Einsatz für die Paulshöhe: Fehler werden weniger werden

Schwerin, 20.06.2017 (red/hk).  Nachdem es nach der Demonstration gegen den Abriss der Paulshöhe Diskussionen um die Teilnahme von NPD-Kadern und Hooligans am vergangenen Sonntag gegeben hat, sprachen wir mit dem Anmelder Staphan Martini über diese Vorwürfe. 

Stephan Martini war Anmelder der Demonstration für den Erhalt der Paulshöhe Foto: privat

Nachdem die Demonstration für den Erhalt der Paulshöhe am vergangenen Sonntag erfolgreich gewesen ist, gab es stellenweise Diskussionen über den Personenkreis, der teilgenommen hat. Vor allem die Teilnahme von NPD-Kadern und Hooligans stieß dabei auf Unverständnis und Kritik. Wir haben uns die Frage gestellt, ob die Organisatoren hier nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ die Teilnahme von Verfassungsfeinden in Kauf genommen haben? Deshalb sprachen wir mit dem Anmelder Stephan Martini über den Erfolg der Demonstration, zukünftige Planungen und das Problem der Teilnahme von Verfassungsfeinden.

Schwerin-Lokal: Die Demo am vergangenen Sonntag zum Erhalt der Paulshöhe war mit 300 Teilnehmern für Schweriner Verhältnisse gut besucht. Wie bewerten Sie den Erfolg?

Stephan Martini: Erfolg. Das ist ein Wort, das ich gerne in den Mund nehme, wenn Erwartungen übertroffen werden. Ich hatte als Anmelder anfangs 100 Personen erwartet und das auch in der Anmeldung der Demonstration so angegeben. Beim Kooperationsgespräch zwischen Stadt, mir als Anmelder und der Polizei wurde dann eine Einigung auf bis zu 150 Teilnehmer erzielt. Die Zahl von 300, gerade aus so vielen Sportvereinen und Fans von außerhalb hatte mich dann sehr überrascht.

Schwerin-Lokal: Glauben Sie, dass eine Demonstration eine Entscheidung für die Paulshöhe bewirken kann?

Stephan Martini: Eine Demonstration nicht. Es wird ja eine weitere Demonstration im August geben, in der heißen Phase der Bundestagwahl. Bis dahin wird sich auch der – ich nenne es mal – stärkere zweite Flügel zusammenfinden und sich eine Struktur geben. Dann habe ich auch nicht mehr die Bürde und Verantwortung zu tragen, sondern diese wird von einem neuen starken Bündnis getragen. Am 3. Juli trifft sich das entstehende Bündnis, an dem viele der Demo-Teilnehmer sich beteiligen werden. Dort werden dann die Vereinsvorsitzenden und Mitglieder beispielsweise des Kreisanglerverbandes, des Kanuten Vereins, der Waldorfschule, der Parteien (von CDU bis Linke) gemeinsam an der Zukunft der Paulshöhe arbeiten.

 

Die Demonstration war weit mehr als NPD und Hooligans

 

Schwerin-Lokal:  Kritisiert wurde nun im Nachgang allerdings die Teilnahme von Hooligans und NPD-Kadern an der Demonstration. Heiligt hier der Zweck die Mittel?

Stephan Martini: Das wurde ja zu Recht kritisiert. Normalerweise antworte ich auch auf so eine Frage mit einem deutlichen „Ja“. Doch hier liegt der Fall anders. Vor der Demonstration wurden von Unterstützern des Paulshöhe-Erhalt im Innenstadt Bereich illegal Plakate angebracht. Auf dem Marienplatz, am Platz der Freiheit und im Tunnel in der Lübecker Straße gab es sogar ein 15 Meter langes Graffiti. Natürlich war hier schon im Vorfeld eine Grenze überschritten. Sowohl wildes Plakatieren, aber auch Graffiti, sind nicht erlaubt. Und ist mir bewusst. Dennoch verurteile ich diese Mittel nicht.

Was die Teilnahme von Hooligans und NPD`lern angeht, so habe ich bereits zwei Tage zuvor mehrere deutliche Aufrufe in den sozialen Netzwerken gestartet. In der offiziellen Veranstaltungsseite haben wir vom Organisationst am bekannt gegeben, dass wir menschenfeindlichen Personen, die mit einer Teilnahme einen lebendigen Sport und vor allem das gute Anliegen des Protestes behindern keinen Platz geben werden.

Weiter habe ich über meine persönlichen Facebook-Account eine Person namentlich ausgeladen. Hierbei handelt es sich um Uwe Wilfert, der gerne als OB-Kandidat angetreten wäre, dessen Eignung aufgrund vieler rassistischen menschenfeindlicher Äußerungen aber vom zuständigen Wahlausschuss abgelehnt wurde, da dieser Zweifel an der Verfassungstreue Wilferts hatten. Bei der Bekanntmachung seiner menschenverachtenden Äußerungen habe ich mich selber damals engagiert. So einen Menschen wollte ich auch am vergangenen Sonntag nicht dabei haben.

Schwerin-Lokal: Warum haben Sie als Anmelder solche Teilnehmer nicht ausgeschlossen?

Stephan Martini: Es gab im Vorfeld viele Diskussionen, wer kommen darf und wer ausgeschlossen wird. Der Konsens war es, dass keine Parteiabzeichen oder politischen Meinungsäußerungen von Parteien zulässig sind. Das hat auch einwandfrei funktioniert.

Politiker der NPD generell ausgeschlossen werden, da deren Weltbild die Vielfalt, die gerade im Fußballsport wichtig ist, zunichte macht. Die NPD und Menschen, die sich für die NPD öffentlich engagiert haben, sind unerwünscht gewesen.

Die AfD wurde maximal als „Randerscheinung“ toleriert. Als die AfD mit einem Werbe-LKW zum Startpunkt anrollte, habe ich diesen umgehend ohne jede weitere Rücksprache aus dem Sichtfeld der Demonstration verwiesen und polizeiliche Maßnahmen angedroht. An dieser Stelle einen großen Dank an die Polizeibeamten vor Ort, die einen hervorragenden Job gemacht haben.

Das NPD-Politiker, drei sind bisher in der Nachrecherche aufgefallen, dabei waren, sehe ich als einen Fehler und Versagen meinerseits an. Das hätte in der Form auch nicht passieren dürfen. Entsprechende Konsequenzen habe ich bereits gezogen und  bei kommenden Veranstaltungen wird verstärkt nachgeschaut.

Mir fehlte einfach die nötige Übersicht. Alleine die AfD-Stadtpolitikerin Petra Federau vom Front- Banner weg zu bewegen, kostete mir während der Demo schon Nerven und Zeit.

Die Demonstration war aber weit mehr als nur „Hooligans und NPD“. Beispielsweise waren Mitglieder der Partei Die Linke anwesend. Ebenso war ein Lehrer der Waldorfschule, sowie der „Chef“ der Kanuten, die ihr Quartier gegenüber der Paulshöhe haben, unter den Teilnehmern. Einer von denen hat aus biologischen Gründen eine Glatze. Ein weiteres ASK-Mitglied, das seit Jahren links-politisch in der Stadt aktiv ist, hat ebenfalls „Geheimratsecken“. Auch viele Sportler, beispielsweise der Redner von den Kanuten, hat einen Haarschnitt und eine Statur, die durchaus von Antifaschisten oder Kritikern politisch anders „eingeordnet“ werden könnte. Vergessen darf man auch nicht, dass Sportler in der Masse kaum Locken und lange Haare haben und oftmals etwas stabiler und muskulöser sind. Daher sollte man die Diskussion nicht verengen. Bis auf den angesprochenen kleinen Teil, waren die Teilnehmer nicht rechtsextremistisch.

Schwerin-Lokal: Wie wollen Sie in Zukunft mit solchen Teilnehmern umgehen?

Stephan Martini: Ich selbst werde bei derartigen Themen weiterhin mein Bestes tun, um radikalen Subjekten den Zugang zu Demonstrationen und Veranstaltungen, deren Anmelder ich bin, zu erschweren. Doch dafür brauche ich Unterstützung von Menschen, die die rechte – radikale Szene kennen. Mein Leben besteht aus Kommunalpolitik. Ich schaffe es gerade noch die Eckpunkte der Landes-, Bundes- Europa-, und Weltpolitik aufzunehmen. Ich kann nicht alle NPD`ler kennen, darum kümmern sich Menschenbeispielsweise von Endstation Rechts. Deren Support ist bei kommenden Veranstaltungen also gefragt und genauso willkommen wie alle anderen Teilnehmer. Hauptsache es bleibt friedlich.

Wenn Teilnehmern von Veranstaltungen und Demonstrationen auffällt, dass doch noch irgendwas deutlich zu “Radikales“ dabei ist oder dass hier von Teilnehmern nur politische Ideologie gestreut werden soll, dann stehe ich generell bereit für diese Informationen. Das Zauberwort ist hier „Kooperation“ und dieses Zauberwort bedarf eines offenen und konstruktiven Miteinanders. Steinewerfern und Menschenhasser, egal aus welcher politischen Richtung, sind bei der Frage des Paulshöhe-Erhaltes nicht erwünscht – zumindest nicht von mir. Und das werde ich am 3. Juli bei der offiziellen Gründung des Bürgerbündnisses auch kurz thematisieren.

Allerdings finde ich es Schade, dass hier auf einige wenige Teilnehmer geschaut wird. Das Online Sportportal Turus.net hat hier einen guten Beitrag von der Bandbreite veröffentlicht. Mit dabei waren am Sonntag Fans von Anker Wismar, sogar eine kleine Delegation des FSV Dynamo Eisenhüttenstadt, SG Aufbau Boizenburg, SV Warsow 1997 und viele andere. Bereits im Vorfeld der Demonstration zeigten sich etliche Mannschaften und Fans der Region solidarisch und schickten Fotos mit entsprechenden Botschaften ein, die dann auf Facebook und der Webseite der Initiative „Rettet die Paulshöhe“ präsentiert wurden. So auch der SV Fortschritt Neustadt Glewe, der SV Stralendorf, die Ü35 von Anker Wismar und der Schweriner SC sowie die Mannschaften von Eintracht Ludwigslust 1994, des MSV Pampow, des FSV Leezen, und des Dargetzower SV.

 

Ich setze auf die Gründung der Bürgerinitiative

 

Schwerin-Lokal: Sie sprachen nach der Demo von einem guten Auftakt. Was ist nun zu erwarten?

Stephan Martini: Einerseits wurde mir von verschiedenen Mitgliedern der Partei Die Linke zugetragen, dass auch dort nun eine Fürsprache zur Paulshöhe zu erwarten ist. Ich bin sehr gespannt, wie sich die neuen Befürworter am 26. Juni auf der Stadtvertretersitzung zum Antrag der ASK positionieren, für die Paulshöhe einen Bestandschutz durchzusetzen. Eine Weiterleitung in die Fachausschüsse würde hier einen deutlichen Erfolg darstellen.

Weiter setze ich persönlich auf die offizielle Gründung der Bürgerinitiative und das die dort Agierenden in ihrem Wirkungskreis aktiv Werbung für die Kampagne machen. Die Waldorfschule, der Kreisanglerverband und die Kanurenngemeinschaft stellen für mich die wichtigsten Partner da. Zudem hoffe ich darauf, dass auch SPD und noch mehr CDU-Politiker erkennen, dass die Paulshöhe mehr als nur ein Sportplatz ist.

Auf jeden Fall danke ich für die Fragen. Gerne nehme ich weitere Kritik in Kauf. Fakt ist für mich, dass es keinen Beschluss der Stadtvertretung geben darf, die Paulshöhe irgendwelchen „Bonzen“ als Bauland anzubieten. Das Konzept aus dem Jahr 2010/2011 ist an sehr vielen Stellen fehlerhaft und es wurde inzwischen sehr oft davon abgewichen, dass nun ein neues erarbeitet werden muss. Dafür werde ich weiter streiten. Mit Fehlern und Versäumnissen, die hoffentlich, dank aller aktiven Unterstützer, weniger werden.

 


Stephan Martini ist Geschäftsführer der Wählergemeinschaft Aktion Stadt- und Kulturschutz (ASK), die sich in der Vergangenheit immer wieder für den Erhalt der Paulshöhe stark gemacht hat. Am Sonntag war er der Anmelder und Organisator der Demonstration „Wer einen fast 100 Jahre alten Sportplatz abreißen will, hat den Status eines Weltkulturerbes nicht verdient!“

 

Redaktion

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