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Bald die schärfste Regeln in MV:
Schwerin plant rigorose Leinenpflicht

Bekommt Schwerin die schärfsten Hundehalter-Regeln in MV? Fast überall wäre dann das Gassigehen ohne Leine verboten. Eine andere Stadt im Land hat ähnliche Regeln gerade erst aufgehoben.

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  • Veröffentlicht April 23, 2024
Hund an der Leine
Sollte die Stadtvertretung zustimmen, würde die Leinenpflicht für Hunde demnächst erheblich ausgeweitet werden.

Schwerin könnte bald die strengsten Regeln für Hundehalter in MV haben. Auf der kommenden Sitzung der Schweriner Stadtvertretung am kommenden Montag hat die Verwaltung eine Beschlussvorlage vorgelegt, die eine drastische Verschärfung der Hundehalter-Verordnung wäre: Künftig soll in der gesamten Stadt Leinenpflicht für Hunde gelten, es sei denn, sie befinden sich auf einer der speziell ausgewiesenen Freilaufflächen.

Keine Stadt im Land praktiziert das so

Bislang galt der „Leinenzwang“ nur in den Innenstadt-Vierteln. Zukünftig könnten Verstöße gegen die neue Regelung mit Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Mit dieser Maßnahme hebt sich Schwerin deutlich von anderen Kommunen im Nordosten ab. Jörg Vogelsang vom Verein „Hundesport MV“ aus Dummerstorf hatte schon im März gegenüber der “Ostsee-Zeitung (OZ) betont: „Mir ist keine Stadt in MV bekannt, in der das so praktiziert wird.“

In Greifswald wurde zum Jahreswechsel eine ähnlich strenge Regelung aufgehoben. Während die meisten Kommunen in MV das unangeleinte Gassigehen in bestimmten Bereichen verbieten, haben einige Städte und Gemeinden keine eigenen Regelungen. Generell ist jedoch die Landesverordnung maßgeblich, die eine Leinenpflicht in Bussen und Bahnen, bei größeren Menschenansammlungen sowie in Zoos und Geschäften vorschreibt.

Reaktion auf Beschwerde der Behindertenvertretung

Die Verschärfung der Regelung begründet die Stadt mit den Beschwerden der Behindertenvertretung. Steffen Liebknecht, Behinderten- und Seniorenbeauftragter der Stadt, appelliert an das Verständnis der Hundebesitzer: „Ältere und beeinträchtigte Menschen empfinden es oft als bedrohlich, wenn ein Hund auf sie zuläuft.“

Christina Claßen vom Hundesportverein Schwerin sieht zwar Vorteile in der Verschärfung, weist jedoch darauf hin, dass nicht jeder Halter eine der zugelassenen Laufflächen in der Nähe hat. Besonders ältere und ärmere Personen könnten dadurch benachteiligt werden. Zudem seien die offiziellen Freilauf-Wiesen ungeeignet, da sie oft nicht eingezäunt sind und an stark befahrene Straßen grenzen.

In Schwerin sind derzeit rund 4.000 Hunde angemeldet. Ulrike Schmidt vom Verband für das Deutsche Hundewesen, Landesverband MV, unterstützt die Neuregelung grundsätzlich: „Eine allgemeine Leinenpflicht ist in Ordnung, so lange es genügend freigegebene Auslaufflächen gibt.“

Hauptausschuss empfiehlt Zustimmung

Die Verwaltung argumentiert damit, dass die alte Verordnung bisher viele Abgrenzungsprobleme habe. Die neue Regelung soll daher deutlich schlanker und verständlicher sein. 

Alles sieht im Moment so aus, als wenn die Verschärfung der Regeln für Hundehalter am kommenden Montag eine Mehrheit in der Stadtvertretung finden sollte. Anfang April hatte schon der Hauptausschuss der Stadtvertretung empfohlen, die vorgelegte Neufassung der Stadtverordnung zu beschließen. Sieben Mitgliedes des Ausschusses stimmten damals dafür, drei Ausschussmitglieder enthielten sich damals. 

Für Vierbeiner gibt es in Schwerin sechs Auslaufflächen ohne Leinenpflicht:

  • Fläche am Buchenweg im Stadtteil Schelfwerder
  • Hangterrasse neben der ehemaligen Gaststätte „Panorama“ im Stadtteil Weststadt
  • Lungenklinik in der Lübecker/ Gadebuscher Straße im Stadtteil Lankow
  • Bereich parallel zur Haselholzstraße im Stadtteil Gartenstadt
  • Teilbereich der Grünanlage im Grünen Tal im Stadtteil Großer Dreesch
  • Südwestufer am Faulen See an der Fußgängerampel unterhalb der SVZ
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Stefan Rochow

ist Journalist, Unternehmer und Gründer von SNO | Schwerin-Lokal. Mail: redaktion@sn-o.de

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