Neue Missbrauchsvorwürfe: „Power for Kids“- Chef muss wieder vor Gericht

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs muss sich der Gründer und Chef des Vereins „Power for Kids“ am kommenden Dienstag erneut vor Gericht verantworten. Bereits 2016 war der Mann rechtskräftig zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Nun geht es um weitere Fälle, die während und nach der Verurteilung bekannt worden waren.

Am 9. Januar steht Peter B. nun erneut vor Gericht. Schon vor zwei Jahren wurde der ehemalige Mitarbeiter des Jugendtreffs „Power for Kids“ zu sechseinhalb Jahren Haft wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern in dem Verein verurteilt. Er hatte damals zugegeben in 60 Fällen Jungen sexuell missbraucht zu haben. B. war im Verein als Tanzgruppenleiter tätig gewesen. 

Peter B. hatte in einem sozialen Brennpunkt der Landeshauptstadt einen Jugendklub gegründet und wurde auch Vorsitzender des Vereins, der den Jugendclub betrieb. Öffentlichkeitswirksam setzte sich B. immer wieder als sozial-engagierter Mensch in Szene und erhielt dafür Anerkennung. Eltern, aber auch Stadt- und Landespolitiker priesen über Jahre hinweg die Initiative als eine Erfolgsgeschichte der Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten. Keine ahnte damals, was der Klubchef hinter der aufgebauten Fassade wirklich betrieb. 

 

Schwerer sexueller Missbrauch, Verbreitung pornografischer Schriften und Nötigung

 

Die Fälle, die nun am kommenden Dienstag vor dem Landgericht Schwerin verhandelt werden sollen, umfassen die Jahre zwischen 2010 und 2015. Sie waren erst während oder nach dem ersten Prozess bekannt geworden. Insgesamt 31 Straftaten an insgesamt fünf Kindern wirft die Staatsanwaltschaft dem 43-jährigen Mann vor. Es geht  unter anderem um schweren sexuellen Missbrauch, Verbreitung pornografischer Schriften und Nötigung.

 

Missbrauchsfälle erschütterten damals Schwerin 

 

Die Missbrauchsfälle bei „Power for Kids“ erschütterten vor gut zwei Jahren nicht nur die Stadt, sondern auch die damalige Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (LINKE) und das Schweriner Jugendamt gerieten damals massiv unter Druck. Ein Untersuchungsausschuss der Schweriner Stadtvertretung wies der Jugendamtsleiterin, der Oberbürgermeisterin und dem damaligen Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses Peter Brill eine Mitverantwortung dafür zu, dass die Übergriffe lange verborgen geblieben waren. Schon Anfang 2015 hatten sich Jungen einem Schulsozialarbeiter anvertraut, der darauf hin Kontakt zum Jugendamt aufnahm. Die Behörde schaltete aber damals nicht die Polizei ein. Öffentlich wurden die Fälle erst, als sich Betroffene im August an ihre Eltern wandten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits acht Monate seit Einschaltung des Jugendamtes vergangen. Die Amtsleiterin des Jugendamtes erhielt eine Abmahnung und wurde innerhalb der Verwaltung versetzt. Peter Brill trat kurz nach der Oberbürgermeisterwahl 2016, in der Angelika Gramkow abgewählt und Rico Badenschier (SPD) zum neuen Oberbürgermeister gewählt wurde, von seinem Amt als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses zurück. Im Juni 2016 wurde der private Jugendtreff dann dicht gemacht.  

 

 

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