Schwerin: IG BAU fordert mehr Geld für Angestellte auf dem Bau

Auch die Bau-Angestellten in Schwerin hoffen auf ein Lohn-Plus. | Foto: IG BAU

Die rund 1.100 Bau-Beschäftigten in Schwerin sollen mehr Geld bekommen. In der anstehenden Tarifrunde für die Branche fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ein deutliches Lohn-Plus von 5,3 Prozent. Zudem soll ein Modell für die Entschädigung der sogenannten Wegezeit, also der oftmals langen, meist unbezahlten Fahrzeit zur Baustelle, weiterentwickelt werden. Die Ost-Löhne sollen den Einkommen im Westen angeglichen werden. „Der Boom der Bauwirtschaft hält trotz Pandemie an. Nun müssen die Beschäftigten an den steigenden Umsätzen beteiligt werden“, sagt Jörg Reppin, Bezirksvorsitzender der IG BAU Mecklenburg.

 

IG BAU fordert Lohnplus von 5,3% auf dem Bau

Gelingt dies, dürfte das bekannte Sprichwort „Des einen Freud, des Anderen Leid“ vermutlich wieder an Gültigkeit gewinnen. Denn ohne Frage dürften die Unternehmen eine solche Lohnsteigerung direkt an ihre Kunden weitergeben. Diese zahlen schon jetzt die seit Jahren höchsten Preise im Baubereich. Kurzum: Bauen würde teurer. Dagegen etwas zu tun, kann allerdings nicht Aufgabe der Angestellten auf den Baustellen in Schwerin und im Land sein. Vielmehr ist längst die Politik gefordert, die viel zu umfangreichen Bauvorschriften zu entstauben und vor allem zu verringern. Beispielsweise in den Niederlanden ist es so möglich, für Bruchteile der Kosten in Deutschland neue Gebäude zu errichten. Und auch die stehen eine halbe Ewigkeit.

 

Baubranche boomt auch in Corona-Zeiten

Daher sollten es eben nicht die Angestellten sein, die durch Lohnverzicht für eine ohnehin kaum mögliche Preisstabilität sorgen. Und dass gebaut wird, steht außer Frage. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde in Schwerin im vergangenen Jahr der Bau von 420 Wohnungen genehmigt. Dabei investierten Bauherren rund 89 Millionen Euro. Allerdings wäre ein Mehr – gerade auch im Bereich öffentlich geförderter, mietpreisgebundener Objekte – dringend erforderlich. 

„Während viele Branchen stark von den Lockdowns und Kontaktbeschränkungen betroffen sind, laufen die Arbeiten am Bau auf Hochtouren weiter“, sagt IG BAU-Verhandlungsführer Carsten Burckhardt. Statt Homeoffice und Kurzarbeit seien für viele Maurer, Zimmerleute und Straßenbauer Überstunden und Wochenendarbeit an der Tagesordnung. Dafür hätten sie eine faire Anerkennung verdient. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes stieg der Umsatz in der Branche im vergangenen Jahr um sechs Prozent. Auch die Aussichten für das laufende Jahr sind gut: Die Konjunkturprognose für das  Bauhauptgewerbe kletterte laut ifo-Institut im März mit einem Plus von 2,3 Prozent auf den höchsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie.

 

Neben Lohn-Plus auch Entschädigung für Fahrten zur Baustelle

Aber der Gewerkschaft geht es für die Angestellten auch in Schwerin um mehr als ein Plus beim Lohn. „Die Beschäftigten erwarten auch eine Entschädigung für die viele Zeit, die sie für den Betrieb zu ihren Baustellen unterwegs sind“, so Burckhardt.  Eine Weiterentwicklung der Wegezeitenentschädigung sei überfällig. Nach einer Studie des Pestel-Instituts legen Bauarbeiter in Deutschland im Schnitt 64 Kilometer für die einfache Strecke zur Arbeit zurück. Jeder Vierte ist mehr als eine Stunde zum Einsatzort unterwegs – plus Rückfahrt. Zum Vergleich: Unter allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
außerhalb des Bauhauptgewerbes betrifft das nur fünf Prozent.

Am 11. Mai starten die Tarifverhandlungen. Dann darf man gespannt sein, wie die Arbeitgeber über die Forderungen der Gewerkschaft denken.

Redaktion

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