Schwerin: Jüdische Gemeinde plant für ein Festjahr der menschlichen Begegnungen

Landesrabbiner Kadnykov wünscht sich zum Jubiläum "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" einen intensiven Dialog zwischen Menschen und Kulturen in "unserer schönen Stadt"!

„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – Landesrabbiner Kadnykov plant für ein Festjahr mit zahlreichen menschlichen Begegnungen | Foto: Schwerin-lokal / Peter Scherrer

 

Yuriy Kadnykov ist seit über sechs Jahren Oberrabbiner in Mecklenburg-Vorpommern. Der vor 46 Jahren auf der Krim geborene Rabbiner ist Reisen gewohnt. Seine Stationen waren Bamberg, Hannover, Magdeburg und Bad Pyrmont. Im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern muss er natürlich mobil sein. Auch wenn die Corona Maßnahmen es erschweren, direkten Kontakt zu den Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft zu halten, so ist der Rabbiner Kadnykov seelsorgerisch tätig zu sein. Selbstverständlich ist er zur Stelle, wenn es um die wichtigen Dinge des Lebens wie Geburten, Hochzeiten, aber auch Trauerfälle geht. In den beiden jüdischen Gemeinden Rostock und Schwerin hat das direkte Gespräch mit den Menschen der jüdischen Gemeinschaft gerade in dieser für viele schweren Zeit große Bedeutung. 

 

Viel Hoffnung auf viel Kultur, Geschichte und menschliches Miteinander

Das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ soll auch für die jüdischen Gemeinden in MV ein Festjahr sein. In ganz Deutschland sind dazu über 1000 Veranstaltungen geplant (siehe, dazu: https://2021jlid.de). Zahlreiche Veranstaltungen sind für den Herbst dieses Jahres geplant. Im Herbst soll in Schwerin eine Laubhütte gebaut werden, indem dann das sieben Tage dauernde Sukkot Fest gefeiert werden kann. Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und ein „Tag der offenen Tür“ sollen im Programm sein. Gerade im vergangenen Monat erhielten die Gemeinden einen Zuschuss der Landesregierung für ein Konzertprojekt. Das Bundesjazzorchester wird im Innenhof des Landtages aufspielen. Ebenfalls soll das „Jiddisch Swing Orchestra“, das Ensemble Ginzberg Dynastie im Herbst in MV gastieren.

 

 
In unserer Reihe „Schweriner Sommergespräch“ unterhielt sich Peter Scherrer mit dem Oberhaupt der jüdischen Gemeinden in MV. Leider fehlte beim Sommergespräch der Sommer. Regen und frischkalter Wind verhinderten das geplante Freiluftinterview. Das Gespräch fand am 4. Mai in der Schweriner Synagoge statt.
 
 

Gewalt und Konflikte verhindern – Vorteile abbauen – sicher leben

 
 
Verbale aber auch körperliche Attacken gegen Jüdinnen und Juden gibt es immer wieder. In der Vergangenheit gab es auch in MV Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und Grabschändungen. Antisemitismus ist auch in unserer Region kein unbekanntes Phänomen. Der Geistliche bedauert die Zunahme der politisch/religiös motivierten Straftaten. Sowohl im extrem rechten wie linken politischen Spektrum. Antisemitismus bzw. Judenhass sei vielfältig und ihm könne wirksam nur durch den persönlichen Kontakt der Menschen begegnet werden. Erfreulicherweise ist es in MV nicht zu solchen menschenverachtenden Gewalttaten wie in Halle gekommen. Aber auch in unseren jüdischen Gemeinden wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Er persönlich fühle sich sicher, aber man muss den Feuerlöscher parat haben“, so der Landesrabbiner. Gerade junge Menschen, Schülerinnen / Schüler und Studierende, sollten Einblick in das Leben und Wirken der jüdischen Gemeinden bekommen. Dazu ist der Rabbiner mit dem Bildungsministerium im Gespräch. „Wir wollen die Schülerprogramme intensivieren, weil man nur durch das Kennenlernen von Menschen Vorurteile abgebaut werden können“, so Rabbiner Kadnykov.
 
Natürlich hofft auch der Landesrabbiner darauf, dass die Auswirkungen der Corona Pandemie bald hinter uns liegen. „Wenn Corona als Spuk verschwindet, dann sind unsere Tore offen und sie sind immer herzlich willkommen“, lädt der sympathische Vorsteher der jüdischen Gemeinden in MV ein. Ebenso wie die Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum mitten in der Stadt sind, so soll auch die jüdische Gemeinde mitten in unserer Gesellschaft sein. 

geb. 1959, gelernter Metallfacharbeiter und grad. Historiker, arbeitete für Gewerkschaften und politische Stiftungen in Europa u.a. 2015-2019 als stellvertretender Generalsekretär beim Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB), in Brüssel. Schwerpunkte: Industrie- und Sozialpolitik sowie Lokalgeschichte und Kulturelles. Wohnt seit 2017 in Schwerin.

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