Ferne Länder, tagtägliche Wege und Visionen grüner Frauen

Reiseberichte und Politik in lockerer Atmosphäre
Reiseberichte und Politik in lockerer Atmosphäre

(sr). Der Juli und August sind die Urlaubsmonate. Für viele Menschen geht es dann auf Reisen. Wie passen aber Reisen und Politik zusammen? Wer darauf eine Antwort haben wollte, musste am gestrigen Mittwoch die Veranstaltung von Bündnis 90 / Die Grünen in Schwerin besuchen.

Die Frauenpolitische Sprecherin der Grünen in Mecklenburg Vorpommern, Sonja Imken, hatte unter dem Leitthema „Weiblich.Grün.Bewegt – Lieblingsorte nah und fern“ zu einem Reiserückblick der besonderen Art geladen. Frauen erzählen über ihre Reisen, alte Lieblingsorte und die neuen Perspektiven, die sich ihnen auf diesen Reisen erschlossen haben. Ferne Länder, tagtägliche Wege und ein Einblick in die Ideale der Bericht erstattenden Politikerinnen – das klang nicht nur spannend, sondern war es dann auch.

Die Spitzenkandidatin der Bündnisgrünen in Mecklenburg-Vorpommern zur Bundestagswahl, Ulrike Seemann-Katz, die Vizepräsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, Silke Gajek und die Kreisvorsitzende der Grünen, Simone Rudloff, berichten von unterschiedlichen Reisen. Bei allen, dass wird deutlich, haben diese Reisen zu einer Erweiterung des Erfahrungshorizontes beigetragen. „Reisen bildet“ ist also keine leere Worthülse.

Menschen  begegnen

Silke Gajek verleiht das Schleusen-Diplom
Silke Gajek (links) verleiht das Schleusen-Diplom

Silke Gajek berichtet über ihre Sommertour durch Mecklenburg. „Vorgegebene Wege sind oft langweilig“ stellt sie gleich an den Anfang ihres Berichts. Daher fuhr die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete mit ihrem Boot „Taifun“, dass sie eigenhändig vor acht Jahren erwarb und seetüchtig machte, über Mecklenburgs Wasserstrasse. Unter dem Motto „Generationen verbinden“ kommt sie dabei mit vielen Menschen ins Gespräch. Sie empfindet  die Spontanität der oft völlig unvorbereiteten Begegnungen mit den Menschen und ihren Sorgen, Nöten, Wünschen und Hoffnungen als interessant und für ihre Arbeit lehrreich. Die Verbindung von Arbeit, Entschleunigung und Erholung machte für Gajek den Reiz dieser Tour aus.

Begleitet wurde die Landtagsvizepräsidentin auf ihrer Tour von ihrer Wahlkreismitarbeiterin Kerstin Fritsch. Silke Gajek überreicht ihrer Mitarbeiterin als Anerkennung ein „Schleusen-Diplom“, da sie 15 der insgesamt 17 durchfahrenen Schleusen mitdurchfahren hatte. „Nicht nur reden, etwas zusammen tun“, so lautet das Statement der Landespolitikerin. Sie habe für ihre Arbeit viele neue Impulse mitgenommen. Besonders das Thema Mobilität in den ländlichen Räumen sei ihr noch einmal als ein wichtiges Politikfeld vor Augen geführt worden.

Trotz aller Unwegbarkeiten zufriedene Menschen

Ulrike Seemann-Katz berichtet über ihre Italienreise
Ulrike Seemann-Katz (links) berichtet über ihre Italienreise

Von ihrer kürzlich unternommenen Reise ins weitgehend unbekannte Cilento in Italien, berichtet die bündnisgrüne Bundestagskandidatin, Ulrike Seemann-Katz. Südlich von Neapel finden Entdecker mittelalterliche Dörfer, feine Sandstrände und Berge, die bis ans Meer reichen. Seemann-Katz, dass merkt man am Bericht, liebt Italien. Für sie ist diese Reise zuerst einmal „Abstand von der Politik“ gewesen. Menschen sind verschieden, und so berichtet die Spitzenkandidatin über vier Menschen, die ihr auf ihrer Reise begegnet sind. Angefangen von einer Frau, die viele Jahre in Deutschland gewohnt hat und nahezu perfekt deutsch spricht, einem Mann, der außer das Wort „Baustelle“ kein deutsch kann und sehr unter dem demografischen Wandel seiner Region leidet, einem anderen Mann, der viele Jahre in Köln als Gastarbeiter arbeitete und sich über die Begegnung mit Deutschen freut, hin zu einem Migranten aus Afrika, der sich mit großer Anstrengung als Straßenverkäufer finanziell leidlich über Wasser halten kann, wird im Bericht deutlich, dass sich Seemann-Katz nicht nur für die Landschaft, sondern vor allem für die Menschen interessiert. Trotz allen Unwegbarkeiten des täglichen Lebens, hat die bündnisgrüne Politikerin den Eindruck gewonnen, dass die Menschen zufrieden sind.

Sensibilitäten für den Nächsten entwickeln

Simone Rudloff über die sozialen Gegensätze in Südafrika
Simone Rudloff über die sozialen Gegensätze in Südafrika

Der letzte Reisebericht kommt von der Schweriner bündnisgrünen Kreisvorsitzenden, Simone Rudloff. Die Politikwissenschaftlerin und Fachreferentin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, besuchte vor einiger Zeit Kapstadt in Südafrika. Rudloff liebt Afrika und so führen sie ihre Reisen immer wieder auf diesen Kontinent. Klimatisch empfindet sie Südafrika als einen „wunderschönen Ort zum Leben“. Bedrückend empfindet sie aber, dass Armut und Reichtum in Südafrika so dicht beieinander liegen. Besonders berührt haben sie ihre Besuche in den Townships, den Armenvierteln, die sich of kilometerweit über die Stadt erstrecken. Hier leben Kinder, die oftmals für uns selbstverständliche Dinge wie Süßigkeiten nur aus der Werbung kennen. „Armut muss man riechen“, zitiert die Kreisvorsitzende die Aussage eines unbekannten Verfassers. Diese Aussage kann sie nach ihrer Reise bestätigen. Sie hat als Fazit von ihrer Reise mitgenommen, dass es wichtig ist, aufmerksam zu bleiben. Armut sei nichts, was es nur in der Ferne gibt. So weist sie darauf hin, dass auch Schwerin die Stadt mit der bundesweit größten Kinderarmut ist. Das mache nachdenklich und verbunden mit ihren südafrikanischen Erlebnissen, fühlt sie sich verpflichtet auch zukünftig für die „richtigen Verteilungsmechanismen“ zu kämpfen. Die Sensibilität für den Nächsten bleibe nach wie vor wichtig.

Politiker als Mensch

Jeder Reisebericht ist an diesem Abend mehr als ein politisches Statement. Hier werden persönliche Einblicke gegeben. Was haben grüne Frauen für Versionen? Auf diese Frage findet man bei den Reiseberichten der Politikerinnen eine Antwort. Wer einmal die menschliche Seite von Politikern erleben wollte, der wurde an diesem Abend nicht enttäuscht. Hinter jedem Politiker steht eben auch ein Mensch und nicht nur eine politische Idee. Ein Erkenntnis, die wir uns als Bürger öfters mal ins Bewusstsein zurückrufen sollte. Solche Veranstaltungen verschaffen dazu eine gute Möglichkeit.

Redaktion

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