Fast 200 Menschen ziehen für den Frieden durch Schwerin

Gut 200 Menschen gingen am Ostersamstag für den Frieden auf die Straße. Mit dem diesjährigen Ostermarsch wurde eine Tradition wieder aufleben gelassen.

Foto: Stefan Rochow | Schwerin-Lokal.de

Bundesweit haben sich über die Ostertage mehrere zehntausend Menschen an den diesjährigen Ostermärschen beteiligt.  Insgesamt hat es von Karfreitag bis gestern über hundert Aktionen gegeben. Bundesweit stellen die Organisatoren seit 2013 wieder ein stärkeres Interesse an den Ostermärschen fest. Auch hier in Schwerin gingen am Samstagvormittag gut 200 Menschen für den Frieden auf die Straße. 

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Gegen eine Erhöhung des Rüstungshaushalts

 

Die Aktion stand unter dem Motto „Abrüsten statt aufrüsten – Entspannungspolitik jetzt – Atomwaffen abschaffen“. Veranstaltet wurde der Ostermarsch vom Schweriner Friedensbündnis. „Es gibt jetzt einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen – die Bundesregierung will dem aber nicht beitreten“, so die Kritik der Veranstalter. Zudem sprachen sich die Teilnehmer gegen eine Erhöhung des Rüstungshaushalts aus, wie ihn die Bundesregierung beschlossen hat.

 

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Lange Zeit wie ein Relikt aus der Vergangenheit

 

In den letzten Jahren waren die Ostermärsche in Schwerin eher beschaulich und erinnerten etwas an ein Relikt aus der Vergangenheit.  Irgendwann waren sie dann völlig eingeschlafen.

Zu Beginn der 1960er Jahre wurden die Ostermärsche auf Initiative von Konrad Tempel in der westdeutschen Bundesrepublik eingeführt. Nach Tempel wurde Andreas Buro 1964 zum Sprecher der Kampagne ernannt. Ihren zweiten Aufschwung und Höhepunkt erfuhren die Ostermärsche von 1979 bis 1983 in der Bewegung gegen die Neutronenbomben und die Aufrüstung mit neuen Mittelstreckenraketen (NATO-Doppelbeschluss).

Foto: Stefan Rochow | Schwerin-Lokal.de

 

In diesem Jahr wollten die Organisatoren aus dem Schweriner Friedensbündnis aber ein Zeichen für einen Neubeginn der Ostermarsch-Tradition setzen. Das trotz des Wetters dann doch gut 200 Menschen dem Aufruf folgen würden, das hatten die Organisatoren selber so nicht erwartet. Der Vorsitzende des Friedensbündnis, Heinz Schmidt, konnte sich daher freuen, dass die Vorbereitung sich gelohnt hat. 

 

Ost-West-Konflikt ist zurückgekehrt

 

Der Zug setzte sich vom Grunthalplatz Richtung Marienplatz und dann zur Staatskanzlei in Bewegung. Längst sind die Ostermärsche bundesweit deutlich kleiner als auf dem Höhepunkt der Bewegung zu Beginn der 1980er Jahre. Trotzdem betonten die verschiedenen Redner immer wieder die Notwendigkeit einer Friedensdemonstration. Das sind keine Nostalgikertreffen – die Welt steht wieder am Abgrund. Vor allem der Ost-West-Konflikt sei zurückgekehrt.  Das war die Botschaft der Redner an diesem Tag. 

 

Parteiredner sorgte für Unmut

 

Für Unverständnis sorgte der Redebeitrag von Bert Beckmann vor dem Gebäude der Norddeutschen Landesbank in der Graf-Schack-Allee. Sehr zur Verwunderung des Veranstalters nutzte Beckmann die Rede parteipolitisch. Beckmann, der selber Mitglied der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), machte die Kontokündigungen seiner Partei durch die Deutsche Bank zum Thema. Das sorgte für Unmut, da das Schweriner Friedensbündnis überparteilich organisiert ist und Beckmann hier gegen den Bündnis-Konsens verstoßen hat. 

MLPD-Redner Bert Beckmann sorgte für Unverständnis
Foto: Stefan Rochow | Schwerin-Lokal.de

 Die Abschlusskundgebung fand am Pfaffenteich statt. Als Rednerin konnte das Bündnis dort die Landesvorsitzende  der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Wenke Brüdgam gewinnen. Brüdgam sprach sich für eine neue Friedenspolitik, die sich nicht an den wirtschaftlichen und Sicherheitsinteressen der Groß- und Regionalmächten orientiert, sondern, die sich gleichermaßen auf das Völkerrecht, wie auf die globalen sozialen Bewegungen für Freiheit, Gleichheit und Demokratie bezieht. 

 

Die Landesvorsitzende der LINKEN MV, Wenke Brüdgam bei ihrer Rede am Pfaffenteich
Foto: Stefan Rochow | Schwerin-Lokal.de

 

Mit ihrem Protest setzten sich die Ostermarschierer auch für „eine drastische Umschichtung“ der öffentlichen Haushaltsausgaben ein. Statt die Rüstungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen und damit das Nato-Ziel zu erfüllen, solle mehr Geld in Bildung, Gesundheit, Umwelt und Wohnen fließen. So der Tenor an diesem Tag. 

Den Abschluss des Schweriner Ostermarsches bildete dann Musik des Liedermachers Tino Eisbrenner. 

 

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Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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