Wohnen im Jagdschloss: Investoren kommen in Friedrichsthal voran

Immer wieder fragten sich die Friedrichsthaler, wie geht es nun eigentlich mit ihrem Jagdschloss weiter? Seit 1993 leerstehend, hat eigentlich keiner mehr an eine Sanierung geglaubt. Im letzten Jahr nun der Anlauf einer Investorengruppe im Schloss Eigentumswohnungen zu errichten. Auf dem Lärchenfest am vergangenen Samstag stand Immobilienmakler Thomas Franck Rede und Antwort, wie weit die Pläne vorangekommen sind.

Blick auf das Jagdschloss Friedrichsthal
Foto: Dario Rochow | Schwerin-Lokal.de

Seit Jahren bietet das ehemalige großherzogliche Jagdschloss in Friedrichsthal einen traurigen Anblick. Irgendwann, so die Hoffnung vieler Friedrichthaler, muss diesem Bauwerk doch einmal wieder Leben eingehaucht werden. Bis 1993 als Altenheim genutzt, steht der Gebäudekomplex seit dem leer und wartet auf eine Sanierung. 

Dann 2010 flammte Hoffnung für das Schloss auf: Die Berliner Investorin Jenny Kirchhoff erwarb das Gebäude und hatte vielversprechende Pläne. So sollte neben Wohnungen ein Cafe entstehen und zum Verweilen einladen. Passiert ist allerdings nichts. Die anfangs interessierten Firmen sprangen der Investorin nach und nach ab, nachdem sich herausstellte, dass die Sanierung doch eine längere Zeit als ursprünglich geplant in Anspruch nehmen würde. 2014 dann das bittere Eingeständnis, dass nicht mehr feststehe, wie das Gebäude nun am Ende genutzt werden soll. Das war ein Tiefschlag. 

Am Rande des Lärchenfestes gab es eine Führung durch das Jagdschloss Friedrichsthal
Foto: Dario Rochow | Schwerin-Lokal.de

 

Wohnen im Schloss

 

Im vergangenen Jahr dann plötzlich wieder neue Hoffnung für das Areal: Drei Investoren kauften den Komplex. Schnell wurde ein Bauzaun um das sanierungsbedürftige Schloss gestellt. „Wohnen im Schloss“ kann man auf den blauen Planen lesen. Am vergangenen Samstag stellte Makler Thomas Franck am Rande des Lärchenfestes in Friedrichsthal, die Projektpläne den interessierten Friedrichsthalern vor. Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) und Mitglieder des Ortsbeirates, sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger  ließen sich von Frank durch das Schloss führen – neugierig, was die Investoren in den kommenden Jahren planen. 

Insgesamt neun Wohneinheiten sollen hier nach den Plänen der Investoren entstehen. Dafür sind aufwändige Sanierungsarbeiten geplant. Moderne Grundrisse, Fußbodenheizung, hochwertige Ausstattungen der Wohnungen und Dreifachverglasung, damit der Schall von der Bundesstraße nicht zu hören ist – in den Planungen ist an alles gedacht.

So soll das Schloss nach der Sanierung (Hinteransicht) einmal aussehen.
Foto: Thomas Franck Immobilien

Doch es gibt noch ein weiteres Highlight für die künftigen Schlossbesitzer: Der sich im hinteren Schlossteil befindliche Garten soll im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet werden. Zugang werden nur die Bewohner des Schlosses haben. Wer sich einmal als Schlossbesitzer fühlen möchte, der kann sich das Gefühl zukünftig im Jagdschloss Friedrichsthal holen. Allerdings ist es noch ein kleiner Weg zum Ziel. 

Das Jagdschloss saniert in Vorderansicht
Foto: Thomas Franck Immobilien

 

Frühjahr 2019 sollen Sanierungsarbeiten beginnen 

 

Im Moment bereiten die Holzschutzgutachter, Statiker und Ingenieure den Bauantrag vor. Die Grundrisse der Pläne seien schon mit der städtischen Denkmalpflege und der Landesdenkmalbehörde abgestimmt. „Der Investor geht von Genehmigungen im Frühjahr 2019 aus. Dann könnte der Bau beginnen. Ende 2020 rechnen wir dann mit einem Bezug.“, sagt der Makler. Auch Kaufinteressenten habe man schon. „Zwei von neun Einheiten sind schon reserviert“, so Thomas Franck.

Das es nach dem Hickhack mit der Vorbesitzerin auch Skepsis darüber gibt ob die Pläne am Ende auch realisiert werden können, das kann Makler Franck verstehen. „Die Investoren und ich können aber nichts für die Vorbesitzerin und deren Handlungen.“ Die Vorbesitzer seien aber sorgsam mit dem Bestand umgegangen und hätten auch umfangreiches Material  mitverkauft. Franck ist deshalb fest davon überzeugt, dass die Pläne der Investoren auch in die Tat umgesetzt werden können. 

Im Frühjahr 2019 soll mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. Das Schloss heute in der Hinteransicht
Foto: Dario Rochow | Schwerin-Lokal.de

Das Jagdschloss in Friedrichthal wurde im Jahr 1790 vom Regierungsrat v. Brandenstein als Sommerhaus errichtet. Später war es das Jagdschloss von Großherzog Friedrich Franz I., wurde aber nur sehr selten genutzt. Daher wurde es Vereinen und Bürgern zur Verfügung gestellt. Letztmals soll 1822 eine Hofjagd stattgefunden haben. Bemühungen der folgenden Jahre, das Schloss zu verkaufen, verliefen im Sande. 1914 wurden im Schloss erholungsbedürftige Soldaten untergebracht. Im Jahr 1936 ging es an den Kyffhäuserbund und wurde Kriegerheim. Nach 1945 war es zuerst Tuberkuloseheilanstalt, danach dann bis 1993 ein Altenheim. Seit dieser Zeit steht das Jagdschloss in Friedrichsthal leer. 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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