Schwerin: Städtische Kultureinrichtungen schließen

Seit gestern ist er in Kraft, der zweite Lockdown. Obwohl auch kommunale Einrichtungen betroffen sind, ist noch deutlich mehr möglich, als beim ersten Mal.

Um bald wieder mehr Freiraum genießen zu können, heißt es jetzt auch in Schwerin, soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. | Foto: Symbolbild

Seit gestern befindet sich Deutschland in einem erneuten Lockdown. Neben allen Gastronomien und überwiegend auch den Hotels müssen unter anderem auch zahlreiche Kultureinrichtungen schließen. Auch in Schwerin bleiben daher nun bis Ende November viele Türen kommunaler Institutionen geschlossen. Veranstaltungen sind abgesagt.

 

„Der Speicher“ und „Schleswig-Holstein-Haus geschlossen

So teilte die Pressestelle der Stadt Schwerin gestern mit, dass neben dem Schleswig-Holstein-Haus auch das soziokulturelle Zentrum „Der Speicher“ vorerst bis Ende November nicht öffnet. Geplante Veranstaltungen sind verschoben – die noch geplanten Lesungen der Schweriner Literaturtage entfallen ersatzlos. Bereits erworbene Eintrittskarten nehmen die Vorverkaufskassen zurück. Das Kulturinformationszentrum in der Puschkinstraße ist zudem nur nach vorheriger telefonischer Vereinbarung für persönliche Termine geöffnet.

 

Verschiedene Einrichtungen teilweise oder weitestgehend geöffnet

Etwas differenzierter gestaltet sich die Öffnungsthematik bei zahlreichen anderen städtischen Einrichtungen. So bleiben Sternwarte und Planetarium für angemeldete Schulklassen geöffnet, während öffentliche Vorführungen vorerst entfallen. Da das Volkskundemuseum in Mueß ohnehin zum 31. Oktober 2020 seine Saison beendete, sind hier alle Innenräume ohnehin bereits geschlossen. Das Außengelände steht aber für Spaziergänge zur Verfügung.

Für Ausleihe und Rückgabe geöffnet bleiben darüber hinaus die Stadtbibliothek, die Stadtteilbibliotheken sowie das Stadtarchiv. Mit dem mobilen Medienservice haben Nutzer der Stadtbibliothek darüber hinaus immer dienstags und donnerstags in der Zeit von 10:00 bis 12:00 Uhr und 13:00 bis 16:00 Uhr die Möglichkeit, Medien zu bestellen. Mitarbeiter der Festspiele MV liefern die Wunschmedien dann direkt nach Hause. Einfach anrufen unter (0385-) 5901938 eine E-Mail senden. Es ist auch möglich, nur den Abholservice von entliehenen Medien in Anspruch zu nehmen. WICHTIG: Geplante Veranstaltungen für den November wie beispielsweise Führungen aber auch Lesungen für Schulklassen oder Kita-Gruppen finden nicht statt.

 

Konservatorium mit Einzelunterricht, VHS faktisch geschlossen

Die Verordnung des Landes sieht zudem eine Aufrechterhaltung der Angebote der Musikschulen für Kinder- und Jugendliche vor – so dies das örtliche Infektionsgeschehen gestattet. Für das Konservatorium ist daher nun die Regelung getroffen, dass die Angebote für Kinder und Jugendliche nur noch auf Einzelunterricht beschränkt bleiben. Der Unterricht sollte möglichst online stattfinden. Alle geplanten Veranstaltungen und Konzerte des Konservatoriums bis Ende November 2020 sind verschoben oder abgesagt.

Stark betroffen vom Lockdown ist die Volkshochschule der Stadt Schwerin. Dort erfolgt eine Unterbrechung bzw. Verschiebung aller Kurse und Veranstaltungen. Eine Ausnahme bilden dabei die Schulabschlusskurse im „Campus am Turm“. Kursleiter und -teilnehmer werden umgehend informiert, sobald sich die Situation wieder entspannt. Aktuelle Informationen findet man auch unter www.vhs-schwerin.de.

 

Es gilt Lockdown + Coronastufe ROT in Schwerin

Wie bereits gestern berichtet, hat der Krisenstab der Landeshauptstadt Schwerin aufgrund der aktuellen Corona-Lage vor allem auch an den Schulen der Stadt entschieden, dass Sport- und Schwimmhallen ab sofort für den Publikumsverkehr geschlossen bleiben. Lediglich Schulschwimmen soll stattfinden. Für den in der Landesverordnung genehmigten Freizeitsport von Kindern und Jugendlichen bleiben lediglich die Sportplätze geöffnet. Dort können Kinder und Jugendliche unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln Sport treiben.

Gestern zeigten die Neuinfektions-Zahlen nach den mehrtägig höheren Werten wieder etwas Entspannung an. „Nur“ drei neue Fälle kamen hinzu, wie die Stadt mitteilte. Die aber doch sehr fallintensiven vergangenen Tage zeigen sich aber dennoch weiter im 7-Tage-Inzident-Wert. Dieser lagt gestern, 17:30 Uhr, bei 55,4. Sollten sich die Zahlen wieder im Bereich der bislang üblichen Werte einpegeln, ist aber zu hoffen, dass schon in Kürze wieder Stufe Orange, vielleicht bald auch wieder gelb gilt. Es hängt auch von den Schwerinerinnen und Schwerinern ab.

 

Kommentar

Stephan Haring, freier Redakteur

Es zeigt sich also bei genauem Hinsehen durchaus, dass dieser Lockdown auch in Schwerin deutlich weniger umfangreich ausfällt, als der im Frühjahr. So schmerzhaft er im Einzelfall zweifellos auch ist. Dass aber so manche nun erneut von „Einsperren“, „Freiheitsberaubung“ und ähnlichen Dingen sprechen, und sie die beiden deutschen Lockdowns untereinander oder gar mit denen von Spanien, Frankreich oder Italien gleichsetzen, ist nicht nachvollziehbar. Viele Einrichtungen bleiben ganz oder zumindest teilweise geöffnet. Schulen und Kitas sind offen und auch die meisten Unternehmen arbeiten im Modus der vergangenen Wochen und Monate weiter. Selbst das Einkaufen kann über Blumen, Baumaterial und Lebensmittel hinaus stattfinden.

Es gilt jetzt, Verantwortung zu zeigen

Für die Schwerinerinnen und Schweriner bedeutet dies aber um so mehr, jetzt Verantwortung gegenüber den Mitmenschen zu beweisen, und so rücksichtsvoll wie möglich die Lockdown-Zeit zu durchleben. Nur wenn wir jetzt – jeder für sich – die Vorgaben bestmöglich umsetzen und vor allem die privaten Kontakte ein Minimum reduzieren, haben wir eine Chance, im Dezember wirklich wieder aus dem Lockdown herauszukommen. Wer dies nicht verstehen kann oder will, muss nur in unsere europäischen Nachbarländer schauen. Von den „Gegnern“ der Maßnahmen war nach dem ersten Lockdown so gern und intensiv auf die Öffnungspolitik der Österreicher gezeigt worden. An Österreich sollte man sich ein Beispiel nehmen. In Österreich gilt seit heute ein nahezu identischer Lockdown wie bei uns. Allerdings mit einer wesentlichen Ergänzung: Von 20 Uhr bis 6 Uhr darf man nur mit wirklich triftigem Grund vor die Tür. Ist es wirklich das, was diejenigen wollen, die das Beispiel Österreich so gern heranzogen?

 

 

Redaktion

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