Schwerin: Die ersten 200 iPads sind da!

Noch im November hatte es Krach gegeben um die noch nicht angekommenen Tablets für die Schulen in Schwerin. OB Badenschier erklärte seinerzeit die Gründe. Gestern nun wurden 200 von am Ende 1.550 Geräten an die erste Schulen übergeben. Ein erster Tropfen auf einen aktuell sehr heißen Stein.

Übergabe der Tablets an Schulleiterin Vera Arndt durch OB Rico Badenschier und KSM-Vorstand Matthias Effenberger in Schwerin. | Foto: LHS / Michaela Christen

Ende vergangenen Jahres hatte es aus den Reihen der Kommunalpolitik Schwerin Kritik an dem bisherigen Nicht-Vorhandensein der benötigten und bestellten Tablets an den Schulen der Landeshauptstadt gegeben. Anfang November kam es dabei zum offen ausgetragenen Schlagabtausch zwischen dem Vorsitzenden der Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB), Silvio Horn, und Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier.

 

Im November hatte es Krach um die Tablets zwischen Silvio Horn und OB Badenschier gegeben

Silvio Horn, Fraktionsvorsitzender Unabhängige Bürger (UB) Schwerin

Horn wies dabei darauf hin, dass bereits im Juni 2020 klar gewesen sei, dass in Kürze die Gelder aus dem DigiPakt fließen sollten. Diese Ankündigung hatte das zuständige Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich frühzeitig an die Schulträger gegeben, „damit möglichst zum Schuljahresstart die ersten Geräte an den Schulen zur Verfügung stehen“. Dies kann man in einem Schreiben des Ministeriums im Internet nachlesen. „Da ein vorzeitiger Maßnahmebeginn zugesagt war, hätten noch vor dem Beginn des neuen Schuljahres Geräte bestellt und bestenfalls geliefert sein können“, so Fraktionsvorsitzender Silvio Horn. „Wie am Dienstag dieser Woche [Anm. d. Red. 3. November 2020] im Hauptausschuss offenbar wurde, hat Oberbürgermeister Dr. Badenschier bislang keinen Auftrag zur Beschaffung ausgelöst“. Daraus leitete Horn ein „unkoordiniertes Vorgehen“ der Verwaltung ab. Die Stadt sei, so Horn im November 2020, „beim Thema Digitalisierung und IT-Infrastruktur in der Stadtverwaltung schlecht aufgestellt.“ Es bestehe „dringender Handlungsbedarf“.

 

Horn griff seinerzeit Badenschier scharf an – Der OB entgegnete nicht minder deutlich

Oberbürgermeister von Schwerin: Dr. Rico Badenschier | Foto: SIS/Christoph Müller

Dies ließ Oberbürgermeister Rico Badenschier dann allerdings nicht auf sich sitzen. Diese Vorwürfe seien „falsch und bewusst irreführend“. Aufträge in dem hier zur Rede stehenden Volumen müssten ausgeschrieben werden. Das sei „Herrn Horn bekannt“. Ausschreibung und Zuschlag seien entsprechend der Rechtslage erfolgt. Die Stadt habe „1550 schulgebundene mobile Endgeräte nach der Zuschlagserteilung abgerufen. Aus dem Umstand, dass ich die Gremien der Stadtvertretung über den Fortgang des Prozesses informiert habe, jetzt eine angebliche Nichtbestellung zu konstruieren, ist berechnend und durchschaubar“, so ein offensichtlich verärgerter Oberbürgermeister im November. Damit war klar: Die Bestellung war getätigt. Allerdings war Schwerin, das gehört auch zur Wahrheit, nicht die einzige Kommune in Deutschland, die eine entsprechende Order getätigt hatte. Daher galt es, mit durchaus längeren Lieferfristen zu leben.

 

Gestern übergab die Stadt 200 von später einmal 1.550 Tablets an Schulen

Gestern, also gut zwei Monate nach dem Schlagabtausch, berichtete die Pressestelle der Stadt Schwerin nun, dass die erste Charge der Gesamtbestellung in Schwerin verteilt worden sei. 200 der 1.550 bestellten Geräte. Also eher ein Tropfen auf den aktuell besonders heißen Stein. Empfänger der iPads seien weiterführende Schulen und Gymnasien gewesen, so die Stadt. Konkret gingen 30 Geräte an die IGS Bertolt Brecht, 30 an die Erich-Weinert-Schule, 30 an die Siemens-Schule, 20 an die Regionalschule Weststadt-Campus, 30 an die Astrid-Lindgren-Schule, 20 an das Goethe-Gymnasium, 20 an das Sportgymnasium und 20 an das Gymnasium Fridericianum. Über die schulinterne Verteilung entscheiden nun die Einrichtungen selbst.

Eine durchaus interessante Zahl benannte die Pressestelle der Stadt Schwerin dabei auch. So erhob die IGS Bertolt Brecht unmittelbar nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr den Bedarf. Dabei zeigte sich, dass etwa ein Fünftel der Schülerschaft (20%) nicht über die technischen Voraussetzungen für den Distanzunterricht verfügt. Für diese Schule entspricht das einer Zahl von 120 Schülerinnen und Schülern – bei nun 30 Geräten.

Weitere Geräte sind offenbar bereits an den Dienstleister KSM (Kommunalservice Mecklenburg) ausgeliefert. Dort erfolgt die Einrichtung der Geräte. In der kommenden Woche kann Schwerin dann mit einer nächsten Lieferung rechnen. „Wann das gesamte Kontingent und auch das Zubehör zur Verfügung stehen, ist noch nicht absehbar“, heißt es seitens des KSM.

 

„Keine Ausstattung ohne Konzept“ – Ist das wirklich so?

Oberbürgermeister Badenschier wies gestern aber auch darauf hin, das Vorhandensein der Technik allerdings nicht alles sei. Dabei lobte er gleichzeitig das Vorgehen seiner Verwaltung. „80 Prozent der Digitalisierung im Bereich der Schule besteht in der Neugestaltung von schulischen Prozessen und veränderten Methoden. Hier erweist sich unser Herangehen als richtig, schrittweise einheitliche IT-Standards für die digitale Bildung an allen kommunalen Schulen zu schaffen. Auch bei der Ausstattung der Schulen mit Endgeräten bleiben wir unserem Grundsatz treu: Keine Ausstattung ohne Konzept. Damit stellen wir sicher, dass die massiven Investitionen in die digitale Bildung maximalen Nutzen bringen.“

Folgt man dieser Aussage wortgenau, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass die entsprechend erforderlichen Konzepte an den Schulen bereits vorliegen und gelebt werden. Denn die Stadt liefert ja jetzt die Ausstattung, die es ohne Konzept nicht geben soll. Das allerdings darf, blickt man auf die aktuellen Abläufe und Prozesse des „Distanzunterrichts“ auch an den Schulen in Schwerin, schon mit einem großen Fragezeichen versehen werden.

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Zudem entwickelte, organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK ein Fashionevent in Schwerin. Heute arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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