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Wirtschaftsverbände gegen Erhöhung der Gewerbesteuer

Schwerin, 07.12.2017 (red/sr). In der Diskussion über die Erhöhung der Gewerbesteuer, haben nun auch die Wirtschaftsverbände Stellung bezogen. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses in der Stadtvertretung, Stefan Schmidt hat darauf inzwischen

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  • Veröffentlicht Dezember 7, 2017

Schw­erin, 07.12.2017 (red/sr). In der Diskus­sion über die Erhöhung der Gewerbesteuer, haben nun auch die Wirtschaftsver­bände Stel­lung bezo­gen. Der Vor­sitzende des Wirtschaft­sauss­chuss­es in der Stadtvertre­tung, Ste­fan Schmidt hat darauf inzwis­chen reagiert. Die CDU, die sich klar gegen eine Steuer­erhöhung posi­tion­iert, sieht er in der poli­tis­chen Ver­ant­wor­tung für die Notwendigkeit ein­er Steuer­erhöhung. Von Ste­fan Rochow

 

IHK Schw­erin

 

IHK, Handw­erk­skam­mer und die Unternehmerver­bände sehen sich als die Inter­essen­vertreter der heimis­chen Wirtschaft in der Region. Viel früher hätte sich manch­er Gewer­be­treibende daher eine Antwort der Ver­bände auf die Pläne der Stadtver­wal­tung gewün­scht, die Gewerbesteuer anzuheben. Offen­bar mahlen die Mühlen der Wirtschaftsver­bände dann aber doch rel­a­tiv langsam und so ist erst knapp vor Torschluss eine Stel­lung­nahme zu den Plä­nen einge­gan­gen.

Die drei Ver­bände war­nen in ein­er Stel­lung­nahme vor ein­er Anhebung des Steuer­satzes von derzeit 420 auf 450 Prozent.

„Die Landeshauptstadt Schwerin ist mit einem Gewerbesteuerhebesatz von derzeit 420 Prozentpunkten in der Metropolregion Hamburg bisher ein attraktiver Standort für Unternehmen.”

sagen die Wirtschaftsver­bände. Die nun ins Auge gefasste Anhebung des Steuer­satzes, würde den Wirtschafts­stan­dort Schw­erin nach der Ein­führung der Bet­ten­s­teuer im Jahr 2014 nun noch ein­mal schwächen.  Neue Unternehmen wür­den sich kün­ftig eher in den benach­barten Gemein­den ansiedeln, gegebe­nen­falls sog­ar in anderen Bun­deslän­dern. Der Gewerbesteuer­hebe­satz der umliegen­den Gemein­den liegt im Durch­schnitt deut­lich unter dem der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin.

 

Ansiedlungsbemühungen in Schwerin werden erschwert

 

Auch sehen die Wirtschaftsver­bände die Ansied­lungs­be­mühun­gen von Unternehmen durch die Anhebung des Hebe­satzes bei der Gewerbesteuer nach­haltig erschw­ert. Die durch die Anhebung erzeugten Mehrein­nah­men, kön­nten nach Ansicht der Ver­bände nur vorüberge­hende Aspek­te sein.

„Statt weiter an der „Steuerspirale“ zu drehen, halten wir es für zielführender, die positive Konjunktur für weitere Ansiedlungsanreize zu nutzen.”

heißt es in der Stel­lung­nahme der Ver­bände weit­er.

27,75 Mil­lio­nen Euro Net­toein­nah­men, erhielt die Lan­deshaupt­stadt im ver­gan­genen Jahr aus der Gewerbesteuere­in­nahme. Im Ver­gle­ich zu 2008 sei das ein Anstieg um 50,53 Prozent. Damals betru­gen die Net­toein­nah­men lediglich 18,23 Mil­lio­nen Euro. Das bedeutet im Durch­schnitt eine jährliche Steigerung in Höhe von 6,31 Prozent.

„Es erschließt sich auch nicht der Sinn, die Erhöhung der Gewerbesteuer an eine Senkung der Hebesätze der Grundsteuer B von 630 auf 595 Prozentpunkte zu koppeln. Die Gewerbesteuer geht ausschließlich zu Lasten der Unternehmen und es ergibt sich bei den prognostizierten Zahlen saldiert nur eine Mehreinnahme von rund 1 Million Euro.”

so die Wirtschaftsver­bände zu den Plä­nen im Gegen­zug zur Anhebung der Gewerbesteuer, die Grund­s­teuer­hebesätze abzusenken. Die Wirtschaft, so die Ver­bände in ihrer Stel­lung­nahme unmissver­ständlich, sprechen sich daher klar gegen eine Anhebung der Gewerbesteuer aus.

 

Ohne Steuererhöhung Haushaltsziele nicht zu erreichen

 

Ste­fan Schmidt (LINKE)

Der Vor­sitzende des Auss­chuss­es für Wirtschaft, Touris­mus und Liegen­schaften in der Stadtvertre­tung, Ste­fan Schmidt (DIE LINKE.) reagierte auf die Stel­lung­nahme der Wirtschaft umge­hend und lud Vertreter der Wirtschaft zur heuti­gen Auss­chuss­sitzung ein, um mit den Ver­bän­den per­sön­lich ins Gespräch zu kom­men. Inhaltlich teilt der LINKEN-Poli­tik­er die Ein­schätzun­gen der Wirtschaft im Hin­blick auf die möglichen Auswirkun­gen ein­er Gewerbesteuer­erhöhung.

Allerd­ings ver­weißt er in einem Brief an die Wirtschaftsver­bände darauf, dass der Stadt wenig Hand­lungsspiel­räume hat.

„Zusätzlich ist jedoch zu bedenken, dass die Stadt eine Konsolidierungsvereinbarung mit dem Land getroffen hat, die für das kommende Haushaltsjahr bei Einhaltung des vereinbarten Konsolidierungsziels eine zusätzliche finanzielle Unterstützung in Höhe von 6 Millionen Euro vorsieht, die natürlich ebenfalls bei den entsprechenden Entscheidungen zum Haushalt und den Steuereinnahmen zu beachten ist.”

Das diese Ziele sehr ambi­tion­iert sind, waren laut Schmidt, damals allen Seit­en bewusst.

„So sehen wir für das kommende Jahr ganz ohne eine Anhebung von Steuern nicht die Möglichkeit, das gesetzte Haushaltsziel zu erreichen. Mit der Anhebung des Gewerbesteuerhebesatzes würde auch für die Kommunalaufsicht das letzte immer wiederkehrende Argument, dass die Landeshauptstadt ihre eigenen Einnahmepotentiale nicht nutzen würde, entfallen.”

so Ste­fan Schmidt weit­er.

Die Frak­tio­nen LINKE, SPD, Unab­hängige Bürg­er (UB) und Bünd­nis 90/Die Grü­nen haben in einem inter­frak­tionellen Antrag, der am kom­menden Mon­tag in der Stadtvertre­tung berat­en wird, die Absenkung der soge­nan­nten Grund­s­teuer B auf 595 Prozent als Aus­gle­ich zur Erhöhung der Gewerbesteuer einge­fordert. Somit wer­den am kom­menden Mon­tag ver­mut­lich fast alle Frak­tio­nen für eine Gewerbesteuer­erhöhung stim­men.

 

CDU einzige Fraktion gegen die Steuererhöhung

 

Lediglich die CDU hat bish­er deut­lich gemacht, dass sie den Bürg­erin­nen und Bürg­ern im Kom­mu­nal­wahlkampf Verzicht auf Steuer­erhöhun­gen ver­sprochen habe. Dazu ste­he man auch über drei Jahre danach. Daher sprach sich die CDU  im Vor­feld klar gegen eine Gewerbesteuer­erhöhung aus. Ein­er Absenkung der Grund­s­teuer möchte sich die CDU allerd­ings nicht ver­schließen.

Ste­fan Schmidt ist über die Posi­tion­ierung der CDU nach eige­nen Aus­sagen ver­wun­dert. Die Frak­tion ver­suche sich „als Ret­ter der Wirtschaft und Unternehmer zu verkaufen”.

„Es ist doch insbesondere Ihr Minister, der in Form der Kommunalaufsicht die Stadt durch die Einzelbetrachtung der Hebesätze dazu drängt diesen Hebesatz an den Vergleichsdurchschnitt anzupassen und darüber hinaus die Stadt für den derzeitigen Hebesatz über geringere FAG-Zuweisungen in sechsstelliger Höhe bestraft. Auch die zusätzliche Belastung die seit Jahren insbesondere für Einzelunternehmer und Personengesellschaften entsteht, liegt hauptsächlich in der gesetzgebenden Verantwortung der CDU auf Bundesebene, wo dringend Veränderungen geboten wären.”

so Ste­fan Schmidt in Rich­tung CDU. Von den Christ­demokrat­en erwartet er, dass diese offen mit der eige­nen Ver­ant­wor­tung umge­hen. Vielmehr solle man die „eige­nen Möglichkeit­en und Gestal­tungsspiel­räume zu nutzen”.