Schwerin: Säulengebäude wird junge Markthalle!

Seit gestern Abend, 18:10 Uhr, ist es klar: Das Säulengebäude in Schwerin soll wieder eine Markthalle werden. Schon im Sommer soll Leben einziehen.

Die Würfel sind gefallen: Das Säulengebäude in Schwerin soll wieder eine Markthalle werden. | Foto: privat

Das kam für manche überraschend – für einige war es sogar ein kleiner Paukenschlag am gestrigen Abend im Wirtschaftsausschuss. Das den Marktplatz Schwerin optisch prägende Säulengebäude soll soll wieder eine Markthalle werden. Das 1785 erbaute Gebäude mit den vierzehn dorischen Säulen war seinerzeit bereits als eben eine solche Markthalle errichtet worden. Nun kommt ein Konzept zweier Schweriner zum Tragen, das zu den Ursprüngen des Hauses zurückkehrt.

Eis, Bistro und kreative kleine Shops in Markthallen-Idee

Bereits Anfang vergangener Woche hatten wir ausführlich das Konzept von Thomas Jezerkowski und Martin Neuhaus vorgestellt. Kurz umrissen sieht es vor, im Bereich des Erdgeschosses kleine Shops einzurichten. Im kleinsten Fall ist ein Shop dann nur unwesentlich breiter als eine Doppelflügeltür und so (wenig tief) wie das Gebäude. Ohne tatsächlich eine Vermarktung betrieben zu haben, fanden sich schnell verschiedene, kreative Unterstützer und potenzielle Nutzer. Vom hippen Softeis-Laden über ein kleines Bistro bis hin zu Designerprodukten made in Schwerin und anspruchsvollen Souvenirs reichen nun die bunten Ansätze. Und wer noch Ideen hat, kann sich weiterhin an Martin Neuhaus und Thomas Jezerkowski wenden. Die Idee der beiden Schweriner scheint also tatsächlich einen Nerv getroffen zu haben.

Viel positives Echo aber auch großer Respekt vor der Aufgabe

Eine Idee, die auch bei den Schwerinerinnen und Schwerinern offenbar auf viel Interesse und Zustimmung stößt. Denn schon kurz nach Veröffentlichung unseres Artikels vor elf Tagen, in dem Neuhaus und Jezerkowski ihr Konzept vorstellten, schossen die Klickzahlen in die Höhe. Eifrig wurde der Artikel auf Facebook geteilt, um möglichst viele weitere Menschen über die frisch-dynamische Idee zu informieren. Ganz abgesehen von unzähligen Kommentaren, die nahezu durchweg positiv waren. Natürlich aber waren auch zweifelnde Stimmen dabei. „Wir haben uns riesig über das positive Echo auf unseren Gang an die Öffentlichkeit gefreut. Es war uns einfach wichtig, dass die Schwerinerinnen und Schweriner unsere Ideen kennen und wissen, dass wir noch total offen sind für zusätzliche Ideen. Aber wir haben ebenso bewusst auch die Hinweise und zweifelnden Stimmen gelesen. Denn so sehr wir zweifellos hinter unserer Idee stehen, so viel Respekt haben wir auch vor dem Gebäude und seiner Bedeutung für die Schwerinerinnen und Schweriner“, so Martin Neuhaus.

Baudezernent Bernd Nottebaum | Foto: SIS/Christoph Müller

Zweites Konzept bis zuletzt nicht öffentlich bekannt

Ganz offensichtlich begeisterte die Idee auch die Stadtspitze der Landeshauptstadt Schwerin. Denn Dr. Rico Badenschier, Andreas Ruhl und Bernd Nottebaum entschieden sich in einer Dezernentenrunde Anfang der Woche für das Konzept von Jezerkowski und Neuhaus. Dies teilte Baudezernent Bernd Nottebaum auf der gestrigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses mit. Dass dies kein Selbstläufer war, stellte der stellvertretende Oberbürgermeister aber auch klar. Denn es gab ein zweites Konzept, mit dem die Dreescher Werkstätten ins Rennen um das Gebäude gegangen waren. Im Gegensatz zu Neuhaus und Jezwerkowski hatten die Dreescher Werkstätten aber die Öffentlichkeit bewusst nicht über ihr Vorhaben informieren wollen. Zweimal fragte unsere Redaktion an, und beide Male hieß es, man werde über das Konzept erst öffentlich sprechen, wenn eine Entscheidung gefallen sei.

Nun klar: Dreescher Werkstätten planten Inklusions-Restaurant 

Nottebaum informierte nun im öffentlichen Teil der Sitzung, das aus Sicht der Stadt durchaus ebenfalls sehr interessante Konzept habe ein durch Menschen mit Behinderung betriebenes Restaurant der mittleren bis gehobenen Klasse vorgesehen. Vor dem Hintergrund des Inklusionsgedankens zweifellos eine spannende Idee. Nach Gesprächen mit beiden Bewerbern und deren Konzeptvorstellungen habe man festgestellt, dass die Idee von Thomas Jezerkowski und Martin Neuhaus „tatsächlich nur im Säulengebäude realisierbar“ sei. Das Restaurant-Konzept hingegen könnte auch an einem anderen geeigneten Standort Wirklichkeit werden.  Zudem soll der Dornröschenschlaf des Säulengebäudes schnell enden. Die Markthallen-Idee sieht eine baldige Realisierungsphase vor. Die Dreescher Werkstätten hätten erst 2021 mit der Umsetzung starten können. Beide Faktoren sprachen eindeutig für die Markthallen-Idee.

Verwaltung will bei Suche nach geeignetem Alternativstandort unterstützen

Laut Aussage des Dezernenten für Bauen und Wirtschaft soll sich Stephan Hüppler, Geschäftsführer der Dreescher Werkstätten, zwar nachvollziehbar enttäuscht aber offen gezeigt haben. Offen für Gespräche mit der Verwaltung über einen anderen geeigneten Standort zur Realisierung der Idee seines Unternehmens. Hier, so Nottebaum, werde es auch einen gemeinsamen Weg geben. Er zeigte sich optimistisch, dass dann auch die Dreescher Werkstätten ihr Konzept eines Inklusions-Restaurants der mittleren bis gehobenen Klasse in Schwerin umsetzen können.

Thomas Jezerkowski und Martin Neuhaus (1. und 2. v.l.) wollen frischen Wind ins Säulengebäude Schwerin bringen. | Foto: privat

Vertragsgespräche in Kürze

Nun aber will die Verwaltung bald in Vertragsverhandlungen mit dem Ziel einer baldigen Realisierung der Markthallen-Idee gehen. Angedacht sei ein Pachtvertrag mit einer befristeten Laufzeit. Die Details aber wolle man in Ruhe mit den beiden Ausschreibungs-Gewinnern besprechen. Sicher ist, dass eine barrierefreie Zuwegung von außen realisiert wird. Ob und inwieweit man auch im Innenleben des Hauses ein Fahrstuhl einbaut, wird sich zeigen. Die Machbarkeit prüft die Verwaltung derzeit, um ggf. zügig handeln zu können. Vermutlich wird das allerdings nicht zuletzt auch von der zukünftigen Nutzung des I. Obergeschosses abhängen.

„Wir freuen uns über jede Idee“

Hier hatten beide Konzepte bewusst Spielraum für verschiedenste Möglichkeiten gelassen. Sowohl von Seiten der Stadt als auch der beiden zukünftigen Markthallen-Betreiber wäre eine Nutzung durch die Stadtmarketing oder auch den Welterbeverein denkbar. Aber das sind noch komplett offene Ideen – die nicht zuletzt ja auch die jeweiligen Partner selbst auch mit zu entscheiden haben. Vielleicht kommt es auch noch anders. „Auf jeden Fall aber werden wir auch das Obergeschoss beleben“, so Thomas Jezerkowski. „Wir sind angetreten, dass Säulengebäude mit Schwerin und für Schwerin aus dem Schlaf wachzuküssen. Dazu gehört natürlich nicht nur das Erdgeschoss. Und es ist auch noch nichts in Stein gemeißelt. Wir freuen uns über jede Idee, die an uns herangetragen wird.“

Das Säulengebäude Schwerin | Foto: LHS

Schon im Sommer sollen erste Shops geöffnet sein

Gefragt nach den zeitlichen Zielen zeigen sich Jezerkowski und Neuhaus realistisch aber klar fokussiert. „Wir wollen auf jeden Fall im Sommer starten. Dann werden noch nicht alle Shops fertiggestellt sein. Aber im Sommer soll und wird die Markthalle erwachen.“

Jetzt aber müssen sich die zwei erst einmal von dem „positiven Schreck“ kurz erholen. Denn nach Wochen und Monaten des Bangens ist die plötzliche Klarheit ebenso schön wie auch ein kleiner Schockmoment. „Wenn sich der erste positive Schreck gesetzt hat, geht es auch sofort los. Wir wollen gern schnellstmöglich die Gespräche mit der Stadt führen. Und auch mit unseren Partnern und Unterstützern beginnen nun viele kreative absolut offene Runden. Wir wollen schließlich kein langweiliges Mietobjekt sondern einen lebendigen, kreativen Platz mitten in unserem wundervollen Schwerin schaffen.“ Die Unterstützung wohl fast aller Mitglieder des Wirtschaftsauschusses haben die zwei. Das war gestern Abend spürbar. Ausschussvorsitzender Daniel Meslien wünschte beiden von Herzen „Alles Gute“ und machte kein Geheimnis aus seiner Vorfreude auf manch Softeis im Sommer.

Drücken wir den beiden zusammen ganz fest die Daumen. Schwerin-lokal wird Thomas Jezerkowski und Martin Neuhaus auf jeden Fall in den kommenden Monaten im Blick behalten und begleiten. Denn ihr Projekt ist tatsächlich der Anfang von etwas ganz Neuem…

 

Redaktion

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