Ernüchternde Bilanz am Internationalen Frauentag

Aus Anlass des heutigen Internationalen Frauentages wirft das Eine-Welt-Netzwerk Mecklenburg-Vorpommern einen Blick auf die weltweite Situation von Frauen. So muss sich eine 22-jährige Künstlerin aus Kabul wieder verstecken, täglich leisten Frauen Milliarden unbezahlter Stunden und auch in Deutschland ist Ungleichheit von Mann und Frau noch immer ein Thema. Eine traurige Bestandsaufnahme, die auch die Landtagsabgeordnete Mandy Pfeifer (SPD) bei allen Fortschritten unterstreicht. Sie sieht sogar Rückschritte.

Quasimi mit einem ihrer Werke an einer Wand der Kabuler Sayyidal-Shuhada-Schule | Foto: M.-Aman-Anosh

„Wir feiern in Mecklenburg-Vorpommern heute den Frauentag – ab dem kommenden Jahr sogar als gesetzlichen Feiertag. Als Landesnetzwerk begrüßen wir das“, sagt Andrea Krönert, Geschäftsführerin des Eine-Welt-Landesnetzwerks Mecklenburg-Vorpommern, aus Anlass des heutigen Internationalen Frauentages. Hintergrund der Feiertags-Freude ist die Vereinbarung von SPD und Die Linke im gemeinsamen Koalitionsvertrag, den Frauentag zu einem bundesland-weiten Feiertag zu machen. Auf höchster Prioritätsstufe stand dieses Vorhaben allerdings nicht. Denn problemlos hätte die Koalitionsmehrheit dieses Ziel schon für dieses Jahr realisieren können. Aber heute ist noch ein ganz normaler Arbeitstag. Im Dezember hatte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Jeannine Rösler, angekündigt, ab 2023 sei es dann soweit.

 

Täglich 12,5 Milliarden unbezahlter Arbeitsstunden

Um so wichtiger ist es, auch heute auf die Situation der Frauen in aller Welt zu blicken. Dies tut das Eine-Welt-Landesnetzwerk MV daher auch. So leisten Frauen laut einer Oxfam-Studie von 2020 weltweit 12,5 Milliarden unbezahlter Arbeitsstunden Arbeit – täglich. „Würde man ihnen auch nur einen Mindestlohn für diese Arbeit zahlen, wären das umgerechnet über 11.000.000.000.000 (11 Billionen) US-Dollar pro Jahr“, so Oxfam Deutschland. Sie verdienen zudem nur 63 Prozent des Gehalts von Männern, sind seltener erwerbstätig, leben häufiger in extremer Armut und sind häufiger von Gewalt bedroht. Und Frauen sind seltener in Macht- und Entscheidungspositionen vertreten als Männer. Eine Studie der Organisation Equal Measures 2030 zeigte auf, dass 80 Prozent der Frauen 2019 in ein einem Land lebten, in dem die Geschlechtergerechtigkeit in einem schlechten oder sogar sehr schlechten Zustand ist.

 

22-jährige Künstlerin muss sich wieder verstecken

Eine der vielen Millionen Frauen weltweit, die unter der Ungleichheit leiden, ist die 22-jährige Künstlerin Hafiza Quasimi aus Kabul. Seit der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 hat sich ihre Arbeits- und Lebenssituation radikal verschlechtert. Die Taliban zerstörten viele ihrer Bilder, die sie in ihrer Galerie in Kabul ausgestellt hatte. Denn sie zeigten Frauen in Freiheit, in Selbstbestimmung und mit politischem Ausdruck. Hafiza Quasimi versuchte erfolglos Afghanistan zu verlassen. Zur Zeit lebt sie versteckt. Aber sie arbeitet weiter. „Die Taliban unterdrücken die Frauen. Ich kann nicht akzeptieren, dass sie unsere Träume unterdrücken“, so Hafiza Quasimi.

Zwanzig Bilder von ihr und vier weiteren Künstlerinnen und Künstlern aus Afghanistan sind seit Freitag und noch bis zum 20. März immer von 10-16 Uhr im Nordschiff der Petrikirche, Rostock, zu sehen. Darauf weist Andrea Krönert hin. „Der Mut von Hafiza Quasimi ist groß. Sie und alle Frauen weltweit, die für ihre Rechte kämpfen, verdienen unsere Solidarität“, sagt sie. „Heute ist ein guter Tag, die Ausstellung zu besuchen und anschließend aktiv zu werden, um Mädchen und Frauen ein bessere Zukunft zu ermöglichen. Wir müssen uns gemeinsam dafür einsetzen, diese Ungerechtigkeit zu beenden“. Eines der Instrumente dazu ist SDG 5, das fünfte Entwicklungsziel der Vereinten Nationen, das Geschlechtergleichstellung und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen fordert.

 

Mandy Pfeifer (SPD), Landtagsabgeordnete MV | Foto: Susie Knoll

Auch in Deutschland noch Ungleichheit

„Auch in Deutschland haben Frauen noch lange nicht die gleichen Chancen wie Männer. Sie leisten mehr Sorgearbeit, verdienen weniger Geld für die gleiche Arbeit, erleiden häufiger sexualisierte Gewalt und sitzen seltener in unseren Parlamenten und Regierungen. Auch das muss sich ändern“, so die Geschäftsführerin des Eine-Welt-Netzwerks M-V.

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Mandy Pfeifer unterstreicht, dass in Deutschland in Sachen Chancengleichheit und Gleichberechtigung noch viel Luft nach oben steckt. Etwa bei den Löhnen und der Besetzung der Führungspositionen. „Im bisherigen Schneckentempo kann es nicht weitergehen. Die Stärkung der Frauenrechte und vor allem der Kampf gegen Armut von Frauen im Alter müssen schneller Fahrt aufnehmen“, so Pfeifer. Insbesondere unbezahlte Care-Arbeit im Haushalt gelte es auf mehrere Schultern aufzuteilen. „Frauen und Männer müssen nicht nur die gleichen Startchancen haben, sondern sich tatsächlich Familie und Beruf partnerschaftlich teilen können.“ Es brauche zudem mehr Anerkennung für ehrenamtlich geleistete Sorgearbeit.

 

SPD-Landtagsabgeordnete sieht sogar Rückschritte

Obwohl Frauen inzwischen statistisch höhere Bildungsabschlüsse als Männer erreichen, stünden ihre Chancen für Karriere und leistungsgerechte Bezahlung weiter schlecht. Vielmehr sogar seien Frauen überdurchschnittlich im Niedriglohnsektor zu finden. Die Einführung des Mindestlohns von 12 Euro je Stunde sei daher ein wichtiger Beitrag, um Frauen vor Altersarmut zu schützen.

Mit Blick auf die nun – hoffentlich – dem Ende entgegen gehende Corona-Pandemie zieht die SPD-Landtagsabgeordnete eine ernüchternde Bilanz. Denn in dieser Zeit habe das Thema Gleichberechtigung und gleiche Teilhabe eher einen Rückschritt erlebt. „In der Pandemie haben sich vor allem wieder Frauen um Haushalt, Home-Schooling, Kinderbetreuung sowie um die Pflege und Versorgung von Menschen gekümmert. Es sind vor allem wieder Frauen und Kinder, die während der Pandemie von häuslicher Gewalt bedroht sind. Dabei sollte vor allem das eigene Zuhause ein sicherer Ort sein“, so Mandy Pfeifer.

 

 

 

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