Jaz­zdrum­mer. 1993 wan­derte die Fam­i­lie nach Deutsch­land aus, wo Xenia ihr neues zu Hause fand. Schon seit jüng­ster Kind­heit bracht­en ihr ihre Eltern Kun­st und Kul­tur nahe. Unzäh­lige Besuche in The­atern, Opern­häusern und Museen tat­en dabei das Ihrige, so dass sich Xenia immer mehr zu Kun­st und Musik hinge­zo­gen fühlte. Sie lernte Klavier und Konz­ert­flöte und sang im Chor. Und sie nahm an Jaz­ztanz- und Bal­let­tkursen teil. Für Tänz­erin­nen und Tänz­er fand Xenias Ein­stieg in die Welt des Tanzes dabei dur­chaus spät statt. Daran hat­te ihr famil­iäres Umfeld dur­chaus einen nicht unbe­deu­ten­den Anteil. Denn Xenia fing gegen den erk­lärten Willen ihrer Eltern mit dem Tanz an. „Ich musste schon früh viel kämpfen“, erin­nert sich die heute 37-jährige im Gespräch mit unserem Lei­t­en­den Redak­teur, Stephan Har­ing.

 

Mit 14 stand Xenias Berufswunsch fest: Balletttänzerin

Xenia Wiest, neue Bal­lett-Direk­torin in Schw­erin. | Foto: Svet­lana Avvakum

Mit 14 Jahren stand für Xenia aber defin­i­tiv fest, dass sie Bal­lett­tänz­erin wer­den wollte. Ein Alter, in dem viele Jugendlichen sich eigentlich erst so richtig auszuleben begin­nen, noch gar nicht an beru­fliche Ziele denken. Unter­richtet von Marie-Fran­coise Gery, heute eine enge Fre­undin, machte sie ihre ersten Schritte auf diesem Weg an der „Acad­e­mie de Danse“ in Braun­schweig. Mit 16 Jahren wech­selte sie dann an die „John Cranko School“ in Stuttgart, an der sie 2003 ihren Abschluss machte. Sie hat­te das große Glück, noch im sel­ben Jahr ein erstes Engage­ment an der Deutschen Oper in Berlin antreten zu kön­nen und im Anschluss als Solistin im The­ater Gör­litz zu tanzen.

 

15 erfolgreiche Jahre am Staatsballett Berlin

Es fol­gten erfol­gre­iche 15 Jahre am Berlin­er Staats­bal­lett unter Vladimir Malakhov und Nacho Dua­to. Zeit­en, die auch für Xenia Wiest natür­lich mit Unsicher­heit­en ver­bun­den waren. „Ger­ade in den ersten Jahren habe ich, wie viele mein­er Kol­legin­nen und Kol­le­gen, immer zum Saiso­nende gebangt“. Denn wie in der Tanzszene üblich, hat­te auch sie nur Jahresverträge. „Das Gefühl der Sorge, die Ein­ladung zu einem Nicht-Ver­längerungs­ge­spräch zu bekom­men, war natür­lich da“, erin­nert sie sich. Am Staats­bal­lett in Berlin begann par­al­lel auch ihre erfol­gre­iche Arbeit als Chore­o­graphin. Diese führte sie zu zahlre­ichen Auf­tragspro­duk­tio­nen weltweit mit renom­mierten Kün­stlern und Kom­panien. Seit der Sai­son 2019/20 ist Xenia Wiest Teil der Kom­panie des Staats­bal­lett Han­nover, wo sie in Prélude (Med­hi Waler­s­ki) und Nijin­s­ki (Mar­co Goecke) zu sehen war. Sie hätte ihre Tanzkar­riere auch in Berlin fort­set­zen und dann been­den kön­nen. „Aber ich wollte noch ein­mal etwas anderes erleben. Mich noch ein­mal selb­st zusät­zlich fordern und neue Ein­drücke gewin­nen.“

 

Anfrage des neuen Intendanten kam unerwartet

Xenia Wiest, neue Bal­lett-Direk­torin in Schw­erin. | Foto: Kathrin Dinkel

Und dann – ja dann kam alles ganz anders als gedacht. Denn plöt­zlich erhielt sie das Ange­bot, die Direk­torin des Bal­lett-Ensem­bles am Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­ater in Schw­erin unter dem neuen Inten­dan­ten Hans-Georg Weg­n­er zu wer­den. „Ich hat­te an eine solche Entwick­lung meines beru­flichen Weges gar nicht gedacht. Sicher­lich war mir bewusst, dass meine Kar­riere als aktive Tänz­erin mit inzwis­chen 37 Jahren bald enden würde. Und ich hat­te in ver­schieden­sten Pro­duk­tio­nen und Engage­ments das große Ver­trauen bekom­men, auch Leitungs­funk­tio­nen übernehmen zu dür­fen. Aber an sich hat­te ich mich inner­lich eher auf einen Weg als Chore­ografin eingestellt“, so Xenia Wiest. Den­noch sah sie die beson­dere Per­spek­tive, die sich mit dem Ange­bot eröffnete. „Hans-Georg Weg­n­er hat mir seine Zukun­ft­sideen für das Meck­len­bur­gis­che Staat­sthe­ater skizziert. Und dabei ein Teil ein­er so offe­nen aber doch klaren Idee ein­er kün­st­lerischen Entwick­lung und auch Neuauf­stel­lung sein zu kön­nen, das hat mich sofort gecatcht“.

Dass ihr pri­vates wie auch beru­flich­es Umfeld von dem Schritt eben­so über­rascht wie erfreut war, und Xenia augen­schein­lich den Erfolg in dieser ver­ant­wor­tungsvollen Posi­tion zutraute, zeigen die Reak­tio­nen, als die Neuigkeit bekan­nt wurde. Da näm­lich sei ihr Tele­fon beina­he „explodiert“, ver­ri­et die lei­den­schaftliche Tänz­erin und Chore­ografin kür­zlich der Zeitschrift „tanz“.

 

„Ich möchte in Schwerin eine künstlerische Neuorientierung”

Für Xenia Wiest war aber mit der Entschei­dung auch ganz klar Auf­gabe und Ziel ver­bun­den, das Bal­lett in Schw­erin inhaltlich und fach­lich spür­bar weit­er zu entwick­eln. „Ich möchte eine kün­st­lerische Neuori­en­tierung. Es ist mein Ziel, mit höch­ster Qual­ität, Inno­va­tion und ein­er unverkennbaren Tanzsprache das Schw­er­iner Pub­likum zu begeis­tern. Und langfristig möchte ich an ein­er inter­na­tionalen Wahrnehmung unser­er Com­pag­nie arbeit­en“. Für sie damit untrennbar ver­bun­de­nen: die Wiedere­in­führung des Spitzen­schuhs. „Er ist das klas­sis­chste und bedeu­tend­ste ‚Werkzeug‘, das wir im Tanz haben. Darauf kön­nen und dür­fen wir nicht verzicht­en“.

Für Xenia Wiest bedeutet dies aber nicht, ab sofort nur noch klas­sis­che Stücke auf die Bühne zu brin­gen, und den mod­er­nen Tanz zu ver­ban­nen. Ganz im Gegen­teil. „Ich möchte Ele­mente aus dem klas­sis­chen Bal­lett, das ich gern stärken möchte, in die Mod­erne des 21. Jahrhun­derts holen, und so mit unseren Tänz­erin­nen und Tänz­ern und dem Pub­likum einen span­nen­den Schritt in der Entwick­lung des Tanzes gehen. Damit ist eine enorme Ver­ant­wor­tung vor allem auch für mich selb­st ver­bun­den. Und ich stelle daher auch die höch­sten Ansprüche zuerst an mich selb­st“.

 

Harte Entscheidungen und schmerzhafte Erfahrungen

Xenia Wiest, neue Bal­lettdi­rek­torin in Schw­erin | Foto: Markus Rack

Hochgesteck­te Ziele, für die die Kämpferin schon jet­zt hart arbeit­et. Die ihr aber auch schon deut­lich vor Antritt ihres Jobs harte Entschei­dun­gen abver­langten und erste schmerzhafte Erfahrun­gen bracht­en. Denn noch gar nicht in Schw­erin kom­plett angekom­men, hagelte es schon harsche Kri­tik. Schon sieht sich die neue Bal­lett-Direk­torin mas­siv­en „teil­weise unfairen und ungerecht­en, weil falschen“ Vor­wür­fen aus­ge­set­zt. Denn sie musste sie die auch für sie schwere Entschei­dung tre­f­fen, wer von den bish­eri­gen Tänz­erin­nen und Tänz­ern in das neue Konzept der Bal­lett-Com­pag­nie des Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­aters passt, und wer lei­der nicht. Im Ergeb­nis war eine Ver­längerung der aus­laufend­en Jahresverträge fast aller Tänz­erin­nen und Tänz­er nicht möglich (wir berichteten).

 

Enttäuschung und auch Unverständnis sind für Xenia Wiest nachvollziehbar

Die darauf fol­gen­den Reak­tio­nen kann Xenia Wiest insofern ver­ste­hen, wenn sie von Ent­täuschung geprägt sind. „Natür­lich haben alle abgeliefert. Wenn es dann trotz­dem nicht passt, dann ist Ent­täuschung die nachvol­lziehbarste aller Reak­tio­nen“. Und auch wenn sich zur Ent­täuschung noch Unver­ständ­nis gesellt, ist dies für Xenia Wiest in der konkreten Sit­u­a­tion eben­so nachvol­lziehbar. „Alle, die vor­ge­tanzt haben, sind schließlich ohne Frage Tänz­erin­nen und Tänz­er mit vie­len Qual­itäten und Vorzü­gen. Da ist es doch abso­lut men­schlich, dass man, wenn man alles zeigt, was man kann, und wenn es dann doch nicht passt, dass man die Gründe dafür wis­sen möchte. Aber in diesem konkreten Fall hat­te das Juris­tis­che lei­der Vor­rang vor der Trans­parenz“.

 

„Auch mir geht die Situation sehr nahe”

Was Xenia Wiest hier beschreibt, ist für Außen­ste­hende kaum vorstell­bar. Denn der deutsch­landweit gel­tende Tar­ifver­trag NV Bühne, den zulet­zt unter anderem der Schw­er­iner Stadtvertreter Daniel Treps­dorf (DIE LINKE) scharf kri­tisierte, schreibt vor, dass im Falle von Nichtver­längerun­gen der befris­teten Verträge kein Feed­back gegenüber den Tänz­erin­nen und Tänz­ern erfol­gen darf. Und zwar konkret im Falle eines Inten­danzwech­sels. „Wenn ich als Tänz­erin spreche, dann kann ich bestäti­gen, dass man das oft gar nicht weiß. Daher ist das Unver­ständ­nis für die Entschei­dung an sich, aber auch für die fehlende Begrün­dung, beson­ders groß und die Sit­u­a­tion so beson­ders irri­tierend“, so Xenia Wiest, in der derzeit prak­tisch zwei Herzen schla­gen. Das der Tänz­erin und das der desig­nierten Direk­torin. „Let­ztlich aber ist es doch ein Herz. Mein Herz für den Tanz, mein Herz für die gemein­same Arbeit mit den Tänz­erin­nen und Tänz­ern auf der Bühne. Und mein Herz für das Pub­likum. Daher geht mir die gesamte Sit­u­a­tion auch sehr nahe.“

 

Bewusst viel Zeit für das Ansehen der Tänzerinnen und Tänzer genommen

Xenia Wiest, neue Bal­lettdi­rek­torin in Schw­erin | Foto: Maria-Hele­na Buck­ley

Nicht ver­ste­hen allerd­ings kann die zukün­ftige Bal­lett-Direk­torin in Schw­erin, „wenn von eini­gen weni­gen bewusst falsche Darstel­lun­gen über den gesamten Ablauf gemacht wer­den“. Denn wieder­holt wurde der Vor­wurf laut, die neue Direk­torin habe den aktuellen Tänz­erin­nen und Tänz­ern prak­tisch keine Möglichkeit der Vorstel­lung gegeben.

„Das ist schlichtweg falsch. Ich habe mir bewusst viel Zeit genom­men, um die Kom­panie in Schw­erin zu sehen. Ich habe eine Gala-Vorstel­lung gese­hen, ein aus­führlich­es Vor­tanzen geplant, und hat­te das große Glück, die Tänz­erin­nen und Tänz­er nicht alle zusam­men, son­dern in kleinen Grup­pen sehen zu kön­nen. Denn am Ende muss alles passen – die chore­ografis­che Ästhetik, das Reper­toire und einiges mehr. Ger­ade auch bei ein­er so kleinen Kom­panie aus nur 14 Per­so­n­en wie in Schw­erin. Um dann nicht alles von meinem Momentempfind­en abhängig zu machen und eine für alle gle­iche, faire Ein­schätzung tre­f­fen zu kön­nen, habe ich mir alles im Nach­hinein teil­weise mehrfach auf Video angeschaut und umfan­gre­iche Lis­ten mit ver­schieden­sten Kri­te­rien entwick­elt. Wenn also jemand behauptet, wir hät­ten Tänz­er nicht ein­mal ange­se­hen, dann stimmt das ein­fach nicht“.

 

„Es ging nicht um gut oder schlecht”

Dass die zu tre­f­fend­en Entschei­dun­gen Xenia Wiest let­zten Endes alles andere als leicht fie­len, merkt man, sobald man inten­siv­er mit ihr über diese Phase spricht. Sie ist selb­st Tänz­erin. Sie hat in ihrer Kar­riere viele Augen­blicke gehabt, in denen sie selb­st bangte. Oder aber, in denen ihr ver­traute Kol­legin­nen und Kol­le­gen von ein­er Nicht-Ver­längerung erfuhren.

„Da fällt es wirk­lich schw­er, nun selb­st solche Entschei­dun­gen tre­f­fen zu müssen. Vor allem eben auch, weil es abso­lut nicht um gut oder schlecht ging. Alle, die ich gese­hen habe, sind tolle Men­schen und tolle Tänz­erin­nen und Tänz­er, die wirk­lich etwas drauf haben. Aber ich muss zu 100 Prozent davon überzeugt sein, dass sie zukün­ftig den Stil wiedergeben, den ich auf der Bühne sprechen möchte. Ich wurde ja auch aus einem bes­timmten Grund nach Schw­erin ein­ge­laden, habe eine Ver­ant­wor­tung gegenüber der Inten­danz, der kün­st­lerischen Aus­rich­tung, der Stilis­tik, dem Pub­likum und mir selb­st. Und auch gegenüber unseren Tänz­erin­nen und Tänz­ern. Denn let­z­tendlich tue ich nie­man­dem einen Gefall­en damit, ihn oder sie hier zu behal­ten, wenn ich sehe, dass deren zweifels­frei vorhan­dene, tänz­erische Stärken in anderen Bere­ichen liegen als in denen, die wir ab der neuen Spielzeit in Schw­erin benöti­gen. Wäre die Kom­panie etwas größer – min­destens 20 Per­so­n­en – dann hätte ich ver­mut­lich ein paar Kom­pro­misse machen kön­nen. Aber so wie es ist, war es lei­der nicht möglich“.

 

Auch Neuaufstellung wird intensiv vorbereitet

Diesem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein entsprechend organ­isiert Xenia Wiest fol­gerichtig auch die Entschei­dun­gen zur zukün­fti­gen per­son­ellen Auf­stel­lung des Bal­letts in Schw­erin. Dabei geht es eben nicht nur um das Vor­tanzen son­dern auch um ein gegen­seit­iges Ken­nen­ler­nen im Rah­men von Inter­views. „Wir müssen zusam­men­passen, um das wirk­lich ambi­tion­ierte Pro­jekt erfol­gre­ich zu machen. Dafür braucht es natür­lich die tänz­erischen aber eben auch entsprechende men­schliche Qual­itäten. Bei­de Seit­en müssen dabei wirk­lich miteinan­der arbeit­en wollen.“ Und Xenia möchte – nicht allein aus den ganz aktuellen Erfahrun­gen son­dern auch aus ihrem eige­nen Erleben her­aus – mehr Sicher­heit für alle. Daher strebt sie nicht die über­wiegend üblichen Jahresverträge an son­dern set­zt auf 2 oder gar 3 Jahre.

 

Radikaler Kulturumbruch bietet Chancen 

Xenia Wiest, neue Bal­lett-Direk­torin in Schw­erin. | Foto: Enri­co Nawrath

Festverträge, wie es im Orch­ester­bere­ich üblich ist, gibt es im Bal­lett grund­sät­zlich nicht. Ein zweis­chnei­di­ges Schw­ert, das sieht auch Xenia Wiest. „Auf den ersten Blick bedeuten Festverträge natür­lich Sicher­heit für die Tänz­erin­nen und Tänz­er. Aber was bedeuten sie in der Folge für das The­ater und die Kun­st? Und was für die Entwick­lung der Kün­st­lerin­nen und Kün­stler? Ganz abge­se­hen davon, dass eine Bal­lett-Kar­riere sehr früh auch an physis­che Gren­zen kommt. All dies muss man natür­lich auch im Blick haben. Allerd­ings, und das ste­ht für mich außer Frage, wäre es an der Zeit, den Tar­ifver­trag NV Bühne in die Aktu­al­ität zu holen. Er ist in vie­len Punk­ten unglaublich vage. Da muss mehr Klarheit hinein. Für alle“.

Xenia Wiest baut hier dur­chaus auf den derzeit stat­tfind­en­den radikalen Kul­tu­rum­bruch. „Das Gen­derthe­ma, Black lives mat­ter, Me-too – das sind nur einige Entwick­lun­gen, die die Kul­tur förm­lich zu ein­er kom­plet­ten Neuauf­stel­lung zwin­gen. Da sind sys­temis­che Entwick­lun­gen fast unumgänglich. Entwick­lun­gen, die eben die Rolle von Gew­erkschaften, den Tar­ifver­trag und vieles andere erneuern. Und die vor allem das kün­st­lerische und men­schliche bess­er zusam­men­brin­gen, als es uns bish­er möglich ist.“

Seien wir ges­pan­nt, wie sich das Bal­lett in Schw­erin auch im Kon­text dieses Kul­tu­rum­bruchs entwick­elt. Mit Xenia Wiest hat Schw­erin auf jeden Fall eine engagierte, kämpferische und in jed­er Hin­sicht men­schliche Bal­lett-Direk­torin, von der das Pub­likum ganz sich­er viel erwarten kann.

  • Stephan Haring

    Stephan Har­ing ist freier Mitar­beit­er unser­er dig­i­tal­en Tageszeitung. Er hat ein Bach­e­lor-Studi­um der Kom­mu­nika­tion­swis­senschaften an der Uni­ver­sität Erfurt mit den Neben­fäch­ern Sozial­wis­senschaften & Poli­tik absolviert. Im Nach­hinein arbeit­ete er in lei­t­en­den Funk­tio­nen der Presse- & Öffentlichkeit­sar­beit, im Leitungs­bere­ich eines Unternehmens sowie als Rek­tor ein­er pri­vat geführten Hochschule. Zudem entwick­elte, organ­isierte und real­isierte er mit der durch ihn entwick­el­ten LOOK ein Fash­ion­event in Schw­erin. Heute arbeit­et er freiberu­flich als Tex­ter, Press­esprech­er und Tex­tko­r­rek­tor sowie als Berater in ver­schiede­nen Pro­jek­ten. In einem Schw­er­iner Orts­beirat ist er zudem ehre­namtlich als Vor­sitzen­der kom­mu­nalpoli­tisch aktiv.

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