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Eskalierende Probleme:
Gewalt und Unsicherheit in Erstaufnahme Stern Buchholz

Messerattacken, Schlägereien, mutwillige Beschädigung, Vergewaltigungen, kurz: Unfassbare Zustände herrschen seit Jahren in der Erstaufnahme in Stern Buchholz.

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  • Veröffentlicht August 22, 2023

Messerattacken, Schlägereien, mutwillige Beschädigung, Angriffe auf Mitarbeiter, kurz: Unfassbare Zustände herrschen seit Jahren in der Erstaufnahme in Stern Buchholz. Gestern veröffentlichte das Onlineportal „Nius“ eine Reportage über Stern Buchholz. Alles ist seit Jahren bekannt  – passiert ist bisher nichts.

 

Stern Buchholz
Eine Reportage über die Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz zeigt eklatante Probleme auf. | Foto. Screenshot Nius

 

Die Skepsis vieler Menschen in Stern Buchholz war groß, als 2015 bekannt wurde, dass in ihrem Ort eine Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen entstehen soll. Wer sorgt für die Sicherheit? Wie ist es um die Straßenbeleuchtung bestellt? Wie oft fährt künftig der Bus nach Stern Buchholz? Diese und andere Fragen beschäftigen die Bürger damals.

Schwerins damalige Oberbürgermeisterin, Angelika Gramkow (Linke), betonte auf einer Bürgerversammlung, dass es viele Beispiele für das gute Miteinander von Einheimischen und Migranten gebe. „Wenn es wirklich Probleme in Stern Buchholz geben sollte, stehen Sie nicht allein“, versicherte Gramkow damals den Bürgern.

Symbol für eine gescheiterte Flüchtlingspolitik?

Nun, acht Jahre danach, scheinen sich die damaligen Befürchtungen der Bürger bewahrheitet haben. Das legt zumindest ein gestern veröffentlichter Videobeitrag des Onlineportals „Nius“ nahe. Stern Buchholz, so das Fazit der Filmemacher, sei ein Symbol für das Scheitern der bisherigen Flüchtlingspolitik.

Durch eine brutale Messerattacke im Juli in Stern Buchholz sind die Macher auf die Erstaufnahmeeinrichtung aufmerksam geworden. Nachdem das Portal über die Fall berichtete, meldeten sich Menschen bei der Nius-Redaktion und erzählten über die Zustände vor den Toren Schwerins.

Was der Beitrag ans Tageslicht fördert, macht sprachlos. So berichten ehemalige Mitarbeiter von einer regelrechten Atmosphäre der Gewalt in der Flüchtlingsunterkunft, die von den Maltesern betrieben wird. Messerstechereien, Massenschlägerei, Drogenhandel und Angriffe auf die Mitarbeiter der Unterkunft scheinen an der Tagesordnung zu sein. Zu diesem Schluss muss man zumindest kommen, wenn man sich die Erfahrungen der Ex-Mitarbeiter anhört.

Ob diese Erfahrungen den Tatsachen entsprechen oder nicht – das lässt sich aus dem Beitrag nicht heraushören. Die Filmemacher von „Nius“ haben aber auch Dokumente ausgewertet, die genau das bestätigen, was die Mitarbeiter vor der Kamera erzählen.

90 Soforteinsätze der Polizei

Dass es in der Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz enorme Probleme gibt, dass weiß man schon seit Jahren. So gab es beispielsweise im vergangenen Jahr 90 Soforteinsätze der Polizei zur Gefahrenabwehr.

Bei den 90 Einsätzen ging es in 55 Fällen um Körperverletzungsdelikte. In 29 Fällen musste die Polizei wegen des missbräuchlichen Auslösens der Brandmeldeanlage von einer Gefahrenlage ausgehen und ausrücken.

Im Beitrag von „Nius“ schildert ein Mitarbeiter, dass es 2016 oder 2017 einen Monat lang täglich zu Feueralarm in der Unterkunft gekommen sei. So habe ein Mann beispielsweise den Feueralarm ausgelöst, weil ihm das Taschengeld gestrichen worden sei, weil er zuvor eine Fensterscheibe eingeschlagen hatte.

Zu den 90 Einsätzen kamen in Stern Buchholz noch 234 polizeiliche Maßnahmen, wie beispielsweise Identitätsfeststellungen wegen des Verdachts des unerlaubten Aufenthalts, dazu.

Mitarbeiter haben Angst

In der Vergangenheit schilderten immer wieder Mitarbeiter der Unterkunft unserer Redaktion gegenüber die katastrophalen Zustände in Stern Buchholz. Sie hätten inzwischen Angst, in der Erstaufnahmeeinrichtung zu arbeiten. Von der Einrichtungsleitung fühle man sich im Stich gelassen. Obwohl die Situation bekannt ist, würde es so gut wie keine Hilfe geben. Aus Angst vor Repressalien wollten alle Gesprächspartner damals anonym bleiben.

Der jetzt veröffentlichte Beitrag auf „Nius“ fasst eigentlich nur das zusammen, was viele Menschen in Schwerin seit Langem wissen.

Die Politik hielt sich bisher sehr bedeckt zu diesem Thema, obwohl direkt vor der Tür Schwerins so unakzeptable Zustände herrschen. Die Frage nach politischer Verantwortung kann natürlich nicht bei der Stadt gesucht werden. Trotzdem berühren diese Stern Buchholzer Verhältnisse auch das Zusammenleben der Menschen in Schwerin.

Gruppe der Störer polizeibekannt

Wer mit Polizisten über Stern Buchholz spricht, der erfährt, dass es eine kleine Gruppe von Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung ist, die diese Zustände herbeigeführt haben. Die Gruppe sei polizeilich bekannt.

Als erstes äußerte sich nach Veröffentlichung der Reportage auf „Nius“ das Vorstandsmitglied der FDP in Schwerin, Paul Bressel, auf X, vormals Twitter.

Bressel, der immer wieder auch für seine Aussagen zur Migrationspolitik in der öffentlichen Kritik gestanden hat, fragt, ob Oberbürgermeister, Rico Badenschier (SPD), Ministerpräsidentin, Manuela Schwesig (SPD) oder die Staatsministerin für Integration bei der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD), von den Zuständen in Stern Buchholz wissen? „Warum wird nichts unternommen, um diese Straftaten und Missstände einzudämmen?“, fragt Bressel weiter.

 

Das Onlineportal „Nius“ ist nicht unumstritten. Immer wieder setzt das Portal auf Empörungsjournalismus. Auch bei der gestern veröffentlichten Reportage klingen diese Tendenzen an. Trotzdem kann man dem Portal nicht absprechen, dass es mit Stern Buchholz ein heißes Eisen angefasst hat, dass in Schwerin schon länger für Unverständnis sorgt.

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Stefan Rochow

ist Journalist, Unternehmer und Gründer von SNO | Schwerin-Lokal. Mail: redaktion@sn-o.de

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