Nordkirche feiert Amtseinführung von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

Mit einem Festgottesdienst und einer großen Kaffeetafel auf dem Marktplatz feierte die Nordkirche gestern die Amtseinführung von Kristina Kühnbaum-Schmidt als Landesbischöfin.

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt erhält das Amtskreuz aus den Händen von Ralf Meister, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) Foto: Marcelo Hernandez, Nordkirche

In einem Festgottesdienst im Dom St. Marien und St. Johannis und auf dem Marktplatz von Schwerin ist gestern Kristina Kühnbaum-Schmidt in ihr Amt als Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) eingeführt worden. Die Einführung nahm Landesbischof Ralf Meister (Hannover) als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) vor, der ihr auch das Amtskreuz übergab. Anschließend hielt die Landesbischöfin ihre erste Predigt im neuen Amt. Der Gottesdienst wurde live aus dem Dom im NDR Fernsehen übertragen und war zusätzlich auf einer Großbildleinwand auf dem Schweriner Marktplatz mitzuerleben.

 

Der Schritt ins Amt einer Landesbischöfin erfordere Mut

 

In seiner Ansprache würdigte Landesbischof Meister seine neue Kollegin im bischöflichen Amt als eine einfühlsame, kluge und mutige Frau, deren „aufmerksame und achtsame Art“, auf Menschen zuzugehen, schnell ersichtlich sei. Kühnbaum-Schmidt sei geprägt von der „Lust an Theologie“ und jener „intellektuelle(n) Durchdringung all dessen, was uns im Glauben zum Verstehen drängt“. Gott sei für sie nicht nur eine geistliche, sondern auch eine geistige Lebensform. Der Schritt ins Amt einer Landesbischöfin erfordere Mut. Offenheit und Freude auf das Neue aber zeichne die neue Bischöfin aus: „Das Neue ist ein Geschenk aus den Möglichkeiten Gottes. Christinnen und Christen sind Möglichkeitsmenschen, die mit dem Unmöglichen leben. Und diesem Unmöglichen wollen Sie im Leben anderer Menschen Gestalt geben, sie begleiten zu einem beschenkten, einem gerechten, einem barmherzigen Leben“, sagte Landesbischof Meister.

Raik Harder aus dem Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und Lienke Jürgensen, Kirchenkreis Nordfriesland, entzündeten Kerzen und überbrachten stellvertretend Segenswünsche aus der ganzen Nordkirche für die Landesbischöfin, auch auf Plattdeutsch: „Wi wünschen uns en vielfältige un opene Kark mit en Och un Platz för alle. Much unse wiede Himmel un Gottes Segen Se immer to siets stohn.“

 

Wir versuchen zu tun, was Not und Leid lindert

 

In ihrer Predigt sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Zu Pfingsten, dem großen Erinnerungsfest der christlichen Kirche, feiern wir, dass sich weltweit Menschen zum christlichen Glauben bekennen und darin miteinander verbunden sind. An Pfingsten erinnern wir alle einander: Wir glauben an den einen Gott, an den einen Christus,  verbunden in dem einen, dem Heiligen Geist. Wir singen von der unbeirrbaren Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Wir seufzen mit Gottes Schöpfung,  bitten und beten um seine Gerechtigkeit und seinen Frieden. Wir versuchen zu tun, was Not und Leid lindert. Wir gehören zusammen als Schwestern und Brüder aus aller Welt. Und mögen die Töne der Nationalisten und Populisten  in unserem Land oder wo auch immer in dieser Welt auch noch so laut werden und noch so schrill sein – auch heute und hier wird öffentlich sichtbar und erfahrbar: Über alle Grenzen von Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen und Nationalitäten hinweg sind wir verbunden auf der Suche nach Versöhnung und Frieden.“

Prozession aus dem Dom Foto: Marcelo Hernandez, Nordkirche

Die Landesbischöfin betonte: „Von allen Anfängen an sind wir als Frauen und Männer gleichermaßen geliebt und gesegnet. Gleichermaßen beauftragt, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. Gleichermaßen berufen, die Liebe Christi zu leben. Gleichermaßen geistvoll begabt und befähigt für alle Aufgaben und Dienste und Ämter seiner Kirche.“ Auch an die friedliche Revolution in Osteuropa und der DDR vor 30 Jahren erinnerte Kristina Kühnbaum-Schmidt. Damals hätten viele Menschen das Schweigen gebrochen und sich auf den Straßen, mit Kerzen in den Händen, Würde und Freiheit zurückerobert.

Zugleich mahnte die Landesbischöfin: „Heute schicken wir selbst uns an, das Leben auf dieser Erde zu zerstören, Gottes geliebten Geschöpfen, und mit ihnen uns selbst, die Lebensgrundlage zu entziehen. Alle, die sich zu Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, bekennen, müssen sich deshalb fragen lassen, ob sie diese Welt und alles Leben auf ihr wirklich als Gottes Schöpfung, als sein Eigentum, betrachten. Als Schöpfung, die für unser Geld nicht zu haben ist. Aber die wir um dieses Geldes willen zerstören.“ Die Landesbischöfin weiter: „Wer sich zu Christus bekennt, wird sich entscheiden müssen, als Einzelner, als Kirche: Was tust du, was tun wir, um Gottes Schöpfung, um das Leben auf dieser Erde zu behüten und zu bewahren?“

Nach dem Gottesdienst gab es dann ein Abendmahl, Festprogramm und einer Kaffeetafel unter freiem Himmel auf dem Marktplatz. Zu den Gästen aus Kirche, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Medien zählten auch Abgesandte der 29 Partnerkirchen der Nordkirche, Repräsentanten der Katholischen Kirche sowie weitere ökumenische Gäste.

 

Auf eine gute Zusammenarbeit

 

Für die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns sprach Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: „Herzlich willkommen in Schwerin, im Norden. Für Ihr neues Amt wünsche ich Ihnen, dass Sie die Herzen der Menschen gewinnen, dass Sie die Nordkirche auf ihrem Weg durch die Zeit mit all ihren Erfahrungen weiter stärken und lebendig gestalten und in eine gute Zukunft führen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig freut sich auf eine gute Zusammenarbeit mit der neuen Landesbischöfin Foto: Marcelo Hernandez, Nordkirche

Für Schleswig-Holstein überbrachte Landtagspräsident Klaus Schlie die Grüße: Er hob die Bedeutung der Nordkirche als einzige evangelische Landeskirche hervor, „in der heute Christinnen und Christen zusammengefasst sind, die aus dem alten Westen und dem alten Osten stammen“. Er würdigte die neue Landesbischöfin als aufrechte Christin, die sich den Herausforderungen mit Maß und Mitte stellen werde. „Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen alles Gute, vor allem Mut und Kraft für alle anstehenden Entscheidungen.“

Staatsrat Jan Pörksen, Chef der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg, sagte in seinem Grußwort: „Mit mehr als 450.000 Mitgliedern ist die Nordkirche die größte Religionsgemeinschaft in Hamburg. Sie ist ein zentraler Bestandteil unseres Gemeinwesens und ein wichtiger Partner für den Hamburger Senat. Viele Mitglieder der Nordkirche stärken ehrenamtlich den Zusammenhalt in unserer Stadt, dafür bedanke ich mich sehr. Ich gratuliere Ihnen herzlich und wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg.“

Für den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns sprach dessen 1. Vizepräsidentin Beate Schlupp: „Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand in der Vertretung der Nordkirche nach innen und außen und vor allem auch in der Seelsorge. Das Kümmern um die Menschen und ihre Sorgen ist etwas, wo Kirche und Politik eine Schnittmenge haben. Wir finden nicht immer dieselben Antworten. Doch wir müssen den Menschen zugewandt sein – ihre Probleme und Anliegen ernst nehmen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihnen die Verwaltungsaufgaben dafür Zeit lassen.“

Ulrike Hillmann, Präses der Landessynode der Nordkirche, sagte: „Als Landesynodale geben wir Ihnen unseren Nordstern mit auf den Weg. Er ist Symbol für eine junge Kirche, in der viele Menschen Initiative ergreifen und mit Leidenschaft ihre Talente einsetzen. Ich bin zuversichtlich, dass Sie Ihre vielen Gaben und Kompetenzen einbringen und so das landesbischöfliche Amt mit Leben füllen werden. Dafür wünsche ich Ihnen im Namen der Landessynode von Herzen alles Gute und Gottes reichen Segen!“

Als ökumenischer Vertreter der Partnerkirchen der Nordkirche sagte Bischof Godwin Nag, Evangelisch-Lutherische Kirche in Assam, Indien: „Das Werk der Gerechtigkeit ist keine Macht, kein Ansehen und kein Privileg, sondern der demütige Dienst an unserem Herrn und unseren Nächsten. Die Lage unserer gegenwärtigen Welt erfordert es, dass wir alle uns die Hände reichen für Gottes Mission, in Solidarität, Partnerschaft und Nachfolge. Ich wünsche Ihnen Gottes reichlichen Segen und seine Führung.“

Festkulisse auf dem Schweriner Marktplatz mit etwa 1.200 Gästen Foto: Marcelo Hernandez, Nordkirche

Der Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße erinnerte in seinem Grußwort an die Lübecker Märtyrer, die drei katholischen Priester und den evangelischen Pastor, die 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden, weil sie gegen die Verbrechen des NS-Regimes Stellung bezogen hatten. Heße: „Ich bin zuversichtlich, dass wir wie die Lübecker Märtyrer im Zeugnis für Christus mehr und mehr zur Einheit finden. Auch wenn unsere Kirchen noch manches trennt, sind wir doch gemeinsam unterwegs und lernen voneinander. Ich freue mich auf unsere Begegnungen und den gemeinsamen Weg in Kirche und Gesellschaft.“

Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck), Bischof Gothart Magaard (Sprengel Schleswig und Holstein), Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Sprengel Mecklenburg und Pommern, Greifswald) sowie der Ständige bischöfliche Stellvertreter im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Propst Wulf Schünemann, Rostock, überbrachten neben Segenswünschen einen Rucksack mit sprengelspezifischen Spezialitäten, wie eine Schneekugel mit dem Hamburger Michel, das Buch „Jütländische Kaffeetafeln“ von Siegfried Lenz, Kerzen aus der Lichtgießerei des Vaters von Caspar David Friedrich aus Greifswald und einen Gutschein für eine Führung zu Barlachs Werken in Güstrow.

Gegen 18 Uhr endete das Festprogramm zur Amtseinführung. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt verabschiedete alle Gäste mit einem Reisesegen.

 

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