Schwerin: Kritische Stimmen zum Abstrichzentrum

Das Abstrichzentrum Schwerin erleichtert die Corona-Diagnose deutlich. Aber es mehrt sich Kritik am Standort. Auch steht der Müll öffentlich zugänglich.

Das Abstrichzentrum Schwerin befindet sich in der Nähe zu Wohngebäuden und einem Schulgebäude. | Foto: schwerin-lokal

Am vergangenen Donnerstag hat in der Landeshauptstadt Schwerin eines der landesweit bislang neun Abstrichzentren seine Arbeit aufgenommen. Damit erfolgt eine Entlastung der Allgemeinarzt-Praxen in der Landeshauptstadt, aber auch in Teilen des Umlandes. Denn bei nur wenigen möglichen Zentren ist klar, dass jedes einzelne auch über Stadtgrenzen hinweg agieren muss. Während man in manch anderen Punkten über die Entscheidungsfreude der Stadt in diesen Tagen zumindest diskutieren kann, ging bei dem Abstrichzentrum alles koordiniert und schnell. Vielleicht zu schnell, könnte man meinen. Denn seit Tagen gibt es Kritik am Standort. Und im Vergleich beispielsweise zu Greifswald diskutieren die Menschen auch über die Abläufe.


Standort des Abstrichzentrums steht in der Kritik

So steht im Fall Schwerin die unmittelbare Nähe zu einem Schulgebäude, in dem zwei Grundschulen untergebracht sind, in der Kritik. Nun sind die Schulen ab heute zwar grundsätzlich geschlossen, aber zum Zeitpunkt der Entscheidung zum Standort des Abstrichzentrums war dies nicht der Fall. Noch bis Freitag lehnte die Stadtspitze eine Schließung der Schulen sogar recht klar ab. Es war also erkennbar, dass man beide Einrichtungen nur etwa 200 Meter voneinander entfernt betreiben muss. Und entschärft sich diese Problematik nun auch etwas – zumindest heute findet dort noch die Notbetreuung des Übergangstages statt. Damit bleibt die Problemsituation noch bestehen. 

Ein weiterer Kritikpunkt findet sich in der Nähe zu zahlreichen Wohngebäuden. Praktisch direkt hinter dem Objekt befinden sich die neuen Wohneinheiten der „Alten Brauerei“. Nur wenige Meter entfernt vom Abstrichzentrum liegen die Wohngebäude der Güstrower Straße. 

„Ich war geschockt, als ich das gelesen habe“

Stefanie Sperling, Schul-Elternratsvorsitzende der „Nordlichter“, war nach eigenen Worten „geschockt“, als sie in der Schweriner Volkszeitung vom geplanten Standort erfuhr. Da war es noch eher Spekulation, dass das Zentrum in die Baracke des Parks an der Werderstraße kommen könnte. Praktisch einen Tag später begannen allerdings die Arbeiten. Demnach war vermutlich schon alles entschieden. Stefanie Sperling stellt für die Eltern der Schule die Frage, weshalb man eine Einrichtung, in die erkrankte Menschen zur Überprüfung auf den Corona-Virus geschickt werden, in unmittelbarer Nähe zu den Grundschulen und zu einem Wohngebiet errichten muss. „Weshalb hier mitten in der Stadt? Genau an diesem Gebäude geht der Schulweg zahlreicher Schüler vorbei. Und nur wenige Meter entfernt wohnen Menschen. Darunter auch viele ältere und alte. Weshalb kann man so etwas nicht fernab so sensibler Bereiche in einem Gewerbegebiet oder einem weniger kritischen Standort als hier einrichten?“


„Die Menschen haben Angst und sind verunsichert“

Auch die Ortsbeiratsvorsitzende Claudia El Aaraik kritisiert die Standortentscheidung der Verwaltung deutlich. „Der Weg durch den Park ist Schulweg für viele Kinder und wird ebenfalls von vielen Anwohnern genutzt. Es kann nicht sichergestellt werden, dass es keinen Kontakt zwischen Bürgern/Schülern und Patienten gibt. Die Einrichtung befindet sich in der Stadt, in der Umgebung wohnen viele ältere Bürger. Sie haben Angst und sind verunsichert. Es ist zudem beschämend, dass der Ortsbeirat nicht mit einbezogen wurde“, schreibt sie in einer Nachricht an die Stadtverwaltung Schwerin. Ebenfalls gegen den Standort spricht aus Sicht von Stefanie Sperling und Claudia El Aaraik die Frage der Erreichbarkeit. „Es gibt keine Parkplätze. Mit dem Nahverkehr sollten die erkrankten Bürger wohl eher nicht fahren“, so El Aaraik.

 

Wenige der zahlreichen Parkplätze wurden in Kurzzeitparken umgewidmet. | Foto: schwerin-lokal.de

Parkplatz-Suchverkehr auch in der Lagerstraße

Vor dem Hintergrund, dass schon am Donnerstag Nutzer des Abstrichzentrums in der direkt an die Schule angrenzenden Lagerstraße parkten, ist die Frage nicht unberechtigt. Allerdings kann und sollte man der Stadtverwaltung zugute halten, dass sie auf dem an den Park angrenzenden Parkstreifen der Werderstraße etwa fünf Parkplätze in Kurzzeitparkflächen umgewandelt hat. Bedenkt man aber, dass allein in den ersten vier Stunden 40 Tests gemacht wurden, wie Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier erklärte, deutet dies auf durchaus größere Bedarfe hin. Ganz abgesehen davon, dass dort PKW auch länger standen, sind die Plätze letztlich eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Es stellt sich die Frage, ob man nicht deutlich mehr der auf beiden Seiten der Straße vorhandenen Plätze entsprechend hätte umwidmen sollen. Damit würde sich, vielleicht auch mit einer besseren Ausschilderung, dieses Problem sofort entschärfen.


Abläufe werden hinterfragt

Ebenfalls kritisch sehen die beiden Frauen – und offenbar nicht nur sie – die Abläufe vor Ort . „Zwei Wachmänner ohne jegliche Schutzausrüstung nehmen die Überweisungen entgegen. Dann weisen sie die kränkelnden bzw. kranken Personen an, draußen zu warten. Zwischenzeitlich wurden wartende Gruppen auf dem Gelände gesehen, die sich im Zweifel natürlich miteinander unterhalten. Die Gefahr einer Ansteckung ist so durchaus gegeben. Stefanie Sperling fragt, weshalb man nicht ähnlich wie an anderen Orten mit einer Art „Drive in“ arbeitet. In Greifswald beispielsweise fährt man mit dem Auto vor, gibt den Schein ab, macht den Abstrich – alles aus dem Auto heraus – und ist weg. „Weshalb nicht solche Abläufe aus Zelten heraus an einer weniger sensiblen Stelle?“
 

Der Müll des Abstrichzentrums Schwerin steht öffentlich zugänglich und unverschlossen vor der Tür. | Foto: schwerin-lokal

Müll des Zentrums steht öffentlich zugänglich vor der Tür

Stefanie Sperling und Claudia El Aaraik sind aus ihren jeweiligen Funktionen heraus nun auch an die Öffentlichkeit gegangen. Sie sind, das steht außer Frage, absolut dafür, dass die Stadt und das Land alles tun, um die derzeitige Situation bestmöglich in den Griff zu bekommen. Auch sind sie nicht die typischen „Überall, nur nicht bei mir“-Menschen. Sie fragen aber, ob man das Abstrichzentrum von Schwerin wirklich direkt an einem Wohngebiet und an einem viel genutzten Schulweg in der Näher einer Grundschule einrichten musste. Speziell auch im Hinblick auf die psychologische Komponente. Denn natürlich sorgt so ein zentraler Ort, an dem sich nun zeitweise mit dem Corona-Virus infizierte Menschen aufhalten, für Unsicherheit. Einem Redakteur unserer Redaktion wurde dann auch etwas mulmig, als er am gestrigen Sonntag vor dem Zentrum eine nicht verschlossene – also für jeden problemlos zugängliche – Mülltonne stehen sah. Auf ihr ein Aufkleber, dass nur medizinische Abfälle hineindürfen. Und eben solche Abfälle des Abstrichzentrums befanden sich auch in der Tonne.

Redaktion

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