Close

Kammerpräsident fordert Aussetzung des Ladenschlussgesetzes

„Die geset­zlich vorgeschriebe­nen Ladenöff­nungszeit­en soll­ten mit der Wieder­eröff­nung des Han­dels bis Ende des Jahres 2022 außer Kraft geset­zt wer­den.“ Mit dieser Forderung geht der Präsi­dent der IHK Neubran­den­burg für das

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht März 3, 2021
Ladenöff­nung – ger­ade auch son­ntags – war ist und bleibt auch in Schw­erin ein heik­les The­ma. | Foto: Gert Alt­mann

„Die geset­zlich vorgeschriebe­nen Ladenöff­nungszeit­en soll­ten mit der Wieder­eröff­nung des Han­dels bis Ende des Jahres 2022 außer Kraft geset­zt wer­den.“ Mit dieser Forderung geht der Präsi­dent der IHK Neubran­den­burg für das östliche Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Dr. Wolf­gang Blank, an die Öffentlichkeit.

 

Neubrandenburgs IHK-Präsident für Aussetzung des Ladenschlussgesetzes

Die behördlichen Ein­schränkun­gen wegen der Coro­na-Pan­demie hät­ten, so Blank, weite Teile des Einzel­han­dels an den Rand des wirtschaftlichen Ruins geführt. Unternehmerische Exis­ten­zen sowie Arbeit­splätze der Beschäftigten stün­den auf dem Spiel. Die bish­er gezahlten Staat­shil­fen seien teil­weise noch immer nicht angekom­men bzw. kön­nen die erlit­te­nen Ver­luste nur teil­weise aus­gle­ichen. Darüber hin­aus stün­den die Zen­tren in den Klein‑, Mit­tel- und Großstädten vor ein­er Verö­dung. „Mit der jet­zt zwin­gend notwendi­gen Öff­nung des gesellschaftlichen Lebens wird auch Han­del­stätigkeit in weit größerem Maße als bish­er wieder möglich wer­den. Diese Sit­u­a­tion muss genutzt wer­den, um unternehmerische Exis­ten­zen in beson­der­er Weise im Einzel­han­del zu erhal­ten. Die Unternehmerin­nen und Unternehmer wollen wirtschaftlich aktiv sein. Deshalb haben sie sich selb­st­ständig gemacht und nicht, um vom Staat ali­men­tiert zu wer­den. Das gilt sich­er auch für die Beschäftigten, die raus aus dem Kurzarbeit­ergeld wollen”, so Blank.

 

Wer es mit Unterstützung ernst meint, muss auch handeln

Diese Sit­u­a­tion im Blick, fordert der Präsi­dent der IHK zu Neubran­den­burg „nicht sofort in alte Denk- und Argu­men­ta­tion­s­muster zu ver­fall­en”. Wer es ernst mit der Unter­stützung des Einzel­han­dels und des Erleb­nis­raumes Innen­stadt meine, müsse auch zu entsprechen­den Wegen bere­it sein. Hier­bei zielt Blank konkret auf das Laden­schlussge­setz, dessen Aus­set­zung bis Ende 2022 er fordert. „Die Aus­set­zung der Ladenöff­nungszeit­en kostet den Staat und die Steuerzahler kein Geld. Wir als IHK sind für solch eine Diskus­sion offen“, so Dr. Wolf­gang Blank. „Die Coro­na-Pan­demie hat außergewöhn­liche Ein­schränkun­gen und Belas­tun­gen für den Einzel­han­del gebracht. Darauf gilt es mit dem Lösen bürokratis­ch­er Brem­sen wie den Ladenöff­nungszeit­en zu reagieren.“

 

Nahezu zeitgleich präsentieren Kirchen und Gewerkschaften Film für arbeitsfreien Sonntag

Wenn auch die zeitliche Nähe zufäl­lig sein dürfte, melde­ten sich gestern auch Kirchen und Gew­erkschaften zu Wort. mit einem Kurz­film erin­nerten dabei Erzbis­tum Ham­burg, der Kirch­liche Dienst in der Arbeitswelt der Nord­kirche (KDA) und die Vere­inte Dien­stleis­tungs­gew­erkschaft (ver.di Nord) arbeits­freien Son­ntag. Zwar sei er seit 1700 Jahren zwar gesellschaftlich wie poli­tisch anerkan­nt. Trotz dessen und auch trotz sein­er Ver­ankerung im Grundge­setz sehen die Insti­tu­tio­nen den freien Son­ntag im Zeital­ter von Dig­i­tal­isierung, Online­han­del und Son­ntagsöff­nun­gen zunehmend in Gefahr. 

 

„Dein Sonntagsgefühl” seit gestern auf YouTube zu sehen

Gemein­sam mit Filmemach­er Malte Block­haus entwick­el­ten sie daher einen Kurz­film zum The­ma „Dein Son­ntags­ge­fühl”. Der Streifen beste­ht  dabei aus ein­er Vielzahl kurz­er Videobeiträge. Diese sandten zahlre­iche Men­schen nach einem öffentlichen Aufruf der Ini­tia­toren ein. So ent­stand ein Gesamt­bild, das aus Sicht der Kirchen und Gew­erkschaften den Son­ntag aus­mache und zeige, warum er so uner­set­zlich ist. Dieser Film ist u.a. auf der YouTube-Seite des KDA zu sehen: https://bit.ly/300zXy6.

 

Initiatoren erinnern an juristischen und politischen Kampf gegen Sonntagsöffnungen im Einzelhandel 

Der Son­ntag sei nicht nur Tag der Arbeit­sruhe, son­dern auch der „seel­is­chen Erhe­bung“. Für die Kirchen ist es der Tag des Gottes­di­en­stes. Ein Arbeit­stag also für zahlre­iche Kirchenbe­di­en­stete, Pas­toren und Priester. Dies sollte man bei diesem Argu­ment und dem vehe­menten Kampf der Kirchen unter anderem gegen Son­ntagsöff­nun­gen dur­chaus auch im Blick haben. Denn ger­ade auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern waren es immer wieder die Kirchen und Gew­erkschaften, die durch entsprechende Gerichtsver­fahren eine möglichst lib­erale Regelung von Möglichkeit­en der Son­ntagsöff­nung in touris­tisch geprägten Gebi­eten zunichte macht­en. Eine Regelung, die eine große Zahl regionaler Einzel­händler dur­chaus befür­worteten, und die doch in vie­len Gebi­eten erkennbare Umsatz­zuwächse brachte. 

Zudem sei er auch ein Tag, an dem viele Aktiv­itäten in den Kirchenge­mein­den stat­tfind­en. Die Ini­tia­toren unter­stre­ichen zudem, dass der Son­ntag zugle­ich der Tag für gemein­same Zeit in der Fam­i­lie, für Kul­tur, Sport und Erhol­ung sei. Ohne ihn gäbe es keinen gemein­samen freien Tag mehr. „Deshalb engagieren sich evan­ge­lis­che und katholis­che Kirche und Gew­erkschaften gemein­sam, juris­tisch wie poli­tisch, seit vie­len Jahren gegen eine Aufwe­ichung des Son­ntagss­chutzes und die Ent­gren­zung von Arbeit. Eine Aufwe­ichung wie beispiel­sweise im Einzel­han­del, würde dazu führen, dass immer mehr Branchen nachziehen”, so die Nord­kirche in ein­er Pressemit­teilung. Und sie ergänzt: „Für Men­schen im Gesund­heitswe­sen, bei den Ver- und Entsorgung­sun­ternehmen, bei Polizei, Feuer­wehr, im öffentlichen Verkehr, in Kul­tur, Sport und Unter­hal­tung, für Jour­nal­is­ten und in etlichen anderen Bere­ichen ist Son­ntagsar­beit schon heute gängige Prax­is”. Mehr als diese bloße Fest­stel­lung sagt die Nord­kirche in ihrer Darstel­lung allerd­ings zu diesen Beruf­s­grup­pen nicht.