Schwerin: Masern-Impflücken größer als angenommen

Der Arzneimittelreport der BARMER weist eine unerwartet große Impflücke bei Masern aus. Von "Masern-Alarm" und "alarmierenden Ergebnissen" ist die Rede.

Impflücke auch in Schwerin | Foto: Symbolbild

Immer wieder erleben wir Wellen in der Diskussion um die Impfung von (Klein-)Kindern. Zuletzt hatte die Bundesregierung dem Bundesrat eine Gesetzesinitiative zur Einführung einer Impfpflicht gegen Masern vorgelegt. Diese enthielt auch eine klare Definition der zu verpflichtenden Personengruppen sowie einen Sanktionskatalog bei Zuwiderhandlungen. Verschiedene Ausschüsse sowie der Bundesrat fordern Nachbesserungen.

Und auch in der Bevölkerung ist de Impfpflicht nicht unumstritten. Vor allem in den Städten ist die Zahl der Impfgegner größer. Eine Studie der Techniker Krankenkasse ergab kürzlich, dass jeder 9. Städter verpflichtende Impfungen von Kindern ablehnt. Auf dem Land sind es lediglich 2 Prozent.

Masern-Alarm – Kein „Herdenschutz“

Die Gründe für die Ablehnung mögen vielfältig sein. Eine fehlende Notwendigkeit aber widerlegt nun allerdings der aktuelle Arzneimittelreport der BARMER. Darin wird deutlich, dass die Impflücken auch in Mecklenburg-Vorpommern größer sind, als bisher angenommen. Von „Masern-Alarm“ ist die Rede. Maximal 90,5 Prozent der Schulanfänger seien demnach vollständig gegen Masern geimpft. Mag dieser Wert auf den ersten Blick hoch erscheinen, so sieht die Realität anders aus, erklärt der Landesgeschäftsführer der Krankenkasse, Henning Kutzbach. „Bei Masern gilt ,Herdenschutz‘ erst ab einer Impfquote von 95 Prozent. Nur dann sind auch diejenigen geschützt, die sich nicht impfen lassen können.“ Wird dieser Wert nicht erreicht, kann sich die Krankheit nach wie vor ausbreiten.

Hohe Impfquote reicht nicht aus

„Unbestritten hat Mecklenburg-Vorpommern eine der höchsten Masernimpfquoten bundesweit. Erschreckend ist jedoch, dass die Zahl derjenigen, die nicht oder nicht vollständig geimpft sind, nach unserer Studie sehr viel höher ist, als bisher angenommen. Man darf nicht vergessen, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind, sondern es bei jedem zehnten Erkranktem zu ernsten Komplikationen kommen kann“, so Kutzbach

„Alarmierende Ergebnisse“

Um einen vollständigen Schutz gegen Masern gewährleisten zu können, empfiehlt die Ständige Impfkommission bis zum Ende des 2. Lebensjahres zwei Impfungen. Für Mecklenburg-Vorpommern weist der Arzneimittelreport der Krankenkasse 2,5 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe aus, die gar keine der beiden Impfungen haben. Vollständig immunisiert – also mit beiden Impfungen versehen – sind allerdings nur 76 Prozent der Zweijährigen. Da speziell diese Kinder bis zu zwei Jahren statistisch gesehen am häufigsten an Masern erkranken, muss diese Zahl durchaus als alarmierend angesehen werden. BARMER-Landeschef Kutzbach begrüßt daher ausdrücklich die Landesinitiative „MV impft“ und die breite Unterstützung aus den Landtagsfraktionen für eine bundesweite Impfpflicht.

Es zeigt sich also, dass die Gefahr von Masernerkrankungen alles andere als nur noch statistisch ist. Sie ist aktuell und durchaus akut. Es bleibt abzuwarten, ob und wie Bundestag und Bundesrat zu einer einvernehmlichen Lösung kommen und ob schon bald doch eine Impfpflicht kommt.

Redaktion

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