Schwerin: Haltet Euch an die Maßnahmen!

Es gilt, das Corona-Virus zu stoppen - zumindest zu verlangsamen. Noch immer aber scheinen Unbelehrbare den Ernst der Lage auch in Schwerin zu ignorieren.

Obwohl alle Spielplätze in Schwerin gesperrt sind, werden sie weiter genutzt. | Foto: schwerin-lokal

Der Innenminister von M-V, Lorenz Caffier, unterstrich gestern noch einmal in Schwerin, wie wichtig es jetzt ist, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger an die aufgrund der sich rasant entwickelnden Corona-Pandemie geltenden Regeln halten. Schon am Abend zuvor hatte sich Kanzlerin Angela Merkel an die Bevölkerung Deutschlands gewandt. In der ersten außerordentlichen Ansprache dieser Art in ihrer Amtszeit stellte sie dabei mit viel Empathie aber auch Klarheit die derzeitige Situation dar. Sie erklärte die bisherigen Maßnahmen, machte aber auch deutlich, dass weitere Maßnahmen folgen könnten. Alles sei von der täglich neu zu bewertenden Entwicklung abhängig.


Politik legt weitere Maßnahmen auch in die Hände der Bevölkerung

Nun sollte man annehmen, dass wirklich Jeder begriffen hat, wie ernst die Situation ist. Noch nie hat es in der Geschichte der Bundesrepublik-Deutschland derartig massive Einschränkungen in das öffentliche Leben geben müssen. Der Staat handelt – und dies bislang mit Bedacht. Man mag im nachhinein noch einmal darüber diskutieren können, ob alles zum richtigen Zeitpunkt geschah. Aber es ist spürbar, dass die Politik es bewusst auch in die Hände der Bevölkerung gelegt hat, wie drastisch die letztlich erforderlichen Maßnahmen sind. 


Auch gestern wieder spielende Kinder auf gesperrten Spielplätzen

Verstanden allerdings haben dies offenbar so einige noch immer nicht. Weiterhin fanden in Berlin und andernorts bei Frühlingstemperaturen muntere Grillrunden in Parks und auf öffentlichen Wiesen statt. Andernorts veranstalten Unbelehrbare öffentliche Corona-Partys. Aber auch in Schwerin scheint die Vernunft noch nicht jeden erreicht zu haben. Denn noch gestern herrschte auf verschiedenen Spielplätzen der Stadt munteres Treiben. Sicherlich ist es richtig, dass die Stadt noch dabei war, alle 88 städtischen Spielplätze mit Absperrbändern und Hinweisschildern zu versehen. Aber niemand kann behaupten nicht zu wissen, dass eben diese Spielplätze grundsätzlich und ausnahmslos gesperrt sind. Blickte man aber beispielsweise auf die Spielwiese an der Möwenburgstraße oder den Spielplatz am Nordufer des Pfaffenteichs, klafften Forderung und Realität deutlich auseinander. Tobende Kinder, Eltern auf den Bänken. Bei so viel Unvernunft ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch wir Ausgangssperren erleben. 

 

Kommentar

So langsam muss man sich ganz ehrlich fragen, ob manche den berühmten Schuss nicht gehört haben. Da lassen Eltern ihre Kinder auf den gesperrten Spielplätzen toben und treffen sich andernorts Jung und Alt in Gruppen zu geselligem Beisammensein. Andere stürmen Supermärkte und Discounter um sich mit Toilettenpapier einzudecken und die Regale in Hamstermanier leer zu kaufen. Als gäbe es kein morgen. Und natürlich muss man gerade in dieser Zeit in Massen in die Gartencenter der Baumärkte stürmen, um gemeinsam die Pflanzen für den Garten zu auszusuchen. All das kann man derzeit auch in Schwerin erleben.

Noch gestern vor einer Woche gings zum Skilaufen nach Österreich

Die Krönung der Ignoranz und des Egoismus ist aber, noch Ende vergangener Woche munter zu einer Busreise in den Ski-Urlaub nach Österreich aufzubrechen, wie es 39 Personen von Schwerin aus taten. Darunter zahlreiche durchaus stadtbekannte Gesichter. Von Einsicht ist auch im Nachhinein wenig zu spüren. Wie ein Teilnehmer gegenüber der SVZ erklärte, fahre man als private Gruppe halt schon seit Jahren nach Österreich. Und es habe ja vor der Abfahrt keine Ankündigungen oder Reisewarnungen gegeben. Eventuell lag für konkret dieses Ziel in dem Augenblick keine solche Warnung vor. Schon vor ihrer Abreise aber war klar, dass das Virus gerade auch in Österreich zum Problem wurde. Großveranstaltungen waren bereits verboten, Universitäten geschlossen. Das war wirklich eine anspruchsvolle Denkaufgabe, daraus entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Speziell dann, wenn man mindestens eine Medizinerin mit dabei hat – die sich übrigens, wie es heißt, auch prompt infizierte. Man hätte nicht wenig Lust, die Namen der Teilnehmer zu veröffentlichen. Aber die Zeit des Prangers ist vorbei. Allerdings, bei einer Stadt wie Schwerin dürfte sich der eine oder andere Name schnell auch so herumsprechen. 

Ignoranz ist ein Schlag ins Gesicht derer, die jetzt für uns alle da sind 

Ob Spielplatzbenutzung, Party, Masseneinkauf oder gar Gruppenreise ins Skigebiet – die noch immer viel zu weit verbreitete Ignoranz in Teilen der Bevölkerung ist nicht nur gefährlich und Nährboden für eine weiterhin schnelle Ausbreitung des Virus. Sie ist vor allem auch ein Schlag ins Gesicht eben all der zahlreichen Menschen direkt an der „Corona-Front“. Ob als Verkäufer, Regaleinräumer, Krankenpfleger, Altenpfleger, Ärzte, Polizisten, Sanitäter etc. – sie alle stehen durch ihre Jobs direkt im Fadenkreuz des Virus. Zu Recht hat sie die Bundeskanzlerin am Mittwochabend deutlich erwähnt und ihnen gedankt. Zu Recht öffnen Menschen in verschiedenen europäischen Ländern abends ihre Fenster und applaudieren ihnen. Und ebenso zu Recht werden sie landauf landab als ALLTAGSHELDEN gefeiert. Denn ohne sie stünden wir vor einer noch viel größeren Katastrophe. Sie sind für uns da in diesen Tagen und Wochen. Das aber scheinen die Unbelehrbaren nicht zu verstehen – oder nicht verstehen zu wollen. 

Redaktion

der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Tel: (0385) 480 739 77 | E-Mail: redaktion@schwerinlokal.de

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published.