Do, 13. August 2026
Close

Kirchen erinnern an Mauerfall 1989

Schw­erin (pm/std). Vor 25 Jahren fiel die Mauer: Mit einem Öku­menis­chen Gottes­di­enst im Schw­er­iner Dom erin­nerten die Evan­ge­lisch-Lutherische Kirche in Nord­deutsch­land (Nord­kirche) sowie die katholis­chen Erzbistümer Ham­burg und Berlin heute

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht November 9, 2014

Schweriner Dom

Schw­erin (pm/std). Vor 25 Jahren fiel die Mauer: Mit einem Öku­menis­chen Gottes­di­enst im Schw­er­iner Dom erin­nerten die Evan­ge­lisch-Lutherische Kirche in Nord­deutsch­land (Nord­kirche) sowie die katholis­chen Erzbistümer Ham­burg und Berlin heute (9. Novem­ber) an die friedlichen Rev­o­lu­tion im Herb­st 1989.

„Dieses Gedenken ist nicht nur rück­wärts­ge­wandt, nicht nur dankbares Erin­nern an Gewe­senes, son­dern drin­gend nötig, um Zukun­ft zu gestal­ten“, erk­lärte Lan­des­bischof Ger­hard Ulrich (Evan­ge­lisch-Lutherische Kirche in Nord­deutsch­land), in der Predigt, die er gemein­sam mit Diöze­sanad­min­is­tra­tor Ans­gar Thim (Erzbis­tum Ham­burg) hielt. „Ich war damals Kaplan in dieser Stadt.  Mit vie­len tausenden Demon­stran­ten – mit Kerzen in der Hand, gestärkt durch das Friedens­ge­bet – demon­stri­erten wir auf den Straßen Schw­erins“, schilderte Thim.

Gottes Wort befre­it von Duck­mäuser­tum und Angst

„Ohne die heil­same Sprengkraft der Selig­preisun­gen ist für mich die friedliche Rev­o­lu­tion in der dama­li­gen DDR nicht zu erk­lären – dieser wun­der­bare deutsche Beitrag zur Welt­frei­heits­geschichte“, hob Lan­des­bischof Ulrich her­vor. „Da hat eine Dik­tatur friedlich die Macht abgegeben – auch weil das sub­ver­sive Quell­wass­er des Wortes Gottes, wie es in der Bibel bezeugt ist, nicht einzu­mauern war und weil keine Mauer die Sehn­sucht nach Recht und Frei­heit und Schalom, Frieden, hal­ten kann.“ Das Wort Gottes befreie „von Duck­mäuser­tum und Angst“ und zu ein­er Hal­tung, „die den Auf­s­tand wagt gegen allen Kleingeist, gegen Mitläufer­tum“, sagte Lan­des­bischof Ger­hard Ulrich. „Das ist die Hal­tung, die die Schwachen und Ängstlichen mit­nimmt, weil sie gebraucht wer­den für die Sache des Friedens und der Frei­heit“. Daran zu erin­nern, sei drin­gend nötig: „Gegen wieder aufk­om­menden Frem­den­hass, gegen Gewalt und Ter­ror, gegen Vertrei­bung und Mord. Und gegen Gle­ichgültigkeit.“

Diöze­sanad­min­is­tra­tor Thim betonte: „‚Wir sind das Volk!‘ – die mit diesen Worten ver­bun­dene gewalt­lose Macht hat die Mauern eines Unrechtsstaates ein­stürzen lassen. Wir glauben, dass Gott die Macht und den tat­säch­lichen Willen auch heute hat, seine fro­he Botschaft gegen das Böse in dieser Welt durchzuset­zen. Darum find­et ER auch heute viele men­schliche Herzen, die seinem Ruf fol­gen und Ver­ant­wor­tung übernehmen. Damit meine ich nicht nur Chris­ten, son­dern alle Men­schen, die guten Wil­lens sind.“

Kollek­te für Bürg­erkriegs­flüchtlinge aus Syrien

Der Gottes­di­enst stand unter dem bib­lis­chen Leit­wort „Sie wer­den ihre Schw­ert­er zu Pflugscharen machen“ aus dem Buch des Propheten Micha (Kapi­tel 4, Vers 3) im Alten Tes­ta­ment der Bibel. Das Erzbis­tum Berlin wurde durch Dom­pro­pst Prälat Ronald Rother vertreten, der die gottes­di­en­stliche Lesung der Selig­preisun­gen aus der Berg­predigt Jesu im Matthäu­se­van­geli­um über­nom­men hat­te.

Neben zahlre­ichen Besuch­ern aus den Kirchenge­mein­den Schw­erins und darüber hin­aus haben auch die Min­is­ter­präsi­den­ten Erwin Sel­l­er­ing (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) und Torsten Albig (Schleswig-Hol­stein) sowie weit­ere Gäste aus Poli­tik, Kirche, Wirtschaft, Wis­senschaft und Kul­tur am Gottes­di­enst teilgenom­men. Im Anschluss find­et der gemein­same Fes­takt der Bun­deslän­der Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Schleswig-Hol­stein zum Jahrestag des Mauer­falls im Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­ater Schw­erin statt.

Die Kollek­te im Gottes­di­enst war bes­timmt für die kirch­lichen Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen Car­i­tas Inter­na­tion­al  und Diakonie Katas­tro­phen­hil­fe. Mit dem gesam­melten Geld wollen die Kirchen die human­itäre Hil­fe unter­stützen, die bei­de Organ­i­sa­tio­nen für Bürg­erkriegs­flüchtlinge aus Syrien leis­ten.

Musikalisch gestal­teten den Gottes­di­enst Domkan­tor Jan Ernst sowie ein Ensem­ble aus jun­gen Bläserin­nen und Bläsern aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern unter der Leitung von Lan­desposaunen­wart Mar­tin Huss.

Der Öku­menis­che Gottes­di­enst am 25. Jahrestag des Mauer­falls war zugle­ich der Beginn der diesjähri­gen Öku­menis­chen Friedens­dekade unter dem Mot­to „Befre­it zum Wider­ste­hen“. Während des Gottes­di­en­stes wurde auch zum Gedenken an die Reich­s­pogrom­nacht am 9. Novem­ber 1938 um 18 Uhr vor der Schw­er­iner Syn­a­goge auf dem Schlachter­markt ein­ge­laden.