Baseball in Schwerin kann ansteckend sein

SAMSUNG CSC(sr). Es ist ein ziemlich regnerischer Samstagmittag auf dem beschaulichen Sportplatz an der Beruflichen Schule für Technik in der Gadebuscher Straße. Die Stimmung ist trotzdem gut. Die Schwerin Diamonds empfangen heute die Stralsund Crusaders. Was in den USA tausende Fans anziehen würde, ist hier in Schwerin ein kleines Insider-Event. Schreie sind zu hören und auch das Klingen von Aluminiumschlägern – hier wird Baseball gespielt. Auf den Laien wirkt das Spiel auf den ersten Blick langsam und behäbig. Anfangs kann man sich gar nicht vorstellen, dass man nun als Zuschauer die  nächsten drei Stunden damit verbringen soll, dem unübersichtlichen Treiben zu folgen. Die Vielzahl der Regeln und die vielen fremden Begriffe wie Batter, Catcher, Pitcher und Base-Coach verwehren erst einmal einen schnellen Zugang zum liebsten Zeitvertreib des Amerikaners. Dass sich dort ganze Familien Samstag für Samstag aufmachen, um sich Baseball im Stadion anzusehen, kann man sich in den ersten Minuten wirklich noch nicht vorstellen. Zu fremd sind einem die Vorgänge auf dem Spielfeld. Dass so etwas in Amerika und auch in Ostasien eine »Trendsportart« sein soll, möchte man gar nicht glauben.

SAMSUNG CSCVon der Aktivenzahl her ist Baseball die drittgrößte Sportart der Welt. Der Reiz dieser Sportart liegt weniger in der Aktion als vielmehr im psychologischen Bereich. Das Duell zwischen Pitcher und Schlagmann ist das Fesselnde an diesem Sport. Wenn man sich auf das Spiel einlässt, fiebert man auch als Laie spätestens nach der ersten Stunde mit. Den Diamonds aus Schwerin merkt man die Begeisterung für ihren Sport an. Das steckt an und andererseits bemühen sich die Mädels und Jungens auch, die Spielregeln zu erklären. Dass diese Regeln nicht wie »Geheimwissen« vor sich hergetragen werden, empfindet der Neuling als sehr positiv. Er fühlt sich in das Spiel hineingenommen.

»Baseball ist eine Sportart, die bei uns leider immer noch mit Vorurteilen behaftet ist. Gerade die Baseballschläger, sorgen immer wieder für Verunsicherungen bei den Menschen.«, sagt Michael Wolfsohn, der Coach der Diamonds. Wer die Mädels und Jungs kennenlernt, der wird sich aber sehr schnell von diesen Vorurteilen verabschieden müssen.

Um 13:00 Uhr beginnt das Spiel. Die Diamonds liegen nach dem ersten Inning, dem Spielabschnitt, in dem jede Mannschaft einmal verteidigt und, nachdem sie drei Aus erzielt hat, einmal angegriffen hat, vorne. André Voß, der Öffentlichkeitsbeauftragte der Diamonds, hat ein gutes Gefühl: »Heute können wir siegen«, ist er sich sicher. Das zweite  Inning läuft nun aber für die Diamonds nicht mehr so gut. Die Crusaders aus Stralsund ziehen nach und zeigen, dass sie nicht zu unterschätzen sind.

SAMSUNG CSCDie Anspannung steigt nun merklich. Als Neuling wird man angesteckt. »Bleibt wach!«, motiviert Coach Wolfsohn seine Jungs. Das 6. Ligaspiel, das wird deutlich, hat für die Diamonds eine große Bedeutung. Die Nerven liegen zeitweise blank. Anders als bei Fußballspielen in diesen Situationen bleibt das Spiel aber weitgehend fair. Die Emotionen kochen nicht über.

Im letzten Inning haben die Diamonds, die lange Zeit zurücklagen nun nach und nach aufgeschlossen. Man kann die letzten Minuten nur noch als Nervenkitzel bezeichnen. Alle, auch die Zuschauer, sind nun ganz bei der Sache. Alles ist in dieser Situation möglich. Ein Untentschieden gibt es im Baseball definitiv nicht. Sieg oder Niederlage – beides liegt bei den Diamonds in den letzten Minuten in der Luft. In dieser Situation nimmt man kaum wahr, dass es inzwischen durch den Regen ziemlich ungemütlich auf dem Platz geworden ist. Am Ende machen die Schwerin Diamonds dann aber alles richtig und tragen mit 15:14 einen knappen Sieg davon.

SAMSUNG CSC»Wer die Regeln nicht überblickt, der langweilt sich häufig«, hatte André Voß noch am Anfang des Spiels gesagt. Von dieser Langeweile ist nichts zu spüren.

Die Diamonds sind im Baseballgeschäft noch relative Neulinge. Sie haben nach wie vor mit den Widrigkeiten einer Randsportart zu kämpfen. Sie habe aber, das wird schnell klar, Pioniergeist. Im Februar 2011 gegründet, müssen sie sich in der Landesliga von Mecklenburg-Vorpommern, der insgesamt sechs Vereine angehören, nun beweisen. Dass sie längst nicht mehr nur »Fallobst« sind, dass haben sie beim dritten Heimspiel am vergangenen Samstag unter Beweis gestellt.

Baseball kann ein Virus sein und begeistern. Das wird in den drei Stunden auf dem Sportplatz mit den Schwerin Diamonds deutlich. Wer sich auch von diesem Virus infizieren lassen möchte, dem sei ans Herz gelegt, doch einfach mal probeweise am Training, dass jeden Montag ab 18:00 Uhr und am Donnerstag um 17:00 Uhr beim Sportplatz der Beruflichen Schule für Technik in der Gadebuscher Straße 153 stattfindet, teilzunehmen. Verstärkung, das versichern die Diamonds, wird immer gebraucht.

Kontakt:

Baseballclub Schwerin Diamonds e.V.
Postfach 110222
19002 Schwerin

Tel.: 0385 / 3943 7028
Email: baseball@schwerin-diamonds.de
www.schwerin-diamonds.de

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