Sarah Scheurich kann weiter auf Olympia hoffen – ein Ticket nach Tokio ist noch möglich!

Die Schweriner Spitzenboxerin Sarah Scheurich hat wieder Chancen auf die Olympiateilnahme. Ihre Mitkonkurrentin Christina Hammer konnte sich bei der gestrigen Qualifikation in Paris nicht durchsetzen.

Schwerin-lokal Redakteur Peter Scherrer versucht sich als Sparringspartner von Sarah Scheurich | Foto: Schwerin-lokal / Sebastian Hafemeister

Der Traum, das Ticket für die Olympischen Spiele 2021 lösen zu können, war am 24. April mit ihrer Niederlage gegen Christina Hammer geplatzt. Die 30-jährige Dortmunderin besiegte Sarah Scheurich einstimmig nach Punkten. Christina Hammer hat sich aber in ihrem gestrigen Qualifikationskampf in Paris nicht durchsetzen können. So bestehen aufgrund der komplizierten Olympia-Qualifikationsregeln weiterhin Chancen für Sarah Scheurich auf die Teilnahme an den Wettkämpfen in Tokio. Durch ihren guten Platz auf der Weltrangliste könnte sie das begehrte Ticket noch bekommen.

 

Sportliche und persönliche Neuorientierung

Seit 2005 treibt die Topboxerin  in Schwerin Sport. Acht Jahre hat sie in der deutschen Nationalmannschaft für Titel (zweifache Deutsche und Vize-Europameisterin) und zahlreiche Auszeichnungen gesorgt. Die Spitzenathletin und Botschafterin für den Boxsport sieht nun den Zeitpunkt für einen privaten und sportlichen Wechsel gekommen. Eine persönliche und sportliche Neuorientierung ist bereits angeschoben und der Umzug nach Hannover ist im Gange. Zukünftig will sie im Boxsport in Gifhorn ihre Leistung steigern. Leicht fällt ihr der Umzug nicht, verbindet sie doch ihr ganzes sportliches Leben mit Schwerin. Die mitunter ziemlich fordernden Joggingrunden um den Faulen See sind ihr in bester Erinnerung.

Sarah Scheurich schildert im Sommergespräch mit dem Schwerin-Lokal-Redakteur Peter Scherrer ihre Erinnerungen an den Beginn ihrer sportlichen Laufbahn. Sie spricht darüber, was sie motiviert, antreibt und was sie von Sportverantwortlichen und der Politik erwartet. Dass Sport für die Ausnahmeathletin nicht nur Leistung und Titelkampf bedeutet, wird an Sätzen wie „…man sollte Kindern beibringen, dass es nicht immer um die grandioseste Leistung geht, sondern dass Sport ein schönes Erlebnis ist“ deutlich. Wichtig sei es auch zu zeigen, dass Niederlagen zu unserem Leben gehören. Die Berichterstattung solle nicht immer nur die zeigen, die auf dem Treppchen stehen. Denn man müsse auch verlieren lernen – im Job, in der Schule, eben im ganzen Leben. Von den Sportverantwortlichen erwartet die Boxerin deshalb einen deutlichen Akzent auf die gesellschaftliche und soziale Funktion des Sports.

 

Nicht nur beim Boxen mutig – Sarah Scheurich steht zu ihrer Meinung

Auch zum Thema „Sexuelle Belästigung“ im Sport hat die junge Sportlerin eine entschiedene Haltung. Sie erwartet einen offenen und aktiven Umgang mit dem Thema. Erschreckend empfindet Scheurich es, dass Sportlerinnen und Sportler Unverständnis und sogar „Gegenwind“ bekommen, wenn sie den Mut aufbringen, offen über sexuelle Belästigung zu reden. Indem versucht wird, die Fälle herunterzuspielen, „nimmt man den Betroffenen die Stimme“. Was es für sie noch schwerer macht,  solch eine Situation zu ertragen. Immer noch komme es vor, dass Sportlerinnen und Sportler, die den Mund aufmachen, als Lügner bezeichnet werden.

 

Aktiven Sportlerinnen und Sportlern in den Verbänden eine Stimme geben

Sarah Scheurich hat jüngst ihre Sportförderung verloren, was von manchen Sportlerinnen und Sportlern darauf zurückgeführt, das „Sarah den Mund aufgemacht hat“. Sarah Scheurich kann die Athletinnen und Athleten verstehen, die sich zurückhalten und lieber schweigen. „Man wird eben damit komplett allein gelassen“,  fasst sie diese enttäuschende Situation zusammen. Ihr Vorschlag ist es, die aktiven Sportlerinnen und Sportler viel öfter in die Verbandsaktivitäten einzubinden. Sie gelte es bei den Karriereplanungen deutlich öfter zu beteiligen und ihr Erfahrungswissen zum Wohle der Leistungssporttreibenden zu nutzen. Und an die Sportlerinnen und Sportler gerichtet empfiehlt sie, dass die Aktiven sich ihrer Bedeutung und ihres Einflusses bewusst sein sollten, und diesen auch zur Verbesserung des Leistungs – und des Sports insgesamt einsetzen.

geb. 1959, gelernter Metallfacharbeiter und grad. Historiker, arbeitete für Gewerkschaften und politische Stiftungen in Europa u.a. 2015-2019 als stellvertretender Generalsekretär beim Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB), in Brüssel. Schwerpunkte: Industrie- und Sozialpolitik sowie Lokalgeschichte und Kulturelles. Wohnt seit 2017 in Schwerin.

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