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Badenschier und Holm liefern sich leidenschaftlichen Schlagabtausch

  • Veröffentlicht Juni 16, 2023

Im finalen Rededuell vor der Stichwahl zum Oberbürgermeister trafen Amtsinhaber Rico Badenschier (SPD) und Leif-Erik Holm (AfD) gestern aufeinander. Kontroverse Themen waren Sicherheit, Wirtschaft und Integration.

 

Rico Badenschier und Leif-Erik Holm im Rededuell
Gestern trafen Amtsinhaber Rico Badenschier (SPD) und Herausforderer Leif-Erik Holm (AfD) im NDR-Landesfunkhaus aufeinander. Beide wollen am kommenden Sonntag zum Oberbürgermeister gewählt werden. | Foto: Screenshot NDR

Für das letzte Rededuell vor der Stichwahl am kommenden Sonntag, trafen Amtsinhaber Rico Badenschier (SPD) und Leif-Erik Holm (AfD) gestern Abend im NDR-Landesfunkhaus aufeinander. Dort stellten sie sich den Fragen der Moderatoren Dörthe Graner (NDR) und Michael Seidel (SVZ) und debattierten über die Herausforderungen und Lösungsansätze für die Landeshauptstadt Schwerin.

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Sicherheit als kontroverses Thema: Holm fordert verstärkte Polizeipräsenz in Schwerin

Bereits beim ersten Thema zeigten sich die Kandidaten in ihren Meinungen stark gegensätzlich. Amtsinhaber Badenschier betonte, dass Schwerin in den letzten 30 Jahren noch nie so sicher gewesen sei und verwies dabei auf statistische Daten. Somit lehnte Badenschier die Forderung von Holm nach einer verstärkten Präsenz von Polizeiwachen klar ab. Holm hingegen argumentierte, dass 30 Jahre alte Statistiken niemanden mehr interessieren würden und dass die Menschen im Hier und Jetzt leben. Er bezeichnete Schwerin als Kriminalitätshauptstadt und sprach sich dafür aus, im Falle seiner Wahl als Oberbürgermeister Polizeiwachen am Mueßer Holz und am Marienplatz einzurichten. Badenschier hingegen sieht die Präventionsarbeit als das effektivere Methode. Obwohl laut dem Landeskriminalamt die Zahl der Straftaten in Schwerin auf lange Sicht positiv entwickelt hat, ist sie zuletzt um etwa zwei Prozent gestiegen, insbesondere im Bereich der Gewaltdelikte. Im Vergleich zu anderen Städten und Landkreisen in Mecklenburg-Vorpommern nimmt Schwerin in dieser Statistik eine Spitzenposition ein.

Wirtschaftliche Lage: Badenschier sieht die Stadt gut aufgestellt

In Bezug auf die Wirtschaft stritten die Kandidaten zunächst über das Thema Gewerbesteuer. Badenschier betonte, dass es den Unternehmen in der Landeshauptstadt gut gehe, was sich in den städtischen Einnahmen zeige. Er verwies außerdem auf den Erfolg seiner Politik zur Ansiedlung von Unternehmen. Holm hingegen argumentierte, dass die Gewerbesteuer viel zu hoch sei und Unternehmen dadurch davon abgehalten würden, sich in Schwerin niederzulassen. Um den Unternehmen Raum zum Atmen zu geben, müsse die Steuer gesenkt werden. Die Frage nach einer Hochschule in Schwerin blieb von beiden Kandidaten unbeantwortet, sodass es lediglich bei Absichtserklärungen ohne konkrete Zusagen blieb.

 

Integration als Streitpunkt

Die Frage der Integration führte zu wiederholten Auseinandersetzungen zwischen den Kandidaten. Badenschier betonte die Bedeutung von Vielfalt, insbesondere für Schwerin. Er betonte, dass eine weltoffene Landeshauptstadt attraktiv für Menschen sei und dass dies ein Mittel gegen den Fachkräftemangel sei. Holm hingegen sprach sich für Integration aus, jedoch in Maßen. In diesem Punkt kam es zu einem ersten leidenschaftlichen Schlagabtausch. Badenschier warf Holm Spaltung vor, während Holm behauptete, Badenschier erzähle Unsinn.

 

Teilhabe: „Bürgergremien als wunderbare Sache“

Amtsinhaber Badenschier setzt sich weiterhin dafür ein, dass Bürgerinnen und Bürger sich aktiv in Gremien engagieren können. Er betrachtet dies als eine wunderbare Möglichkeit für die Menschen in der Stadt, ihre Ideen einzubringen. Als Beispiel nannte er den Kinder- und Jugendrat. Holm hingegen sieht Bürgerräte als den falschen Weg an und bezeichnete sie als „Pseudodemokratie“. Stattdessen sollten diejenigen, die Anliegen haben, sich zur Wahl stellen. Weitere Debatten wurden über Sportstätten in Schwerin und die Errichtung eines lang diskutierten Stadtgeschichtsmuseums geführt.

 

Zukunftsvisionen für die Stadt

Im vierten und letzten Thema des Abends stand insbesondere das Mobilitätskonzept für Schwerin und das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 im Fokus der Diskussion. Badenschier betonte die Notwendigkeit des Ausbaus von Fahrradwegen als einen Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität in Schwerin. Holm hingegen plädierte dafür, den Menschen die Wahl ihres Verkehrsmittels selbst zu überlassen. Er argumentierte, dass die Menschen ihr Auto benötigen, genauso wie ausreichend Parkplätze. Holm lehnte die geplante Vervierfachung der Anwohnerparkgebühren in Schwerin ab und äußerte Zweifel an der angestrebten Klimaneutralität. Einig waren sich beide Kandidaten hingegen in Bezug auf die Geothermie, die als Mittel zur zukünftigen Wärmeversorgung der Stadt begrüßt wurde. Ein Zuhörer aus dem Publikum stellte die Frage nach der Wiedereröffnung des Fernsehturms, doch weder Badenschier noch Holm konnten hierzu eine konkrete Antwort geben.

Die Stichwahl für das Amt des Oberbürgermeisters in Schwerin findet am kommenden Sonntag statt. Die Bürgerinnen und Bürger haben somit die Möglichkeit, ihre Stimme für den Kandidaten ihrer Wahl abzugeben und damit über die Zukunft ihrer Stadt mitzubestimmen.

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Redaktion

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