Schwerin: WGS ist auch in der Krise für die Mieter da

Thomas Köchig, GF der WGS verspricht: "Wir stehen unseren Mietern in der Krise bei". Zudem erläutert er die Hintergründe der Mieterhöhungen in Schwerin.

Viele Mieter der WGS Schwerin wohnen in zu DDR-Zeiten erbauten Häusern. | Foto: Symbolbild

Wie wir bereits am vergangenen Samstag berichteten, hat die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) in den vergangenen Tagen Mieterhöhungen an zahlreiche Mieter verschickt. Dass viele, die den Briefkasten öffneten und gerade in diesen Tagen solche Post fanden, nicht unbedingt erfreut waren, ist nachvollziehbar. Und auch aus der Kommunalpolitik Schwerins kam prompt eine Reaktion. Die Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB) protestierte und forderte die WGS auf, die Erhöhungen zurückzunehmen oder auszusetzen.


Niemand muss jetzt akut um seine Wohnung bangen!

Dass der Zeitpunkt nicht der allerbeste für eine solche Post ist, sahen und sehen wohl die meisten so. Und doch gibt es immer Gründe für die Entstehung solch ungünstiger Momente. Denn niemand wird wohl behaupten wollen, dass man bei der WGS bewusst in diesen Tagen Entscheidungen zu Mieterhöhungen trifft und sie direkt realisiert. Daher wollten wir natürlich genauer wissen, was konkret hinter den aktuellen Mieterhöhungen steckt.  Dafür sprachen wir mit WGS-Geschäftsführer Thomas Köchig. Dieser nutze die Gelegenheit und stellte gleich mit dar, wie die Wohnungsgesellschaft nun in dieser schwierigen Zeit für ihre Mieter ganz konkret da sein wird. Und dies vorweggenommen: Niemand muss jetzt akut um seine Wohnung bangen!


Fachsoftware steuert auch Mieterhöhungen automatisiert

Ein erster spannender Punkt, den man sich als Einzelmieter gar nicht so vor Augen führt, ist das Zustandekommen von Mieterhöhungen in großen Wohnungsunternehmen wie der WGS. Denn, das ist nachvollziehbar, es ist bei insgesamt etwa 10.000 Wohnungen im Bestand gar nicht möglich, für jede einzelne Wohnung die entsprechenden rechtlichen Situationen zu prüfen und ggf. das Erhöhungsschreiben zu versenden. Im konkreten Fall trifft es übrigens 4.000 der insgesamt 10.000 Mietparteien, die ab dem 1. Juli 2020 eine höhere Miete zahlen sollen. 

Aber zurück zu dem Ablauf. Denn all diese Tätigkeiten übernimmt eine komplizierte Fachsoftware. Sie prüft, nach dem Erscheinen eines neuen Mietspiegels in mehreren Schritten, welche Wohnung rechtlich für eine Mieterhöhung in Frage kommt. Etwa 4.000 Wohnungen kamen dabei heraus. Die anderen 6.000 Wohnungen erfüllten eines der genannten Kriterien nicht.  „All dies geschah“, und das ist jetzt extrem wichtig, “ bereits zu einer Zeit, als nur in China von Corona die Rede war“, so Thomas Köchig in Schwerin.

Bei 4.000 Wohnungen sind individuelle Anpassungen nicht möglich

Und er erklärt auch, dass ein manueller Eingriff in die automatisierten Abläufe letztendlich eine individuelle Bearbeitung jeder einzelnen Wohnung bedeutet. 4.000 Einheiten also in diesem Fall. Dafür aber hätte das Unternehmen gar nicht die erforderliche Manpower. Daher war auch ein kurzfristiges Stoppen des Versands nicht sinnvoll, denn die neuen Mieten stehen, automatisiert eingetragen, als Sollmiete in den jeweiligen Mietkonten. Deshalb ist auch die Variante eines Aufschiebens nicht realistisch. Auch dann wäre eine Bearbeitung aller 4.000 Wohnungen per Hand erforderlich.

Das Ganze ist auch eine Gerechtigkeitsfrage

Thomas Köchig sieht dabei aber noch eine weitere Perspektive, die bislang gar nicht Betrachtung fand. Wenn man jetzt 4.000 Mietern die Erhöhung erlässt, würden die anderen 6.000, die schon vorher erhöht wurden, zu Recht ebenfalls rückwirkende Änderungen fordern. Eine Gerechtigskeitsfrage, die nicht von der Hand zu weisen ist. Auch schaut der Geschäftsführer auf seine Mieterstruktur und geht davon aus, dass sich bei vielen Mietparteien durch die aktuelle Corona-Krise an den Einnahmen eher nichts ändern wird. Sie bekommen Rente oder staatliche Zuschüsse, die garantiert angepasst werden, da es sich nicht um extreme Steigerungen handelt.

Köchigs Ansatz: Konkrete Unterstützung derer, die jetzt wirklich Hilfe benötigen

Köchig rechnet mit etwa zehn Prozent aller WGS-Mieter, die möglicherweise betroffen sein könnten. „Und für eben diese Mieter will und wird die WGS selbstverständlich da sein.“ Und in diesem Zusammenhang gibt Thomas Köchig ein Versprechen in Bezug auf die aktuelle Situation. „Kein Mieter einer Wohnung der WGS wird seine Wohnung jetzt aufgrund der Corona-Krise und ihrer Folgen verlieren. Auch kein Gewerbetreibender wird seine Existenz in dieser Zeit aufgrund der Mietverpflichtungen aufgeben müssen.“ Vorerst ginge es um unbegrenzte und unbefristete Stundungen der Mietzahlungen. Dafür ist eine entsprechend ausreichende Liquidität vorhanden. Und auch deren Rückzahlung, so sie nicht durch staatliche Stellen oder Hilfsfonds erfolgen sollte, wird in Absprache mit den Mietern anhand ihrer Möglichkeiten vereinbart. Im Moment würden übrigens, so Köchig, selbst die gerichtlich bereits zugunsten der WGS entschiedenen Räumungsklagen nicht durchgezogen. „In dieser Zeit setzen wir niemand vor die Tür!“ 


Wir sind zu jeder Lösung bereit, die die Mieter hinterher nicht irgendwo an einen Pranger stellt, und die auch unser Unternehmen nicht gefährdet.“
 
(Thomas Köchig, Geschäftsführer WGS mbh)

Mieter sollen sich an WGS wenden, wenn sie das Problem kommen sehen

An die vielen tausend Wohnungs- und auch die Gewerbemieter richtet Köchig aber die Bitte. „Sprechen Sie sofort mit uns, wenn Sie das Problem real kommen sehen. Bitte nicht erst, wenn das Kind schon im Brunnen liegt“. Ganz wichtig sei, dass man gegenüber der WGS irgendwie mit einem Papier die kommende Situation nachweist. Das kann eine Antragsbestätigung des Jobcenters oder ein Bescheid des Arbeitgebers zur Kurzarbeit sein. „Es ist auch ausreichend, wenn Sie die erste Seite eines Arbeitsvertrages mitbringen, und man dieser entnehmen kann, dass Sie in einer Branche tätig sind, die derzeit unerwartet geschlossen wurde“ Bei Freiberuflern, Selbstständigen und allen anderen Unternehmern könnten es auch Kontoauszüge o.ä. sein. Diesen muss man  entnehmen können, dass das, was letzten Monat kam, jetzt nicht mehr kommt.“

Damit ist nun also klar: Ja, der Augenblick, in dem die Mieterhöhungen die Mieter erreichten, war schwierig. Aber es gab und gibt nachvollziehbare Gründe dafür. Die eigentlich wichtige Botschaft in diesen Tagen ist nun, dass die WGS bereit ist, um den Mietern ihrer Wohnungen zu helfen, die durch die Corona-Krise tatsächlich in existenzielle Sorgen kommen. 

 

 

 

 

 

 

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