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„Stromsperren verhindern“: Linksfraktion berät mit Stadtwerken

(pm/red) Arbeitslosigkeit und Armut sind erfreulicherweise auch in der Landeshauptstadt seit längerer Zeit auf dem Rückzug. Dennoch gibt es in der Stadt immer noch Menschen, die mit außerordentlich knappen Mitteln

  • Veröffentlicht Februar 5, 2015

dreesch schwerin

(pm/red) Arbeitslosigkeit und Armut sind erfreulicherweise auch in der Landeshauptstadt seit längerer Zeit auf dem Rückzug. Dennoch gibt es in der Stadt immer noch Menschen, die mit außerordentlich knappen Mitteln haushalten müssen und deshalb immer wieder in Gefahr geraten, ihre Rechnungen nicht bezahlen zu können.

Insbesondere mit Blick auf dem Strompreis, der infolge der Energiewende ohnehin schwer kalkulierbar geworden ist und der in einigen Fällen auch zu abrupt steigende Preisen geführt hat, ist ein Gefahrenpotenzial gegeben, das zu höheren Rechnungen führen kann, die manche Bürger der Stadt nicht mehr bezahlen können.

Die Linksfraktion ist nun auf den Plan getreten, um zu eruieren, wie viele Fälle einer Stromsperre es tatsächlich gegeben habe und um gemeinsam mit den Stadtwerken nach einer Lösung zu suchen.

„Nachdem uns im Dezember ein konkreter Hilferuf erreichte, bei dem auch Kindern von der Stromsperre betroffen gewesen wären, haben wir uns entschlossen, das Thema im Rahmen einer Arbeitskreissitzung bei den Stadtwerken zu diskutieren“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Henning Foerster die Initiative der Linken.

Die Stadtwerke Schwerin versuchen ihrerseits in einem mehrstufigen Verfahren, bei dem zu jeder Zeit die Möglichkeit besteht, über mögliche Auswege ins Gespräch zu kommen, eine tatsächliche Sperrung zu vermeiden. Ausgehend von knapp 20 000 Zahlungserinnerungen, über ca. 11 000 Mahnungen mit Sperrankündigung und ca. 3200 so genannten „roten Karten“, mit der Ankündigung des konkreten Sperrtermins, wurden 2014 letztlich noch ca. 700 Sperrungen durchgeführt. 60 Prozent aller Sperrungen entfielen auf die Altersgruppe bis 45 Jahre. Etwa die Hälfte der Sperrungen konnte nach 1-3 Tagen wieder aufgehoben werden.

Stadtwerke suchen nach individuellen Lösungen

„Wir haben den Eindruck, dass man seitens der Stadtwerke sehr sensibel mit dem Thema umgeht“, konzediert André Walther, Leiter des Arbeitskreises Wirtschaft der Linksfraktion. „Betroffene können sich telefonisch oder persönlich im Eckdrift oder in der Mecklenburgstraße melden, wo in den meisten Fällen eine Lösung gefunden wird. Dabei kann es um die Vereinbarung von Ratenzahlungen, aber auch um die Information zu weiteren Hilfsangeboten, wie z.B. die Ausreichung eines Darlehens über das Jobcenter, gehen. Wichtig ist, dass dies rechtzeitig erfolgt, denn die Bearbeitung von Anträgen bei Leistungsträgern zieht regelmäßig auch Bearbeitungszeiten nach sich. Die Mitarbeiter der Stadtwerke stehen aber auch im Kontakt zur Schuldner- und Insolvenzberatung oder zum Mieterbund. ALG-II-Empfänger können sich zudem auch im Rahmen des Projektes Stromsparcheck plus beraten lassen, bei dem Stromsparhelfer in den eigenen Haushalt kommen und Stromfresser ausfindig machen.“

Modellversuch nach Kölner Vorbild wäre für Schwerin zu teuer

Diskutiert wurden auch technische Lösungen. So erprobt die Stadt Köln derzeit in einem Modellversuch in 3 Hochhäusern mit 660 Haushalten so genannte intelligente Stromzähler. Die Idee dahinter – Stromsperrung vermeiden und eine Strommindestmenge zur Verfügung stellen. Grundbedürfnisse, wie Kochen oder Beleuchtung wären damit sichergestellt. „Wir wollten daher wissen, ob die Idee bei den Stadtwerken bekannt ist und dies nicht auch einen Lösungsansatz darstellen könnte“, so Foerster und Walther übereinstimmend. Die hohen Investitionskosten von 100 000 Euro in Köln sind jedoch nur ein Grund, der aus Sicht der Stadtwerke Schwerin gegen die Installation solcher Zähler spricht. Dazu kommen Sicherheitsbedenken und der hohe Betreuungsaufwand. Denn werden weitere elektrische Geräte zugeschaltet, steigt der Zähler aus und muss manuell wieder freigegeben werden. Zudem ist mit einem Mieterwechsel auch immer ein Zählerwechsel verbunden.

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Redaktion

der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal. Kontakt: redaktion@schwerin-lokal.de

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