Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Etwa drei Millionen Kinder leben derzeit mit mindestens einem Elternteil zusammen, das ein Suchtproblem hat. Für die Aufwachsenden bedeutet diese Situation in nahezu allen Fällen eine enorme Belastung. Nicht wenige rutschen später selbst in eine Abhängigkeit oder zeigen psychische Folgeschäden. Der Bedarf an Fortbildung in diesem Bereich ist groß, um konkreter und schneller helfen zu können.

Zahlreiche Kinder wachsen mit Suchtproblemen der Eltern im Alltag auf. | Foto: Laura M.

In Mecklenburg-Vorpommern wachsen nach aktueller Statistik mindestens 3674 Kinder und Jugendliche mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. 43 Schwangere suchten zudem 2020 Hilfe bei einer Suchtberatung. Hauptsächlich gingen sie wegen einer Alkohol- oder Cannabisproblematik diesen Weg. Dies geht aus der Landesauswertung der EBIS-Daten 2020 der Sucht- und Drogenberatungsstellen Mecklenburg-Vorpommern hervor.

Etwa drei Millionen Kinder in Deutschland betroffen

Bundesweit sind aktuell rund drei Millionen Kinder und Jugendliche von der Suchtkrankheit ihrer Eltern betroffen. Eine unglaublich hohe Zahl. Und die Dunkelziffer liegt nach gesicherten Erkenntnissen noch deutlich darüber. Denn, in die Statistik fließen nur diejenigen ein, die die Kraft und den Weg finden, Hilfe zu suchen. Bis zu diesem Zeitpunkt dauert es in vielen Fällen aber sehr lange. Nicht selten viele Jahre. Denn das Abstreiten der Sucht und die Ansicht, jederzeit mit den Drogen abschließen zu können, ist ein Teil des Krankheitsbildes. Die Auswirkungen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind vielfältig und nicht selten langanhaltend.

Häufig sind es körperliche Folgen, die durch den Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft entstehen können. Schädigungen durch den übermäßigen Konsum von Alkohol und die Entwicklung einer Fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD) beispielsweise. Aber in vielen Fällen sind es auch psychische Folgen, mit denen die Kinder zu kämpfen haben. Sie mussten – oftmals über einen langen Zeitraum – als Teil ihres Alltags erleben, wie das abhängige Elternteil nur damit beschäftigt ist, Suchtmittel zu beschaffen und zu konsumieren. Die betroffenen Kind können sich in solchen Situationen nie sicher sein, wie das Elternteil in welcher Situation reagiert. So entstehen Unsicherheiten und Ängste, die sich manifestieren und feste Begleiter des Kinder-Alltags werden.

 

Erleben führt nicht selten in eigene Sucht

Nicht selten entwickeln Kinder, die in ihrer Entwicklung mit Sucht der Eltern konfrontiert sind, auch ein eigenes Suchtverhalten. Dies ist keine zwangsweise Folge, aber leider kommt es viel zu häufig vor. Denn ihr Risiko ist 6-fach höherer, eine Abhängigkeit oder eine andere psychische Störung zu entwickeln. Etwa ein Drittel dieser Kinder wird im Erwachsenenalter alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängig. Ein Drittel entwickelt psychische oder soziale Störungen (teilweise überlappend mit dem ersten Drittel). Nur ein Drittel kommt mehr oder weniger unbeschadet davon. Obwohl „unbeschadet“ eher nicht der treffende Begriff ist.

 

Aktionswoche rückt Problemsituation in den Blickpunkt

Für die pädagogische Arbeit mit Kindern ist es daher wichtig, versteckte Hinweise, die auf eine familiäre Suchtbelastung hindeuten können, zu erkennen. Erzieherinnen, Lehrerkräfte, Schulsozialarbeiter und andere Multiplikatoren müssen entsprechend sensibilisiert sein. Zudem bedarf es weiterer Hilfeangebote. So veranstaltet beispielsweise die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (LAKOST) MV im Rahmen einer am kommenden Montag beginnenden Aktionswoche (13. bis 19. Februar 2022) ein Webseminar zum Thema: „Drogengeschädigte Kinder – was tun?“ Ein Puzzlestück oder auch ein Baustein auf dem Weg zu mehr Achtsamkeit und Hilfsangeboten. Auf welch „fruchtbaren“ Boden dieses Angebot stieß zeigt der Umstand, dass das Seminar binnen kurzer Zeit komplett ausgebucht war. Das breite Spektrum der Teilnehmenden reicht dabei von Familienhebammen über Schwangerschaftsberatungsstellen und Suchtberatungsstellen bis hin zu Schulsozialarbeitern. Der Fortbildungsbedarf ist in den verschiedensten Bereichen erkennbar groß. Daher plant LAKOST MV, das  Seminar zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzubieten.

Weitere Informationen: https://www.lakost-mv.de/kinder-aus-suchtbelasteten-familien | https://coa-aktionswoche.de/

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